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Es ist Sommer

Es ist schon eine ganze Weile her das ich von Trischen berichtet habe. Wie schön, dass Sie nach wie vor dabei sind und dem Blog treu bleiben! Ich war selber eine Weile auf dem Festland und bin nun glücklich wieder einige Tage auf der Insel zu verbringen.

Seit meinem letzten Inselaufenthalt hat sich einiges verändert. Die Küken der Möwen und Seeschwalben sind inzwischen groß geworden, manche können sogar schon richtig gut fliegen. Die Salzwiesen und Dünen sind mir allerdings als erstes ins Auge gefallen, denn sie erstrahlen jetzt in bunten Farben. Vor allem der Halligflieder durchzieht weite Teile der Salzwiese in zartem Violett. Und überall dazwischen strecken die Salzwiesenpflanzen ihre Blüten in den Himmel. Diese Blütenpracht zieht viele Insekten an. Überall fliegen plötzlich Falter und Heuschrecken auf, wenn ich von der Hütte durch die Wiese zum Dünenübergang laufe. Etliche Fliegen, Ameisen und Schwebfliegen umkreisen die Hütte. Verschiedenste Käfer huschen davon, sobald ich versuche mich ihnen zu nähern.

Es ist auf Trischen richtig sommerlich geworden

Auch die Geräuschkulisse hat sich stark verändert. Vor kurzem haben noch die Rotschenkel den Ton angegeben. Jetzt dominieren abends, wenn die Vögel und auch der Wind etwas zur Ruhe gekommen sind die Heuschrecken. Die Luft ist erfüllt von ihrem zirpen und surren.

Also habe ich mich mal ein bisschen auf die Suche gemacht und habe auf Anhieb drei verschiedene Heuschrecken gefunden. Der Weißrandige Grashüpfer, Roesels Beißschrecke und die Kurzflüglige Schwertschrecke.

 

 

Diese drei Arten habe ich sogleich an die FÖAG gemeldet. Die arbeiten nämlich an einem neuen Atlas für Heuschrecken in Schleswig-Holstein. Also, liebe LeserInnen aus Schleswig-Holstein, wenn auch Sie sich auf die Suche nach Heuschrecken in Ihrer Nähe machen möchten, dann schauen Sie doch einfach mal hier.

Und Allen LeserInnen sende ich viele Grüße von Trischen und wünsche Ihnen schöne Heuschreckenkonzerte an ruhigen Sommerabenden!

Hightech auf Trischen

Bis vor wenigen Jahren wurden die Brutvögel im Nationalpark Wattenmeer ausschließlich durch VogelwartInnen, amtliche oder ehrenamtliche OrnithologInnen erfasst. Nicht immer eine einfach Aufgabe, vor allem wenn es um große Vogelkolonien geht. Diese großen Brutkolonien werden vor allem von Möwen, Seeschwalben, Kormoranen und Löfflern gebildet. Zudem sind eben diese Kolonien oft in Gebieten, welche schlecht zu erreichen und einzusehen sind. Für genau diese Standorte wird seit einigen Jahren eine Technik erprobt, welche die Vogelzählung vereinfachen soll. Eine Drohne fotografiert diese Vögel aus der Luft. Anschließend werden die Fotos am Computer angeschaut und die Brutpaare ausgezählt.

noch ist die Drohne am Boden

 

Werden Drohnen in der Nähe von brütenden und rastenden Vögeln fahrlässig eingesetzt, können sie große Störungen verursachen. Die Vögel können nicht unterscheiden ob es sich um einen Greifvogel handelt, oder ob es eben „nur“ eine Drohne ist. Deshalb ist das fliegen lassen von Drohnen an den meisten Stellen nicht erlaubt.

Auf Trischen und an den anderen Koloniestandorten im Nationalpark wird die professionelle Erfassung durch die Drohne deshalb auch intensiv wissenschaftlich begleitet, um ihre Wirkung auf die Vögel zu untersuchen.

Auf Trischen war es dann vor Kurzem soweit. Zwei Mitarbeiter von BioConsult waren mit mir auf Trischen um dort die Möwen, Kormorane und Löffler zu befliegen. Die Drohne ist insgesamt drei Mal in die Luft gegangen. In 70 Meter Höhe hat sie sie Insel in geraden Bahnen überflogen und dabei über 3.000 Fotos gemacht!

Ich selber habe während der Flüge ein Protokoll von der Hütte aus erstellt und genau notiert welche Vögel wie reagierten. Insgesamt war die Störung recht gering. Einige Austernfischer flogen für einige Minuten hinter der Drohne her, Möwen und Kormorane sind dagegen nur kurz in die Luft gegangen und haben sich auch gleich wieder hingesetzt. Nun warte ich gespannt was die Drohne fotografiert hat und wie viele Brutpaare ausgezählt werden.

 

Trotz der technischen Zählung werde ich die Tiere auf Trischen natürlich weiter beobachten. Denn viele Erkenntnisse, welche ich im Gebiet erlange, können durch die Drohne nicht ersetzt werden. Der Bruterfolg zum Beispiel, also wie viele Küken flügge werden oder eben kleine Vogelarten oder versteckt brütende Arten. Und so werden künftig wohl auch weiterhin VogelwartInnen und VogelzählerInnen im Nationalpark Brutvögel erfassen, so wie es eben schon immer gemacht wurde.

Am Strand

Liebe LeserInnen, ich hoffe Sie hatten Freude am miträtseln 🙂

Es gab hier eine Vermutung im Gästebuch: Die Eikapsel eines Hais! Ein guter Tipp, denn diese sehen tatsächlich ganz ähnlich aus und man kann sie auch regelmäßig am Strand finden.

Was ich da am Strand gefunden habe, ist jedoch ein Teil eines Vogelskelettes.

 

 

In der Abbildung kann man gut sehen, wie der „tanzende Bär“ quasi kopfüber im Skelett des Vogels eingefügt ist. Es handelt sich hier um das Brustbein. Das starre und große Brustbein stabilisiert den Körper beim Flug und bietet viel Platz für die Ausbildung von großen Flugmuskeln.

Auch sonst sind die Knochen von Vögeln ganz anders als unsere eigenen. Sie sind zum Beispiel mit vielen Luftkammern durchsetzt. Das macht den Vogel zu einem Leichtgewicht, was wiederum für das fliegen in der Luft ungemein praktisch ist.

Von welchem Vogel der Knochen stammt, kann ich leider nicht sagen. Nur das er schon offensichtlich länger im Meer lag, denn überall auf der verfärbten Oberfläche hatten sich bereits Seepocken angeheftet. Diese kleinen Krebstiere bauen ihre Panzer auf festen Untergründen. Aber das ist eine andere Geschichte…

Am Strand

Wer kennt das nicht. Ein Spaziergang am Strand, der Blick schweift umher, immer auf der Suche nach kleinen Schätzen. Eine schöne Muschel, ein schöner Stein oder vielleicht sogar eine Flaschenpost? Strandfunde machen einfach Spaß!

Wenn ich auf Trischen am Strand entlang gehe, schaue auch ich natürlich viel am Spülsaum entlang. Denn zwei Mal am Tag, mit jedem Hochwasser, bringt das Meer neue Dinge an den Strand. Neben den üblichen Muschelschalen, Holzstückchen und Steinen finde ich dort immer wieder Neues. Manchmal erkenne ich erst auf den zweiten Blick, was da eigentlich vor mir liegt. Und manchmal kann ich die Strandfunde auch gar nicht zuordnen. Heute möchte ich Sie mit an den Strand nehmen und Sie dürfen gerne miträtseln, was ich dort gefunden habe:

 

Eine Scherbe? Ein tanzender Bär?

Raten Sie gerne mit, in wenigen Tagen werde ich es hier auflösen!

Mein sympathischer Nachbar

Jetzt, in den ersten Junitagen, bekommen viele Vogelarten auf Trischen ihren Nachwuchs. In den letzten Tagen konnte ich schon erste Familien von Austernfischern im Watt beobachten. Auch die Möwenküken schlüpfen in diesen Tagen und die Küken der Löffler sind zum Teil schon richtig groß.

Rund um die Vogelwärterhütte fällt jedoch eine Vogelart ganz besonders auf: der Rotschenkel.

früh morgens am Dünenübergang

In direkter Nachbarschaft zur Hütte haben sie ihre Nester angelegt, so dass ich sie dort jeden Tag intensiv beobachten konnte. In den letzten Tagen habe ich endlich auch die „Kleinen“ durch das Gras huschen sehen. Damit die Elternvögel den Überblick behalten nutzen sie alle hohen Ansitzwarten, die ihnen zur Verfügung stehen. Da die höchste Ansitzwarte die Vogelwärterhütte selbst ist, sitzen sie auch regelmäßig direkt vor dem Fenster oder an der Treppe. Von hier oben können sie sehen, wo die Küken sich aufhalten oder ob sich eine Gefahr nähert. Und ich selber kann diese zarten Vögel auf den Sitzwarten wunderbar beobachten.

Durch anhaltendes Rufen führen sie ihre Küken durch die Salzwiese oder warnen sie bei Gefahr. Dieses Rufen fängt jeden Tag pünktlich zu Sonnenaufgang an. Einen Wecker benötige ich somit meistens nicht.

Die Küken sind sogenannte Nestflüchter. Das bedeutet, dass sie kurz nach dem Schlupf laufen und auch selbständig nach Nahrung suchen können. Meistens legen Rotschenkel vier Eier, im Abstand von 2 Tagen. Damit die Küken aber alle gleichzeitig schlüpfen, fängt das Weibchen erst mit dem vierten Ei an zu brüten. Ansonsten würden die älteren Küken schon davonlaufen, während das zuletzt gelegte Ei noch gar nicht geschlüpft wäre.

Dieses Jahr ist für die Rotschenkel auf Trischen ein gutes Jahr. Viele Familien sind unterwegs und sobald sich eine Möwe nähert fliegen etliche laut rufende Rotschenkel hinter ihr her, bis sie sich wieder davon machen. Je mehr Vögel an einem Ort brüten, desto besser funktioniert eben auch die Feindabwehr.

Das ist schön zu beobachten und so nehme ich den frühmorgendlichen Wecker auch gerne an.