Cyril Beiträge

Ist Cyril in der Wüste gestrandet?

Cyrils Route aus dem Winterquartier im Süden Nigers mit Umkehr Richtung Südosten.

Cyril hatte seinen Heimzug ins Brutgebiet in Brandenburg gegen Ende des letzten Monats gestartet. Am Abend des 24. April war er aus seinem Winterquartier im Süd-Niger in Richtung Norden losgeflogen. Bis zum Nachmittag des 29. Aprils hatte er knapp 300 Kilometer zurückgelegt. Dann war er allerdings aus uns nicht erklärbarer Ursache umgekehrt und bis zum 1. Mai etwa 90 Kilometer in südöstlicher Richtung geflogen. Aus der Halbwüste in der Region nördlich von Tahoua im Niger erhalten wir seither recht stationäre Ortungen seines Satellitensenders. Die Gegend ist derzeit sehr trocken und weist nur hier und da einige lose und recht weit verstreute Baum- und Dornstrauchgruppen auf. Als Rastgebiet für Turteltauben scheint sie nur bedingt geeignet, da offene Wasserstellen zur Tränke in dieser Jahreszeit äußerst rar sein dürften.

Wir können darüber spekulieren, was Cyril zu seiner Umkehr bewegt hat. Es könnte sich um äußere Faktoren handeln – über den Monatswechsel fand er in der Sahara auf seinem Nordkurs überwiegend Gegenwindbedingungen vor. Oder der Vogel war physiologisch für die Überquerung der Wüste noch nicht genügend vorbereitet, verfügte etwa nicht über einen ausreichenden Energiespeicher in Form von Fettreserven. Das vorerst letzte Signal seines Senders erreichte uns am 9. Mai. Im Augenblick warten wir allerdings noch auf weitere Ortungen und hoffen, dass Cyril am Leben ist und demnächst seine Reise nach Norden fortsetzt.

Cyril macht sich auf den Heimweg nach Deutschland

Cyril, den wir letzten Sommer in seinem Brutgebiet in der Lieberoser Heide in Brandenburg mit einem Satellitensender ausgestattet hatten, verbrachte den gesamten Winter im Süden Nigers. Am Abend des 24. Aprils flog er aus seinem letzten Überwinterungsgebiet schon etwa 25 Kilometer nach Norden. In der Nacht vom 26. April begann er dann seinen eigentlichen Heimzug und machte sich an die Überquerung der Sahara. Bei seinem Start fand Cyril über der Wüste recht günstige Wetterbedingungen vor. Es wehte nur ein schwacher Wind, überwiegend aus südlichen Richtungen, nachts war es höchstens um die 20° warm, bei weitgehend klarem Himmel. Letzteres dürfte ihm bei der Orientierung anhand des Sternenkompasses hilfreich sein. Für die ersten drei Stunden am Abend seiner ersten Zugnacht ließ sich eine durchschnittliche Reisegeschwindigkeit von etwa 60km/h ermitteln.

Cyril startet seinen Heimzug exakt in nördlicher Richtung.

Wie es im Augenblick aussieht, wählt Cyril mit seinem Nordkurs für die Heimreise eine Strecke, die etwas westlich von seiner Herbstroute liegt. Verlaufen Zugrouten auf dem Weg- und Heimzug auf verschiedenen Bahnen, sprechen Vogelzugforscher von Schleifenzug. Wir sind gespannt, wie sich Cyril auf seinem anstrengenden Heimweg über die Wüste, das Mittelmeer und schließlich über die Alpen schlagen wird – bis in sein Brutgebiet nördlich von Cottbus sind es noch etwa 4000 Kilometer Luftlinie. Über seinen Sender behalten wir ihn dabei natürlich aus der Ferne im Auge und planen zeitnah über seine Zugstrecken und Rastorte zu berichten. Nun wünschen wir ihm zunächst eine gute Reise.

Zoonosen können unseren Turteltauben zu schaffen machen

Welche Faktoren außer fortschreitenden Lebensraumveränderungen in der intensivierten Landwirtschaft und einem übermäßigen Jagddruck bereiten unseren Turteltauben sonst noch Probleme? Derzeit sind aufgrund der sich ausbreitenden Coronavirus-Epidemie allgemein Zoonosen wieder stärker ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt. Als Zoonosen werden Krankheiten bezeichnet, die in Wildtierbeständen zirkulieren und unter Umständen von dort auch auf Haus- und Nutztiere sowie in seltenen Fällen auf den Menschen überspringen können.

Ringeltaube und Turteltaube an der gemeinsamen Tränke.

In den Beständen von Wildtauben, inklusive der Turteltauben findet sich eine Reihe von Erregern, wie zum Beispiel diverse Stämme von Trichomonaden der Art Trichomonas gallinae. Das sind einzellige Parasiten, die auch Nutzgeflügel krank machen können. Trichomonas befällt bei den Vögeln überwiegend den Kropf und Rachenraum, die sichtbaren Symptome der Krankheit werden auch Gelber Kropf genannt. Eine Übertragung dieser Art auf den Menschen

Mali bleibt Winterdomizil für Melanie

Während der NABU dem Umweltministerium am Valentinstag offiziell über 75.000 Unterschriften der Petition für ein Ende der Jagd auf Turteltauben in Europa übergeben hat, befinden sich unsere besenderten Turteltauben weiterhin in ihren Winterquartieren im Sahel. Francesco und Cyril haben ihre Aufenthaltsorte dort im Laufe des Winters bereits mehrfach geändert, aber Melanie überwintert weiterhin im Flusstal des Niger im Südwesten Malis. Sie hält sich dort nun schon seit über drei Monaten auf.

Melanies Ortungen der letzten drei Monate aus ihrem Überwinterungsgebiet am Niger in Mali.

Ähnliche Unterschiede hatten wir bei den besenderten Turteltauben auch in den vorherigen Jahren beobachtet. Es zeigt sich also, dass das Verhalten der einzelnen Tiere individuell sehr

Cyril am Dan Doutchi See

Seit dem 22. November hatte Cyril unweit des Dan Doutchi Sees gerastet. Von Joost Brouwer, dem Experten in der Region, erfuhren wir, dass dieser See auf natürliche Weise erst im Jahr 1975 entstanden war, als die schwere Dürre von 1973/74 von einem extremen Starkregenereignis beendet wurde. Weil aufgrund der vorhergegangenen Dürre ein Großteil der Vegetation verschwunden war, erzeugten die Regenfälle in der Gegend einen massiven Oberflächenabfluss mit einhergehender starker Erosion. Das Wasser sammelte sich und formte den Dan Doutchi See in der natürlichen Senke einer alten Abflussrinne, die dort schon vor tausenden Jahren entstanden war, als die Region des Sahel und der Sahara viel niederschlagsreicher waren als heute.

Links: Cyrils Bewegungen im sülichen Niger im Januar mit dem Dan Doutchi See am oberen Bildrand, Quelle: Argos. Rechts: Das Fehlfarben-Satellitenbild zeigt, dass der Dan Doutchi Ende Januar noch reichlich Wasser führt (dunkelblau), Quelle: Sentinel-hub Playground.

Mitte der neunziger Jahre war der See, der während der regenreichsten Zeit des Jahres eine Fläche von 1100-1500 Hektar aufweist, ein herausragendes Gebiet für Wasservögel. Inzwischen sind seine Ufer, die fast ganzjährige

Cyrils zweiter Überwinterungsort im Niger

Während in Deutschland mit dem Jahreswechsel nun das Jahr der Turteltaube begonnen hat, halten sich die Sendertauben – derzeit sind das Cyril, Melanie und Francesco – weiterhin in südlichen Gefilden in Westafrika auf.

Turteltaube an der Tränke.

Dank der großartigen Unterstützung von Colonel Samaila Sahailou, dem Direktor der zuständigen Behörde im Niger (Directeur National de la Faune de la Chasse des Parcs et des Réserves du Niger), mit dem Joost Brouwer freundlicherweise in Kontakt getreten war, hatten wir von seinem Team einen detaillierten Vor-Ort-Bericht von Cyrils erstem Überwinterungsort erhalten. Bereits am 22. November letzten Jahres war er jedoch von seinem ersten Winterquartier im Niger weitere 80 Kilometer in Richtung Südwesten gezogen. Hier hält sich Cyril nun schon über einen Monat in der Nähe der Ortschaft Sehia im Flusstal des Dallol Maouri auf. Derzeit finden sich in der Gegend innerhalb der Flussniederung noch etliche mit Wasser gefüllte Becken und in deren Randbereichen genügend frische Vegetation, sodass wir davon ausgehen können, dass sich Cyril noch länger in seinem zweiten Winterquartier im Niger aufhalten wird. Bis zu seiner Rückreise im Frühjahr sind es allerdings noch über drei Monate, und so kann es durchaus sein, dass er in dieser Zeit weitere Ortswechsel unternehmen wird.