Naturschatz #3: Kleiner Wal in großer Not

Der Schutz der Wale, der internationale Kampf gegen die blutige Waljagd Japans unter dem Deckmantel der Wissenschaft, ist den meisten Menschen bewusst und empört nicht nur professionelle und ehrenamtliche Naturschützer. Viel weniger scheint jedoch bekannt zu sein, dass es auch vor unserer Haustür, in Nord- und Ostsee, einen kleinen Wal gibt, der in Not ist: der Schweinswal. Wir haben ihn zum Naturschatz der Woche gewählt.

Foto: S.Koschinski/Fjordbelt DK

Foto: S.Koschinski/Fjordbelt DK

Schweinswale sind kleine Verwandte der Delfine aus der Gruppe der Zahnwale und sie sind die einzige Walart, die ganzjährig vor unseren Küsten vorkommt und sich dort auch fortpflanzt. Charakteristisch sind ihre gedrungene Körperform und die kurze Schnauze. Sie können bis zu 1,80 Meter groß und 90 Kilogramm schwer werden. Wir unterscheiden an unseren Küsten drei Populationen, die nur in begrenztem Austausch zueinander stehen: eine in der Nordsee, eine im Kattegat und der Beltsee und eine in der zentralen Ostsee. Letztere gilt als vom Aussterben bedroht, sie zählt vermutlich nur noch 450 Tiere. Ein Naturschatz, den es zu retten gilt!

In den letzten Jahren gehen insbesondere die Bestände in der Ostsee immer weiter zurück. Die Meere sind zu Industrieparks geworden. Riesige Containerschiffe kreuzen die Wanderrouten des „Kleinen Tümmlers“, Saugbagger fördern Sedimente, die Marine führt Unterwassersprengungen durch und die Fundamente für Windkraftwerke werden mit riesigen Rammen in den Boden getrieben. Unterwasserlärm ist zu einer der größten Bedrohungen für alle Wale im Meer geworden. Ihr sensibles Gehör, ihr primärer Sinn, unverzichtbar für ihre Echolokation, wird so verletzt und gestört. Und leider sterben auch Jahr für Jahr Dutzende, v.a. junge Tiere als ungewollter Beifang in der Stellnetzfischerei. Sie verfangen sich in den für sie unsichtbaren Maschen auf der Suche nach Nahrung oder Artgenossen. Und dies selbst in den für sie ausgewiesenen Schutzgebieten. Darüber hinaus leiden auch Schweinswale wie viele andere Meerstiere unter den globalen Katastrophen des Klimawandels, der Ozeanversauerung und der zunehmenden Vermüllung der Ozeane.

Eigentlich sollte heute alles besser sein. Deutschland hat schon vor Jahren 47 Prozent seiner Gewässer in Nord- und Ostsee unter den Schutz des Natura-2000-Netzwerks gestellt. Das sind die Schutzgebiete nach EU-Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Richtlinie und EU-Vogelschutzrichtlinie. In nahezu allen FFH-Gebieten war die Verbreitung des Schweinswals entscheidend für die Ausweisung und Grenzziehung. Ihre Kinderstube am Sylter Außenriff steht so unter Schutz, ebenso wie ihr zentraler Wanderkorridor in der Ostsee, die Kadetrinne. Ein weiterer Hotspot ist die Flensburger Förde.

Doch was nützen Schutzgebiete in denen gefischt, Kies- und Sand abgebaut oder Windanlagen gebaut werden? Es mangelt an dem politischen Willen, den Natura-2000-Gebieten den Schutz zukommen zu lassen, der ihnen nach nationalem und EU-Umweltrecht zusteht. Es wird höchste Zeit, nicht nur für den Schweinswal, dass wir handeln. 2015 ist ein politisch entscheidendes Jahr für den Meeresschutz: die reformierte EU-Fischereipolitik ist in der Umsetzung, die Natura-2000-Gebiete in der sogenannten Ausschließlichen Wirtschaftszone sollen Managementpläne erhalten (NABU-Broschüre zum download) und die Maßnahmen der EU-Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie, die die Meere bis zum Jahr 2020 in einen guten ökologischen Zustand versetzen sollen, sind noch bis Oktober in der öffentlichen Konsultation. Keine Zeit also zum Durchatmen. Auch wir als NABU versuchen oftmals im Verbund mit anderen Umweltverbänden, uns für den Schutz der Artenvielfalt in Nord und Ostsee stark zu machen. Wir testen mit dem Bundesamt für Naturschutz und Fischern in Schleswig-Holstein alternative Fanggeräte wie Langleinen oder Angelmaschinen, um Beifänge von Schweinswalen aber auch Seevögeln in Stellnetzen zukünftig zu vermeiden. Wir haben uns an der Schweinswal-Ausstellung „Die letzten 300“ beteiligt, die gerade im Deutschen Meeresmuseum Stralsund ihre Zelte abgebrochen hat. Und wir nutzen auch unser letztes Mittel, die Klage, wenn wir merken, dass fundamentale Schutzziele durch menschliches Handeln verletzt werden, wie beim Bau des Windparks Butendiek im Sylter Außenriff oder wenn in Schutzgebieten mit zerstörerischen Methoden gefischt wird.

Lärm beim Rammen von Offshore-Fundamenten bedroht nicht nur Schweinswale.

Lärm beim Rammen von Offshore-Fundamenten bedroht nicht nur Schweinswale. Foto: NABU/A.Fußer

Helfen auch Sie, den Schweinswal und andere Naturschätze in Nord- und Ostsee zu erhalten! Dazu muss die Europäische Kommission davon abgehalten werden, die EU-Naturschutzrichtlinien zu schwächen. Dazu können Sie jetzt hier beitragen!

Übrigens – mehr zu den Aktivtäten des NABU im Meeresschutz finden Sie auf www.NABU.de/meere.

Kim Detloff

Kim Detloff

NABU-Leiter Meeresschutz
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1 Kommentar

U/lrike Laws

15.05.2015, 19:28

Wirs sollten die kleinen Waale retten und schützen! Unbedingt

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