Gemüsespendendes Baumwollmandelmilchfrüchtchen

Ohne Insekten sähe dieser Korb ziemlich leer aus. Foto: NABU/ S. Sczepanski

Über den omnipräsenten Nutzen der [Insektenbestäubung]

Als ich heute Morgen meine [Zähne putzte] – noch in der Dusche stehend, [vollgeschäumt] – alsdann in meine [Kleidung] schlüpfte, schnell den [zuckersüßen] [Kaffee] trank, noch zur S-Bahn gehend mein [Frühstücksbrot] verspeiste, kaum im Büro angelangt schon ans [Mittagessen] dachte, und lachte, als ich mich vorher leicht mit [Tee] verbrühte – den ich mir genüsslich mit [Honig] versüßte – und mich dann zum Mittag hin, den Kollegen zum Geleit, ein ultramodernes Berliner [Smoothie-Bowl-Lunch] gönnte – aus [Kiwi]-Creme, pikiert mit [Chia-Samen], flankiert von [Mango]stückchen, amüsiert ob der Garnitur aus [Rosmarin] – und bald, kaum dass ich hockte, der Nachmittag frohlockte, mit einem Gang zum [Bäcker], weil ich mal wieder was essen könnte, wie das schwere [Mandelhörnchen] oder diese feinen [Eclairs] mit [Vanillepudding-Füllung], die mich dann, kaum am Platz, ziemlich ins Schwitzen brachten, und ich mich deshalb – bevor es die Runde machte – aufs Klo verkroch um mein [Deodorant] zu zücken, um weniger schlecht zu riechen, vielleicht gar zu entzücken, obwohl dann bereits der Feierabend rief, und die Freunde warteten, mit einem Weinglas in der Hand, vielleicht mit einem Bier, in unserem [Gemeinschaftsgarten], wo schon die nächste Ernte vor der Türe stand, aus [Beeren] und allerlei [Gemüsesorten]…da hatte ich ja noch keine Ahnung, mit welch gähnender Leere ich rechnen müsste, wenn wir es nicht hätten: Das „Gemüsespendende Baumwollmandelmilchfrüchtchen“.

Leergefegtes Regal während der Bienen-Aktion von PENNY und NABU. Foto: NABU/ T.D.Schade

Leider kann mit diesem Artikel weder die Entdeckung einer neuen Tier- noch einer neuen Pflanzenart verkündet werden. Dafür aber einmal mehr auf den umfassenden Nutzen hinweisen, den wir den bestäubenden Insekten verdanken. Aus diesem Grund wurden alle Produkte, die der Insektenbestäubung bedürfen, im obigen Text in [] gesetzt. Der Gang durch den PENNY-Markt in Hannover-Langenhagen im Rahmen der Bienen-Aktion, die gemeinsam mit dem NABU geplant und im Mai durchgeführt wurde, machte es sehr deutlich: Ohne die Insektenbestäubung sähe es ziemlich leer aus in den Regalen, nicht nur in diesem, sondern in allen Supermärkten. Bei der Bienen-Aktion mussten rund 60 Prozent der Produkte aussortiert werden, da sie mindestens einen bestäuberabhängigen Agrarrohstoff enthielten. Damit lieferte der leergefegte Markt ein gutes Spiegelbild dessen, was uns auch von der einschlägigen Fachliteratur zum Thema Insektenbestäubung bekannt ist: In unseren Breiten beträgt der Anteil der Pflanzenarten, die von Insektenbestäubung abhängen, etwa 80 Prozent. Das betrifft sowohl Wild- als auch Kulturpflanzen. Gerade letztere sind zur Herstellung einer Vielzahl an Produkten, die wir alltäglich konsumieren, unentbehrlich. Bei Lebensmitteln wie Birnen oder Brombeeren scheint die Abhängigkeit noch offensichtlich.

Von A wie Avocado bis Z wie Zahncreme

Das v.a. von der Ackerminze gewonnene Menthol findet sich in vielen Pflege- und Kosmetikprodukten wider. Foto: Christoph Buchen

Doch was haben Zahncreme oder Süßigkeiten mit Insektenbestäubung zu tun? Und weshalb gäbe es viele Brotsorten oder Kleidungsstücke ohne Insekten nicht mehr? Gerade bei verarbeiteten Produkten erkennt man die Abhängigkeit von der Insektenbestäubung erst auf den zweiten Blick. So ist in Zahncremes zur Verbesserung des Geschmacks oftmals Citronellol enthalten, das vorwiegend aus Rosen oder Geranien gewonnen wird. Viele Süßigkeiten enthalten Kakao oder Fruchtsaftextrakte und sind mit Bienenwachs überzogen. Brotsorten bestehen nicht nur ausschließlich aus Getreidesorten, die primär windbestäubt sind, sondern enthalten auch Sonnenblumen- oder Rapsöl. Und Kleidungsstücke? Nach wie vor sind Baumwollfasern der wichtigste Rohstoff der Kleidungsindustrie – die ihre Entstehung maßgeblich der Bestäubung von Bienenarten verdanken.

Um die Vielfalt der bestäuberabhängigen Agrarrohstoffe und der daraus gewonnenen Produkte zu verdeutlichen, hat der NABU eine Übersicht erstellt. Die Liste ist unter nachfolgendem Link einsehbar: Liste bestäuberabhängiger Agrarrohstoffe.

Die Eierlegende Wollmilchsau ist und bleibt eine Redewendung, die Idealvorstellung einer Nutztierart, die menschliche Bedürfnisse auf möglichst einfache Weise zu befriedigen vermögen soll. Doch wir müssen uns gar nicht mehr länger mit phantastischen Gedanken begnügen. Denn mit dem Gemüsespendenden Baumwollmandelmilchfrüchtchen haben wir nicht nur die perfekte Parodie auf die Wollmilchsau gefunden, sondern auch ein passendes Synonym für etwas, das äußerst real, zum Anfassen echt, aber leider mehr und mehr im Rückgang begriffen ist: Insekten.

Till-David Schade

Till-David Schade

Referent für Biologische Vielfalt
Till-David Schade

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