Vogelmassen im August

Der August ist ein besonders vogelreicher Monat im Nationalpark Wattenmeer. Neben vielen noch anwesenden Brutvögeln nutzen derzeit zigtausende Mausergäste die Ressourcen des Wattenmeers, um ihr Federkleid zu erneuern. Auch arktische Rastvögel und Durchzügler sind bereits angekommen und fressen sich am reich gedeckten Tisch reichlich Reserven für ihre Weiterreise an.

Auf Trischen tobt also der Bär – zum Glück nur im bildlichen Sinne, denn außer mir gibt es hier keine landlebenden Säugetiere. Zur Zeit nutzen über 65.500 Vögel die Insel in der Schutzzone 1 des Nationalparks im Weltnaturerbe als Aufenthaltsort – vor allem bei Hochwasser. Hier können sie dann ungestört die bei Ebbe aufgenommene Nahrung verdauen, sich der Gefiederpflege widmen und etwas schlafen oder dösen, bevor es mit dem ablaufenden Wasser wieder auf Nahrungssuche ins Watt hinaus geht. Bei Ebbe ist dann die Insel selbst fast von jeder Vogelseele verlassen.

Den größten Anteil der Vogelmassen zu Hochwasser auf und um Trischen machen momentan vor allem Brandgänse mit bis zu 26.000 Individuen und Eiderenten mit mehr als 13.000 Individuen aus. Viele dieser Mausergäste sind inzwischen wieder flugfähig. Ihre alten Federn liegen haufenweise im Spülsaum.

Am Weststrand und an den Spitzen der Insel im Norden und Süden rasten zusammen rund 8.400 Möwen; vor allem Herings-, Silber- und Lachmöwen, aber auch Sturm- und Mantelmöwen und vereinzelt sogar Steppen- oder Mittelmeermöwen. Ebendort sitzen verschiedene Limikolen-Arten in bunt gemischten Gruppen mit rund 6.500 Alpenstrandläufern, etwa 1000 Sanderlingen, mehr als 700 Sandregenpfeifern sowie Knutts, Pfuhlschnepfen und Kiebitzregenpfeifern. Mehr als 5.800 Austernfischer sitzen als schwarzer Block zusammen, während die rund 3.600 Großen Brachvögel verteilt in der Salzwiese kaum zu sehen sind. Erst wenn ein Wanderfalke oder eine Rohrweihe überfliegt und sie aufscheucht, fällt mir auf, wie viele ich übersehen habe. Auch die anderen Vögel fliegen dann manchmal alle auf – besonders blöd ist dies, wenn ich gerade zur Hälfte durchgezählt habe.

Viele Limikolen rasten allerdings auch auf einer Sandbank nordwestlich von Trischen, dem D-Steert. Sie kommen nur bei besonders hohem Hochwasser in die Gefilde der Wanderfalken, nach Trischen. In der Ferne sind Wolken umherfliegender Vögel zu sehen und bei ablaufendem Wasser fliegen Knutts, Kiebitzregenpfeifer, Pfuhlschnepfen und Co von dort zu ihren Nahrungsgründen.

Mit all diesen vielen tausenden Vögeln ist Trischen nicht nur ein wahres Vogelparadies sondern auch ein Vogelwart-Paradies.

Jonas

Jonas

Naturschutzwart Trischen 2018