Wattenmeer Beiträge

Insekten im Wattenmeer

Moin!

Den heutigen Blogeintrag muss ich mit einer Korrektur starten: Im letzten Eintrag habe ich behauptet, ich sei das einzige „Säugetier“ auf Trischen. Dabei habe ich völlig die Seehunde unterschlagen, die sich gerade vor allem an der Nordspitze der Insel die Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Nicht alles, was Flossen hat, gehört zu den Fischen! 😉

Neben meinem Hauptaugenmerk, den Vögeln, möchte ich heute einer weiteren Klasse Aufmerksamkeit schenken: den Insekten. Ohne sie hätten viele Vogelarten hier auf der Insel nämlich schlichtweg keine Nahrung, und zudem ist das Themenjahr 2026 des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, zu dem Trischen gehört, ganz diesen faszinierenden Sechsbeinern gewidmet.

Besonders die Nachtfalter haben es mir angetan, auf die ich im Laufe der Saison auch noch genauer eingehen möchte, aber daneben gibt es natürlich unzählige andere Gruppen. Da man sich unmöglich auf alle spezialisieren kann, muss ich an dieser Stelle an einen sowjetischen Entomologen (Insektenforscher) denken, den ich 2018 auf einer Exkursion in Kirgistan kennenlernen durfte. Sein Rat hat mir schon während meines Studiums viel Kopfzerbrechen erspart:

„Man muss nicht alles wissen, man muss nur wissen, wo man nachschlagen kann.“

Früher schleppte man dafür dicke Bestimmungsbücher durch die Gegend, heute sind diese nach und nach digitalen und schließlich KI-gestützten Hilfen gewichen. Die Bandbreite ist mittlerweile riesig, aber ich möchte heute besonders auf ObsIdentify eingehen, die ich selbst schon seit vielen Jahren nutze.

Was mir an ObsIdentify (bzw. observation.org) gefällt, sind vor allem die „Community-Features“. Man kann in Gruppen die Entdeckungen von Freundinnen und Freunden sehen, es gibt Ranglisten und „Errungenschaften“, die man freischalten kann – fast wie in einem Spiel. Ein großer Pluspunkt: Das Projekt ist transparent finanziert und richtet sich nach europäischen Datenschutzrichtlinien. Im Vergleich dazu bietet als Beispiel das US-Pendant iNaturalist zwar oft die schickeren Funktionen, verarbeitet die Daten aber eben in den USA, was ich kritisch sehe. Und noch der Vollständigkeit halber: Der NABU bietet mit den Apps „Vogelwelt“ und „Insektensommer“ ebenfalls eigene Bestimmungshilfen an. Ich persönlich habe damit zwar noch keine Erfahrungen gesammelt, aber ich denke, dass sich auch hier ein Reinschauen lohnen kann.

Aber – und das ist mir wichtig zu betonen: Die Benutzung solcher Apps hinterlässt digitale Spuren. Wenn ich mir meine eigene „Heatmap“ anschaue, sehe ich genau, wo ich die letzten Jahre war, gearbeitet und geschlafen habe. In der heutigen Zeit, in der Daten oft wertvoller sind als Gold, müssen wir uns bewusst machen: Sobald wir ein Smartphone in der Tasche haben, sind wir nachvollziehbar. Die App ist nur ein Teil eines viel größeren digitalen Fußabdrucks, den wir ständig hinterlassen.

 

 

Und trotz aller Technik-Begeisterung gilt: Eine KI ist eine Hilfe, aber (noch) kein Ersatz für echte Expertinnen und Experten. Eine App erkennt oft nur das Offensichtliche. Deshalb schätze ich an ObsIdentify besonders, dass viele Beobachtungen im Hintergrund noch von echten Fachleuten geprüft und validiert werden.

In diesem Sinne: Wer meine Beobachtungen verfolgen oder selbst aktiv werden will, ist herzlich eingeladen, in meine Trischen-Gruppe bei ObsIdentify zu kommen! Es gibt eine Rangliste, und für den ersten Platz am Ende der Saison werde ich mir einen Preis überlegen – Mitmachen lohnt sich also! Beitreten könnt ihr über diesen Link oder indem ihr den QR-Code scannt.

 

Einladungscode ObsIdentify

 

Übrigens: Vor ca. 2 Wochen habe ich ein kleines Experiment gewagt und eine Flaschenpost auf Reisen geschickt. Diese wurde mittlerweile tatsächlich gefunden! Dazu aber im nächsten Beitrag mehr.

 

Trischen, den 13. April 2026

Sensation am Spülsaum: Ein Gruß von der „Gottfried“?

Moin zusammen,

Nachdem es hier im Blog lange ruhig war, geht es jetzt Schlag auf Schlag und ich muss direkt von einer Sensation berichten!

Bei meinem heutigen morgendlichen Kontrollgang am Nordweststrand ist mir schon von Weitem etwas aufgefallen, das im ersten Sonnenlicht seltsam golden schimmerte. Als ich näher heranging, traute ich meinen Augen kaum: Halb im Schlick vergraben lag ein massiver, quaderförmiger Block aus gelbem Sandstein, übersät mit verwitterten Zeichen, die selbst für mich als Laien eindeutig wie Hieroglyphen anmuten.

Ich wusste bereits aus Erzählungen von Axel von der „Gottfried“, einem Schiff, das 1822 mit einer Ladung ägyptischer Altertümer direkt vor unserer Küste versank. Es scheint, als hätte das Wattenmeer nach über 200 Jahren nun tatsächlich einen Teil dieser Schätze wieder freigegeben.

Ich habe sofort Fotos an die Expert:innen in Kairo geschickt. Die Rückmeldung kam prompt: Der Fund wurde soeben offiziell bestätigt! Es handelt sich zweifelsfrei um ein Stück aus der Ladung der Gottfried. Da die deutschen Behörden bei der Rückführung von Kolonialgütern – der Freiherr nannte sie damals ja diskret „Geschenke“ – oft etwas zögerlich agieren, stehe ich bereits in direktem Kontakt mit dem Antikenministerium in Ägypten für eine unbürokratische Heimkehr des Fundes.

Ich werde euch über den weiteren Verbleib und das Vorgehen selbstverständlich auf dem Laufenden halten!

Nachtrag 13:08 Ich hoffe sehr, dass sich die Bergung dieses Artefakts nicht mehr länger verzögert. Seit ich den Sarkophag berührt habe, geschehen auf der Insel merkwürdige Dinge und die Vögel verhalten sich äußerst seltsam, so konnte ich sogar Möwen aufnehmen, die angefangen haben, rückwärts zu rufen.

In meinem Hinterkopf hallt ständig die Warnung von Axel wider: „Fass nichts an, von dem du nicht sicher weißt, was es ist!“

Trischen, den 1. April 2026