Besenderung Beiträge

Ist Francesco seinem Überwinterungsort treu?

Am 18. und 19. November ist Francesco innerhalb Burkina Fasos nochmals über 200 km weiter in Richtung Süden gezogen und rastet nun etwa 40km östlich der Hauptstadt Ouagadougou. Da wir das große Glück haben, Francesco nun schon im dritten Jahr mit Satellitensender in seine Winterquartiere verfolgen zu dürfen, können wir seine Überwinterungsorte von einem Jahr zum anderen vergleichen. Damit lässt sich feststellen, ob Turteltauben eventuell nicht nur jedes Frühjahr zum Brüten ins gleiche Gebiet zurückkommen, sondern auch ihren Winterquartieren ortstreu sind. Ist dies der Fall, sprechen Zugvogelforscher von einer hohen Konnektivität zwischen Winterquartier und Brutgebiet (engl.: migratory connectivity). Vorletzten Winter war Francesco von Burkina Faso aus noch weiter bis nach Ghana gezogen. Letzten Winter jedoch hatte er die meiste Zeit östlich von Ouagadougou verbracht, fast am gleichen Ort, an den er nun vor ein paar Tagen wieder zurückgekehrt ist. Falls das Gebiet auch in diesem Winter für Francesco über längere Zeit attraktiv bleibt, könnte er sich durchaus dazu entscheiden, den Rest des Winters dort zu verbringen.

Francescos derzeitiger Aufenthalt nahe seines letztjährigen Winterquartiers in Burkina Faso.

Francescos derzeitiger Aufenthalt nahe seines letztjährigen Winterquartiers in Burkina Faso.

Endstation Wüste für Jenny und Luciano

Verendete Turteltaube, Foto: BirdLife Malta

Jennys Satellitensender hat nun schon einen Monat lang keine weiteren Signale mehr geliefert. Wie bereits in Jennys letztem Beitrag berichtet, war die Spannung der solarbetriebenen Batterie ihres Senders bis zum letzten Signal am 20. Oktober schrittweise abgefallen. Daher können wir nun davon ausgehen, dass der Sender entweder aufgrund eines technischen Defekts ausgefallen ist, oder Jenny in ihrem Rastgebiet im Osten Malis kurz nach ihrer Sahara-Überquerung umgekommen sein muss.

Die Wüstengegend im Schutzgebiet Aïr und Ténéré im Norden des Niger ist bestimmt kein geeignetes Überwinterungsgebiet für Turteltauben. Auch wenn Lucianos Sender uns weiterhin Signale stationär von dort seit Ende September liefert, sind wir nun sicher, dass Luciano dort auf dem Herbstzug umgekommen sein muss. Somit können wir wohl in Kürze die Übertragung von Lucianos Senderortungen abstellen.

Francesco zieht noch ein Stückchen weiter

Francesco war am 23. Oktober in Burkina Faso eingetroffen. In der Nacht vom 2. auf den 3. November machte er dann seinen nächsten „Sprung“ und flog weitere 35 Kilometer in süd-südwestlicher Richtung, wo er sich seiterher am Rande der Ortschaft Sona aufhält. Sona liegt zwar eigentlich in einem Schutzgebiet, dem Sahel-Reservat von Burkino Faso. Allerdings befindet es sich dort zwischen der großen Tagebau-Goldmine Inata und dem Staudamm von Tchalel-Goumdé die ebenfalls im Reservat liegen. Immerhin ist der Stausee derzeit mit Wasser gefüllt, und das Gebiet in dem sich Francesco aufhält im Augenblick sehr grün.

Betrachten wir das jüngste Infrarot-Satellitenbild der Gegend vom 6. November erscheint die frische Vegetation in Fehlfarben leuchtend rot, die Wasserfläche des Stausees östlich von Francescos Aufenthaltsort ist türkis dargestellt. Deutlich sind auch die geometrischen Strukturen der Goldmine von Inata westlich von Francescos Standort zu erkennen. In jedem Fall dürfte Francesco in seinem derzeitigen Winterquartier mit all der frischen Vegetation momentan sehr gute Nahrungsbedingungen vorfinden.

Francescos derzeitiger Überwinterungsort (blauer Stern). Infrarot-Satellitenbild vom 6. November. Quelle: Sentinel-hub Playground

Erwähnenswert ist noch, dass Francesco einen Teil des Winters 2017 schon einmal auf dem gleichen Breitengrad verbrachte, nur etwa 40 Kilometer weiter östlich. Damals war er Mitte November noch weiter nach Südosten gezogen. Wie lange wird er wohl diesmal in der Gegend bleiben?

Francesco wieder in Burkino Faso

Nachdem sich Francesco genau einen Monat lang in seinem ersten Überwinterungsgebiet im Süden Malis aufgehalten hatte, zog er in der Nacht vom 22. auf den 23. Oktober weiter Richtung Südwesten. Am Morgen des 23. Oktobers überflog er die Grenze zu Burkino Faso und bewegte sich dann über zwei Tage noch um etwa 20 km weiter ins Landesinnere. Dort hält er sich seither auf, etwa 150 km von seinem bisherigen Winterquartier entfernt und zirka 50 km nördlich eines Gebiets, in dem er schon im Oktober und November 2017 länger verweilt hatte.

Francesco fliegt von Süd-Mali nach Burkina Faso, in grau dargestellt die Grenze zwischen Mali und Burkina Faso; etwas weiter südlich einer von Francescos Aufenthalten 2017.

Für uns ist es sehr erfreulich, dass wir Francescos Wanderungen in seine Winterquartiere und seine diversen Winterortswechsel nun schon im dritten Jahr detailliert verfolgen können. Wenngleich er bisher jeden Herbst in die selbe Richtung abzog und und im Winter großräumig betrachtet in der gleichen Region verbrachte, zeichnet sich dennoch ab, dass er keine sehr hohe Winterortstreue aufzuweisen scheint. Denn obwohl er nun schon zum dritten Mal zumindest einen Teil des Winters in Burkina Faso verbringt, hält er sich dort bisher jedes Mal in unterschiedlichen Gebieten auf. Wir vermuten, dass seine Winterortswahl und vor allem auch die Ortswechsel im Winter von den Jahr zu Jahr zeitlich und räumlich sehr unterschiedlichen Niederschlagsverteilungen beeinflusst werden, die wiederum dafür verantwortlich sind, wann und wo genau er reife Sämereien, also die besten Nahrungsbedingungen, vorfindet.

Luciano bleibt in der Ténéré auf der Strecke

Nun schon seit Ende September erreichen uns die Signale von Lucianos Satellitensender relativ stationär aus der Wüstengegend im Schutzgebiet Aïr und Ténéré im Norden des Niger. Unweit seiner derzeitigen Position, etwa 60 km weiter südlich, hatten wir im Frühjahr 2018 auch die Ende April 2017 auf Malta besenderte Turteltaube Dana auf ihrem Heimzug verloren. Dana’s Sender hatte ebenfalls über einen längeren Zeitraum weiter stationär Positionen gesendet. Luciano könnte demnach auf dem entbehrungsreichen Herbstzug ein ähnliches Schicksal widerfahren sein, wie Dana auf dem Frühjahrszug.

Luciano: Bereits seit 24. September in der nigrischen Sahara.

Jenny erreicht den Osten von Mali

Jenny ließ Tamanrasset in Algerien, wo sie sich nach der Sahara-Überquerung zur Zwischenrast aufgehalten hatte, am Abend des 4. Oktober hinter sich. Die nächsten Signale ihres Satellitensenders erreichten uns zwei Tage später aus Mali, ungefähr 550 km weiter südwestlich. Zwischen dem sechsten und neunten Oktober zog sie dann nochmals etwa 70 km weiter nach Südwesten und rastet seither in einer weitgehend unbewohnten und nur spärlich mit Vegetation bedeckten Gegend im Sahel in Ost-Mali. Auch Jennys herbstliche Reise ins Winterquartier hat sich also in den letzten Tagen deutlich verlangsamt und neigt sich voraussichtlich dem Ende entgegen. Natürlich gönnen wir ihr eine gute Rast nach dieser sicherlich kräftezehrenden Zugphase. Allerdings wird sie sich im Laufe der nächsten Tage oder Wochen vermutlich noch etwas weiter nach Süden bewegen.