Erste Seehundgeburt

Am gestrigen Abend gab es noch ein freudiges Ereignis: Der erste Seehund wurde geboren.

Eigentlich wollte ich es mir gerade auf der Westseite der Hütte gemütlich machen, um den Möwen und Seeschwalben bei ihrem abendlichem Treiben zuzuschauen und den Sonnenuntergang zu genießen. Es war gerade ablaufendes Wasser, da schaute ich auch noch mal über das Watt. Vielleicht sind ja noch ein paar Watvögel oder Enten zu sehen, dachte ich . Auf einer Sandbank, die der Insel direkt vorgelagert ist, lag wie schön öfter in den letzten Tagen ein Seehund. Schön, dachte ich, und beachtete ihn erst einmal nicht weiter. Irgendwie nahm ich dann doch noch mal das Fernglas in die Hand und sah neben dem Seehund noch etwas Kleineres. Seltsam, dachte ich, für Seehundwelpen ist es doch eigentlich zu früh, die Wurfzeit ist doch erst im Juni. Also auch noch das Spektiv rausgeholt und da war zu erkennen, dass da, etwas strubbelig, tatsächlich ein kleiner Seehund lag. Da die letztjährigen Tiere jetzt schon deutlich größer, fast so groß wie die Erwachsenen sein und auch ein glattes Fell haben müssten, musste es wohl ein neugeborener Welpe sein. Auch das sie dort alleine lagen passte. Seehunde entfernen sich für die Geburt etwas vom restlichen Rudel.

Die Mutter verhielt sich für einen ruhenden Seehund merkwürdig. Sie drehte sich ständig vom Bauch auf eine Seite und zurück, robbte ständig hin und her, zum Welpen, stupste ihn an, robbte wieder Richtung Priel. Sie war sichtlich aufgeregt und versuchte wohl ihr Junges zu animieren, mit ins Wasser zu kommen. Denn bald würden sie vollkommen auf dem Trockenen liegen und erst in einigen Stunden wieder wegschwimmen können. Die Geburt geschieht an Land. Da die bevorzugten ruhigen Sandbänke aber nur bei Niedrigwasser trockenfallen, können Seehunde den Zeitpunkt der Geburt recht genau beeinflussen und dann muss auch alles sehr schnell gehen, man kann von einer „Sturzgeburt“ sprechen. Da die Sandbänke bei Hochwasser aber auch gleich wieder überspült werden müssen und können Seehundwelpen schon gleich nach der Geburt schwimmen. Doch beim Jungen war trotz aller Mühe der Mutter keine Reaktion zu erkennen. Also dachte ich schon, dass es eine zu frühe Totgeburt ist. Es fanden sich auch bereits die ersten Möwen ein, die es auf die Nachgeburt, und was es sonst noch so gäbe, abgesehen hatten.

Etwas traurig schaute ich erst einmal wieder zu den Möwen. Als ich dann nach einer halben Stunde wieder zur Sandbank schwenkte, war ich freudig überrascht: Der Welpe war nicht mehr ganz so zerzaust und regte sich doch. Unter ständiger Animation der Mutter, die behände Richtung Priel robbte, kroch das Junge sich mit allen Vieren mühsam vorwärts schiebend hinterher. Nach zehn Minuten erreichte es endlich das Wasser, wo es unter Begleitung und mit Unterstützung der Mutter die ersten Schwimmzüge unternahm.

 

Tore

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Naturschutzwart Trischen 2017