Große Ziele, aber zu wenig Geld

Das fünfte Plenum des Weltbiodiversitätsrates (IPBES-5) ist letzten Freitag nach vier Verhandlungstagen in Bonn beendet worden. Nachdem IPBES-4 in 2016 mit der Fertigstellung zweier Assessments glänzen konnte, dürften die diesjährigen Ergebnisse des 5. Plenums in der breiten Öffentlichkeit weniger für Aufregung sorgen, wurden doch vorrangig budgetäre und organisatorische Fragen erörtert.

Vollversammlung in Aktion: IPBES-5 am 08. März (Foto: NABU/T.D.Schade)

Von Bedeutung war IPBES-5 natürlich dennoch, da den Teilnehmern ein guter Überblick über die zahlreichen Aufgaben gegeben wurde, die bis zur Fertigstellung des ersten, bis 2019 laufenden Arbeitsprogramms noch anstehen. Und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um diese erfolgreich meistern zu können.

Ambitionierte Ziele

IPBES will der Bedeutung des Weltklimarats (IPCC) in nichts nahestehen. Mit dem Bestreben, unter Beachtung unterschiedlichster Wissensformen und Weltansichten durch die Entwicklung von Assessments eine weltweit beachtete Schnittstelle für Biodiversitätsbelange zwischen Wissenschaft und Politik zu sein, geht die Arbeitsweise von IPBES sogar weit über jene des IPCC hinaus.

Dabei sind die selbst gesteckten Aufgaben für das erste Arbeitsprogramm recht ambitioniert: insgesamt sollen 11 Assessments bis 2019 fertiggestellt sein. Sichtbare Erfolge konnten bisher nur durch den Abschluss zweier Assessments auf IPBES-4 vorgewiesen werden. Die Ergebnisse des Assessment of scenarios and models of biodiversity and ecosystem services sollen unter anderem dazu dienen, die IPCC-Szenarien um biodiversitätsrelevante Modelle zu erweitern und ein Online-Handbuch zur Anwendung der Ergebnisse zu entwickeln. Das Assessment of pollinators, pollination and food production fand breiten medialen Widerhall, mündete in einer Reihe wissenschaftlicher Publikationen zur gravierenden Bestäuberproblematik und führte 2016 auf der letzten Weltbiodiversitätskonferenz (CBD) zur Gründung der Coalition of the Willing on Pollinators, der auch Deutschland beitrat. Mit diesen beiden Assessments schaffte es IPBES schließlich, auch auf internationaler Ebene mehr Anerkennung zu finden.

Weitere sechs Assessments stehen bereits in den Startlöchern und sollen 2018 verabschiedet werden: Die vier Regional assessments on biodiversity and ecosystem services dürften weltweit auf großes Interesse stoßen, da sie erstmalig jeweils spezifisch für vier Weltregionen (Deutschland fällt unter die Region „Europa und Zentralasien“) den Zustand, die Entwicklungstendenz und die zu erwartenden Auswirkungen auf das menschliche Wohlergehen bewerten. Auch vom Assessment on land degradation and restoration kann man sich erhoffen, wissensbasierte Instrumente zur Wiederherstellung degradierter Ökosysteme vorgelegt zu bekommen. Das Global assessment on biodiversity and ecosystem services vereint die Ergebnisse aller Assessments auf einer globalen Skala. Darüber hinaus sollen die Wirksamkeit des „Strategischen Plans 2020“, der „Aichi-Biodiversitätsziele“, nationaler Biodiversitätsstrategien und Aktionspläne kritisch beurteilt werden. In der Hoffnung, deren zukünftige Ausgestaltung maßgeblich mitzubestimmen, soll das Global assessment als Treiber zielgerichteter(er) politischer Beschlüsse fungieren.

Akkreditierte Stakeholder haben ab Mai bis August die Möglichkeit, die Entwürfe aller sechs genannten Assessments einzusehen und zu kommentieren – eine Gelegenheit, die sich der NABU nicht entgehen lassen wird. Eine intensivere Auseinandersetzung mit den Assessments ist im Rahmen der diesjährigen in Ungarn stattfindenden „Pan-European IPBES Stakeholder Consultation“ realisierbar.

Knappe Güter Zeit, Geld und Personal

Den ambitionierten Zielen stehen finanzielle Engpässe gegenüber. So fehlt zur Fertigstellung des aktuellen Arbeitsprogramms noch eine stattliche Summe von nahezu 11 Millionen US-Dollar. Mit den weiteren, nunmehr auf 2018 verschobenen drei geplanten Assessments zu den Themen „Konzeptionalisierung“, „Nachhaltige Nutzung“ und „Invasive Arten“ sind zusätzlich noch jeweils etwa 1 Millionen US-Dollar aufzubringen. Der anstehende Review des Arbeitsprogramms wird ebenfalls Ressourcen bündeln, ganz zu schweigen von weiteren laufenden Vorhaben zu Knowledge and Data, Policy Support Tools und Capacity Building. All das kann nur durch zusätzliche finanzielle Zusagen einiger Mitgliedstaaten gedeckt werden.

Da zur Fertigstellung eines Assessments auch bis zu 150 Autoren unterschiedlichster Disziplinen benötigt werden und viele bereits jetzt in mehreren laufenden Assessments gleichzeitig eingebunden sind, läuft IPBES auch Gefahr, unter fehlenden personellen Ressourcen zu leiden. Insbesondere beim Global Assessment mangelt es an ausreichend fachlicher Expertise. Dem soll die Erarbeitung und Umsetzung eines rolling work programme Abhilfe verschaffen, um notwendige budgetäre und personelle Ressourcen zukünftig besser einschätzen zu können.

Der Antrag der kolumbianischen Delegation zur Austragung von IPBES-6 wurden unter tosendem Beifall erfolgreich vom Plenum angenommen (Foto: enb.iisd.org)

Gradmesser IPBES-6

Das nächste Plenum wird 2018 in Medellín (Kolumbien) stattfinden. Hier wird sich zeigen, ob die Handlungsfähigkeit von IPBES durch knappes Geld und Personal Abstriche erleiden muss oder sich abzeichnet, dass das Arbeitsprogramm bis 2019 erfolgreich abgeschlossen werden kann.

Zu Wünschen sei es: auch die Erfüllung von Klima- und Nachhaltigkeitszielen wird zu einem entscheidenden Teil vom Erhalt der Biodiversität abhängen – und von Entscheidungsträgern, die auf der Grundlage fundierter Informationen handeln. Eine Prämisse, die der IPBES Rechnung tragen will.

Eine ausführliche Zusammenfassung von IPBES-5 finden Sie unter den IISD Reporting Services.

Weitere Informationen zu IPBES sind auf den Websites des NABU oder IPBES-Sekretariats abrufbar. Die Websites des NeFo klären darüber hinaus über Beteiligungsmöglichkeiten von Stakeholdern auf.

Till-David Schade

Till-David Schade

Referent für Biologische Vielfalt

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