Naturschätze-Lektüre zum Wochenende #11

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bioenergieDer Anbau von Energiepflanzen befördert den Verlust wertvoller Lebensräume für Tiere und Pflanzen nicht nur in den Regenwäldern Indonesiens, sondern auch hier in Europa. Dies zeigt das am Dienstag vom NABU-Dachverband BirdLife International und der Umweltorganisation Transport & Environment in Brüssel vorgelegte Schwarzbuch Bioenergie. Anhand von acht weltweiten Beispielen, darunter sechs aus Europa, dokumentiert das Buch das enorme Ausmaß der Zerstörung. Beispiele von gerodeten Urwäldern in Finnland oder Kahlschlägen in der Slowakei belegen, dass der Energiepflanzen-Anbau selbst vor Schutzgebieten keinen Halt macht. Mehr…

 

Glyphosat - Grafik: NABU/Diana Neumerkel

Glyphosat – Grafik: NABU/Diana Neumerkel

Letzten Mittwoch stärkte der Europäische Gerichtshof (EuGH) mit zwei weichenstellenden Urteilen die Rechte von Bürgern auf Auskunft über die Wirkungen von Pestiziden. Die Richter stellten klar, dass der Begriff „Emissionen“ aus dem europäischen Recht sich ebenfalls auf Pestizide beziehe. Demnach wären nationale und EU-Behörden sowie Unternehmen dazu verpflichtet, entsprechende Studien der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Den Urteilen waren zwei Verfahren vorangegangen, in welchen die Herausgabe von Dokumenten einerseits von Greenpeace und PAN zu Glyphosat (Breitbandherbizid) und andererseits von einer niederländischen Bienenstiftung zu Imidacloprid (Neonikotinoid) eingefordert wurden. Vertreter der Agrochemie wie der Verband der Europäischen Chemischen Industrie (der auch Unternehmen wie Bayer oder BASF angehören) beklagten naturgemäß den Beschluss mit der Begründung, er sei innovationsfeindlich, verletze das Recht auf Betriebsgeheimnisse und schränke die Wettbewerbsfähigkeit ein. Für Belange des Umwelt- und Naturschutzes in der EU setzt der Beschluss ein unverkennbar positives Signal, da er mit weitreichenden Konsequenzen für die Risikobewertung von Pestiziden einhergehen könnte. Darüber hinaus ist die Transparenz wichtig, um die Bewertung durch unabhängige Wissenschaftler gewährleisten zu können.


Zum Thema Synthetische Biologie scheiden sich die Geister: für Befürworter eine heilsversprechende Technologie,  sehen sich Gegner mit einer Reihe von Horrorszenarien konfrontiert. Fest steht, dass mit dem Einsatz von Synthetischer Biologie und insbesondere der Freisetzung ihrer Produkte in die Umwelt eine Reihe verheerender ökologischer Auswirkungen einhergehen könnten. Worum es bei dieser neuen Technologie genau geht und welche Gefahren damit einhergehen, erläutert der Kurzfilm „Was ist Synthetische Biologie“.

Filmausschnitt aus „Was ist Synthetische Biologie?“ des Bioeconomies Media Project und der ETC Group

Filmausschnitt aus „Was ist Synthetische Biologie?“ des Bioeconomies Media Project und der ETC Group

Da passt es auch, dass Jochen Flasbarth, Staatssekretär des Bundesumweltministeriums, vor wenigen Tagen die Europäische Union dazu aufforderte, Anwendungen der Synthetischen Biologie wie gene-drive mit Gentechnik gleichzusetzen. Damit würden bestehende Zulassungskriterien, wie sie derzeit für gentechnisch veränderte Organismen bestehen, de facto auch für die neuen Technologien gelten. Flasbarth greift dabei Diskussionen aus der EU-Kommission auf: sie ist derzeit noch am abwägen, wie die Synthetische Biologie rechtlich einzuordnen sei. Befürworter von gene-drive und Co. setzen sich dafür ein, von bestehenden Regularien ausgeschlossen zu werden. Doch damit bestünde die Gefahr, dass die neuen Technologien sogar weniger bewertbar und reguliert wären als die konventionelle Gentechnik. Ganz zu schweigen von den negativen Auswirkungen für Mensch und Natur, die zum gegenwärtigen Wissenstand noch gar nicht abschließend bewertet werden können. Daher ist es im Sinne des Vorsorgeprinzips der EU vielmehr angeraten, ein Moratorium auf Feldversuche und den Einsatz von gene-drives in die Wege zu leiten, bis die Methode besser erforscht ist.

Während der anstehenden COP13 der Biodiversitätskonvention (CBD) bleibt zu hoffen, dass die Vertragsstaaten mit einem guten Beispiel vorangehen: die Synthetische Biologie wird eines der Kernthemen auf der diesjährigen Agenda sein (lesen Sie hierzu auch das Briefing der „Zivilgesellschaft zu synthetischer Biologie“).

 

LESETIPPS

Martin Selmayr im Gespräch mit dem deutschen Kommissar für digitale Wirtschaft und Gesellschaft (zukünftig: EU-Haushaltskommissar) Günther Oettinger. Foto: European Union 2016 Source: EC-Audiovisual-Service Photo: Jean-François Badias

Martin Selmayr im Gespräch mit dem deutschen Kommissar für digitale Wirtschaft und Gesellschaft (zukünftig: EU-Haushaltskommissar) Günther Oettinger. Foto: European Union 2016 Source: EC-Audiovisual-Service Photo: Jean-François Badias

Martin Selmayr, Kabinettchef des EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Junckers, stand zuletzt zunehmend in der Kritik. Mit „Monster im Berlaymont“ betitelt die EU-Ausgabe der US-amerikanische Zeitung „Politico“ vergangene Woche einen ausführlichen Artikel über den mächtigsten „chief of staff“ aller Zeiten. Die Meinungen zu seiner Person und seinem Vorgehen in Brüssel könnten gespaltener kaum sein. „Er wird bewundert, verachtet und gefürchtet“. Er verfolgt damit ein ähnliches Model wie einer seiner Vorgänger. Pascal Lamy, die legendäre rechte Hand des Kommissionspräsidenten Jaques Delors (1985-1994) ernete damals den Spitznamen „Das Biest im Berlaymont“. Für den Naturschutz interessierte er sich bisher wohl eher wenig, und dennoch bereitet er derzeit die Entscheidung von Jean-Claude Juncker zu den EU-Naturschutzrichtlinien vor. Zum Politico Artikel…

 

birdeye-novWie immer lesenswert: Der BirdLife Europe NewsletterBirdseye“ für November. Mit „The Good, The Bad and The Ugly“ treffen die Kollegen wieder einmal den Geist der Zeit und stellen die Licht- und die vielen Schattenseiten der Bioenergie heraus. Mehr…

 

 

HINWEISE UND VERANSTALTUNGEN

Tropische Raupe - Foto: rspb-images/C. Kendall

Tropische Raupe – Foto: rspb-images/C. Kendall

Die 13. Vertragsstaatenkonferenz zur Konvention über biologische Vielfalt (CBD) findet vom 4. bis 17. Dezember in Cancun, Mexiko. Vier Jahre vor dem Zieldatum des Strategischen Plans für Biodiversität 2011 bis 2020 wird die diesjährige Konferenz neben dem Kernthema „synthetischen Biologie“ besonders auf die beschleunigte Umsetzung fokussieren müssen, um den Biodiversitätsverlust bis 2020 überhaupt noch stoppen zu können. Der NABU wird vor Ort dabei sein und hier im Blog, auf NABU.de und auf Twitter (#COP13) berichten.

 

Autoren: Till-David Schade und Kristina Richter

Kristina Barnes

Kristina Barnes

Referentin für EU-Naturschutzpolitik
Kristina Barnes

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