Rotgans – Rottende Gans?

Wie der Überschrift zu entnehmen ist, soll es heute wieder um Gänse gehen. Dieses Mal um die letzten verbliebenen Überwinterer der arktischen Gänse und eine Charakterart des Wattenmeers. Und ja, auch hier bieten sich wieder viele Wortspiele mit dem Namen an. Die Gänse, um die es gehen soll, sind weder rot, noch ver-rotten sie, schon eher rotten sie sich zusammen, denn wie die meisten Gänse bilden sie außerhalb der Brutzeit große Trupps. Doch hier bezieht sich beides, wie bei den Rotschenkeln, auf die typischen Rufe. Das rollende „rrott rrott“ wird besonders bei Beunruhigung oder kurz vor dem Losfliegen zu einem Klangteppich, in den alle Gänse mit einstimmen. Es ist einer der prägenden Klänge der Insel.

Um welche Gänse geht es denn nun? Auch hier sind unsere Nachbarn aus den niederen Landen im Westen wieder einmal im Vorteil: Die niederländische „rotgans“ heißt auf deutsch Ringelgans (Branta bernicla). Während die Niederländer wieder nach dem Klang gegangen sind, war bei uns das Äußere entscheidender. Denn der „Ringel“ bezieht sich, wie bei der Ringeltaube, auf den weißen Halsfleck, der in der Regel aber nicht zu einem Ring geschlossen ist. Der Körper ist ansonsten recht dunkel mit schwarzem Hals, grau-brauner Obserseite und Flanke. Nur das „Heck“ ist wieder auffallend weiß.

Nun hat auch der Mai schon seinen Zenit überschritten und machte bislang seinem Namen doch recht häufig Ehre, so dass man Sonne und Wärme mit Wonne genießen konnte (und wenn man nicht aufpasst, ist der Sonnenbrand auch nicht fern). Auch die Ringelgänse haben das gute Wetter der letzten Tage genutzt und sich an den sprießenden Pflanzen letzte Fettreserven angefressen. Sie betreiben dabei sozusagen Umtriebswirtschaft: Sie fressen immer nur die frischen Spitzen von Andelgras, Strandflieder, Strand-Dreizack und Co, wandern dann durch die Salzwiese zur nächsten Äsungsfläche und kommen erst zurück, wenn genug nachgewachsen ist.

 

So gestärkt, bis zu 1,6 kg schwer, geht es nun, nach den Weißwangengänsen, auch für sie Richtung Nordosten, dorthin, wo jetzt vermutlich noch Schnee liegt: in ihre Brutgebiete in der sibirischen Tundra. Noch sind ca. 1.000 Vögel auf der Insel, doch die ersten sind bereits aufgebrochen und die letzten werden ihnen bis Ende Mai gefolgt sein. Bis auf ein Wiedersehen im Herbst.

Tore

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Naturschutzwart Trischen 2017