Winterquartier Beiträge

Cyril bleibt im Sahel auf der Strecke

Wie bereits früher an dieser Stelle berichtet, hatte Cyril den Heimzug aus seinem Winterquartier im Süd-Niger Richtung Norden Ende April gestartet. Leider war er nicht sehr weit gekommen und dann sogar von seinem Nordkurs abgewichen und ein Stück weit zurückgeflogen. Aus der Halbwüste im Zentrum der Region Tahoua im Niger erhielten wir vom ersten Mai an stationäre Ortungen seines Satellitensenders. Am 9. Mai verstummte Cyrils Sender dann am selben Ort, westlich des strikten Wildtier-Reservats von Tádres. Nach über einem Monat müssen wir leider davon ausgehen, dass Cyril dort umgekommen sein dürfte. Ihn hat damit womöglich ein ähnliches Schicksal ereilt, wie zuvor schon Dana, Jenny und Luciano, in der gleichen Halbwüstenregion am Südrand der Sahara.

Wüstenuhu (Bubo ascalaphus) auf Akazie im Sahel, Niger; Foto: Ben Metzger

An natürlichen Feinden könnten die Turteltauben unter anderen manchmal dem Wüstenuhu begegnen, der in der Region ganzjährig heimisch ist und sicherlich auch ab und an eine rastende Turteltaube erbeutet. Gänzlich ausschliessen lässt sich auch Abschuss oder Fang nicht, allerdings scheinen die Orte, an denen die Vögel gestrandet sind, dafür sehr unwahrscheinlich. Es sieht schlicht nicht danach aus, als gäbe es in dieser Gegend viel Bevölkerung.

Allerdings kann davon ausgegangen werden, dass klimatische Veränderungen in der Gegend, mit abnehmenden Niederschlägen, einem erhöhten Weidedruck und dem damit einhergehenden Rückgang der Vegetation und offener Wasserstellen den Turteltauben auf dieser Etappe ihres Zugweges immer stärker zu schaffen machen. Der Klimawandel könnte außerdem stärkere Hitzewellen und häufigere Sandstürme in die Region bringen. All dies könnte dann für eine wachsende Anzahl an Individuen bedeuten, dass sie die Querung der sich ausbreitenden Wüste nicht mehr schaffen und dort buchstäblich auf der Strecke bleiben. Letztlich dürfte dies auch ein Faktor sein, weshalb die Art im Großteil ihres Verbreitungsgebiets immer weiter zurückgeht, und dem mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden müsste.

Brunnen im Sahel, Niger; Foto: Ben Metzger

Cyril macht sich auf den Heimweg nach Deutschland

Cyril, den wir letzten Sommer in seinem Brutgebiet in der Lieberoser Heide in Brandenburg mit einem Satellitensender ausgestattet hatten, verbrachte den gesamten Winter im Süden Nigers. Am Abend des 24. Aprils flog er aus seinem letzten Überwinterungsgebiet schon etwa 25 Kilometer nach Norden. In der Nacht vom 26. April begann er dann seinen eigentlichen Heimzug und machte sich an die Überquerung der Sahara. Bei seinem Start fand Cyril über der Wüste recht günstige Wetterbedingungen vor. Es wehte nur ein schwacher Wind, überwiegend aus südlichen Richtungen, nachts war es höchstens um die 20° warm, bei weitgehend klarem Himmel. Letzteres dürfte ihm bei der Orientierung anhand des Sternenkompasses hilfreich sein. Für die ersten drei Stunden am Abend seiner ersten Zugnacht ließ sich eine durchschnittliche Reisegeschwindigkeit von etwa 60km/h ermitteln.

Cyril startet seinen Heimzug exakt in nördlicher Richtung.

Wie es im Augenblick aussieht, wählt Cyril mit seinem Nordkurs für die Heimreise eine Strecke, die etwas westlich von seiner Herbstroute liegt. Verlaufen Zugrouten auf dem Weg- und Heimzug auf verschiedenen Bahnen, sprechen Vogelzugforscher von Schleifenzug. Wir sind gespannt, wie sich Cyril auf seinem anstrengenden Heimweg über die Wüste, das Mittelmeer und schließlich über die Alpen schlagen wird – bis in sein Brutgebiet nördlich von Cottbus sind es noch etwa 4000 Kilometer Luftlinie. Über seinen Sender behalten wir ihn dabei natürlich aus der Ferne im Auge und planen zeitnah über seine Zugstrecken und Rastorte zu berichten. Nun wünschen wir ihm zunächst eine gute Reise.

Francesco überfliegt die Wüste – überwiegend nachts

Am Abend des 13. April machte sich Francesco nun schon zum dritten Mal seit seiner Besenderung auf den Heimzug ins Brutgebiet. Schon im letzten Jahr hatte er die Saharaquerung exakt am gleichen Tag begonnen. Gegen 19:30 Ortszeit verließ Francesco seinen letzten Winterort im Ansonge-Menaka Reservat im Süden Malis gen Norden, in dem er sich einen Monat lang aufgehalten hatte. In den letzten beiden Jahren hatte er für diesen längsten und sicherlich entbehrungsreichsten Teil seines Frühjahrszuges jeweils nur vier Tage gebraucht und sich dann eine ein- bis zweiwöchige Rast in Tunesien gegönnt, bevor er weiter über das Mittelmeer in sein süditalienisches Brutgebiet bei Neapel weitergezogen war.

Francescos Flugroute bei der Überquerung der Sahara vom 13. bis 18. April; Quelle: Argos.

Francesco zögert die Saharaquerung hinaus

Zuletzt hatte ich berichtet, wie Francesco schon ein erstes größeres Stück von Ghana aus nordwärts über Burkina Faso bis in den Süden Malis gezogen war. Wir hatten spekuliert, ob er damit schon seine Heimreise ins Brutgebiet angetreten hatte. In Mali angekommen war er allerdings erst einmal etwas mehr als hundert Kilometer nach Osten abgebogen, hatte den Nigerfluss überquert und hält sich seither im Ansonge-Menaka-Reservat, einem partiellen Wildschutzgebiet in Süd-Mali nahe der Grenze zum Niger auf. Möglicherweise frisst er sich dort Energiereserven für den bevorstehenden Flug über die Sahara an oder er schließt derzeit noch seine Frühjahrsmauser ab. In jedem Fall gehen wir davon aus, dass Francesco, sowie seine besenderten Artgenossen Melanie und Cyril schon in den allernächsten Tagen mit der Überquerung der Sahara die erste große Etappe des Frühjahrszug antreten werden. Wünschen wir ihnen für den bevorstehenden entbehrungsreichen und gefährlichen Zug in die Europäischen Brutgebiete viel Glück!

Francescos Ortungen aus dem Ansonge-Menaka Reservat in Süd-Mali; Quelle: Argos.

Melanie zieht ein Stück den Niger entlang

Während Cyril sich schon vier Monate stationär in seinem Überwinterungsgebiet im Süden Nigers aufhält, und Francesco vor kurzem einen ersten größeren Sprung nordwärts von Ghana nach Mali unternommen hat, schauen wir uns näher an, wo sich Melanie derzeit aufhält. Sie war am 17. November letzten Jahres im Südwesten Malis angekommen und dort über einen Zeitraum von fast vier Monaten ihrem Winterort in der Flussniederung des Niger treu geblieben. In der Zeit vom 11. bis zum 18. März bewegte sie sich dann in zwei Etappen etwa zwanzig Kilometer flussabwärts in Richtung Nordosten, wo sie sich seither aufhält. Was Melanie zu dieser Ortsveränderung veranlasst hat, beziehungsweise inwiefern sich die Bedingungen in den beiden, nahe beieinander liegenden Wintergebieten unterscheiden, vermögen wir nur zu spekulieren. Vermutlich hat sie diesen Winterortswechsel jedoch nicht alleine sondern in einem Überwinterungstrupp mit anderen Turteltauben unternommen. Möglicherweise ist die derzeitige Nahrungssituation im neuen Gebiet insgesamt besser. Am Ende des Winters und vor dem Heimzug in die Brutgebiete schließen Turteltauben allerdings auch die Mauser ihres Körpergefieders ab, die sie normalerweise am Ende der Brutzeit beginnen und dann für den Herbstzug unterbrechen. Somit könnte es auch sein, dass an Melanies neuem Standort Nahrung zu finden ist, die ihr speziell beim Gefiederwechsel hilft. Wir gehen jedenfalls davon aus, dass Melanie noch mindestens bis Mitte April am Südrand des Sahel zubringt, bevor sie ihren Heimzug in ihr hessisches Brutgebiet startet.

Melanies Ortungen entlang des Flusses Niger in Südwest-Mali; Quelle: Argos

Francesco schon auf der Heimreise?

Während die in Deutschland besenderten Turteltauben Melanie und Cyril weiter in ihren Winterquartieren ausharren, hat der Italiener Francesco, den wir im Frühjahr 2017 auf Malta besendert hatten, seines in Ghana kürzlich wieder verlassen. Am Abend des 14. März zog er aus der Gegend Tamale in Richtung Norden los und war am nächsten Tag bereits in Burkina Faso, ca. einhundert Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Ouagadougou. In der darauf folgenden Nacht ging es dann schon weiter, und so erreichte Francesco am 16. März den Südosten Malis, etwas nördlich des Dreiländerecks zwischen Mali, Niger und Burkina Faso. Damit hat er in den zwei Nächten insgesamt etwa 650 Kilometer in nördlicher Richtung zurückgelegt.

Francescos Flug von Ghana nach Südost-Mali (Mitte); Melanie überwintert weiterhin in Südwest-Mali (links), Cyril im Niger (rechts im Bild). Quelle: Argos