Cyril Beiträge

Zoonosen können unseren Turteltauben zu schaffen machen

Welche Faktoren außer fortschreitenden Lebensraumveränderungen in der intensivierten Landwirtschaft und einem übermäßigen Jagddruck bereiten unseren Turteltauben sonst noch Probleme? Derzeit sind aufgrund der sich ausbreitenden Coronavirus-Epidemie allgemein Zoonosen wieder stärker ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt. Als Zoonosen werden Krankheiten bezeichnet, die in Wildtierbeständen zirkulieren und unter Umständen von dort auch auf Haus- und Nutztiere sowie in seltenen Fällen auf den Menschen überspringen können.

Ringeltaube und Turteltaube an der gemeinsamen Tränke.

In den Beständen von Wildtauben, inklusive der Turteltauben findet sich eine Reihe von Erregern, wie zum Beispiel diverse Stämme von Trichomonaden der Art Trichomonas gallinae. Das sind einzellige Parasiten, die auch Nutzgeflügel krank machen können. Trichomonas befällt bei den Vögeln überwiegend den Kropf und Rachenraum, die sichtbaren Symptome der Krankheit werden auch Gelber Kropf genannt. Eine Übertragung dieser Art auf den Menschen

Mali bleibt Winterdomizil für Melanie

Während der NABU dem Umweltministerium am Valentinstag offiziell über 75.000 Unterschriften der Petition für ein Ende der Jagd auf Turteltauben in Europa übergeben hat, befinden sich unsere besenderten Turteltauben weiterhin in ihren Winterquartieren im Sahel. Francesco und Cyril haben ihre Aufenthaltsorte dort im Laufe des Winters bereits mehrfach geändert, aber Melanie überwintert weiterhin im Flusstal des Niger im Südwesten Malis. Sie hält sich dort nun schon seit über drei Monaten auf.

Melanies Ortungen der letzten drei Monate aus ihrem Überwinterungsgebiet am Niger in Mali.

Ähnliche Unterschiede hatten wir bei den besenderten Turteltauben auch in den vorherigen Jahren beobachtet. Es zeigt sich also, dass das Verhalten der einzelnen Tiere individuell sehr

Cyril am Dan Doutchi See

Seit dem 22. November hatte Cyril unweit des Dan Doutchi Sees gerastet. Von Joost Brouwer, dem Experten in der Region, erfuhren wir, dass dieser See auf natürliche Weise erst im Jahr 1975 entstanden war, als die schwere Dürre von 1973/74 von einem extremen Starkregenereignis beendet wurde. Weil aufgrund der vorhergegangenen Dürre ein Großteil der Vegetation verschwunden war, erzeugten die Regenfälle in der Gegend einen massiven Oberflächenabfluss mit einhergehender starker Erosion. Das Wasser sammelte sich und formte den Dan Doutchi See in der natürlichen Senke einer alten Abflussrinne, die dort schon vor tausenden Jahren entstanden war, als die Region des Sahel und der Sahara viel niederschlagsreicher waren als heute.

Links: Cyrils Bewegungen im sülichen Niger im Januar mit dem Dan Doutchi See am oberen Bildrand, Quelle: Argos. Rechts: Das Fehlfarben-Satellitenbild zeigt, dass der Dan Doutchi Ende Januar noch reichlich Wasser führt (dunkelblau), Quelle: Sentinel-hub Playground.

Mitte der neunziger Jahre war der See, der während der regenreichsten Zeit des Jahres eine Fläche von 1100-1500 Hektar aufweist, ein herausragendes Gebiet für Wasservögel. Inzwischen sind seine Ufer, die fast ganzjährige

Cyrils zweiter Überwinterungsort im Niger

Während in Deutschland mit dem Jahreswechsel nun das Jahr der Turteltaube begonnen hat, halten sich die Sendertauben – derzeit sind das Cyril, Melanie und Francesco – weiterhin in südlichen Gefilden in Westafrika auf.

Turteltaube an der Tränke.

Dank der großartigen Unterstützung von Colonel Samaila Sahailou, dem Direktor der zuständigen Behörde im Niger (Directeur National de la Faune de la Chasse des Parcs et des Réserves du Niger), mit dem Joost Brouwer freundlicherweise in Kontakt getreten war, hatten wir von seinem Team einen detaillierten Vor-Ort-Bericht von Cyrils erstem Überwinterungsort erhalten. Bereits am 22. November letzten Jahres war er jedoch von seinem ersten Winterquartier im Niger weitere 80 Kilometer in Richtung Südwesten gezogen. Hier hält sich Cyril nun schon über einen Monat in der Nähe der Ortschaft Sehia im Flusstal des Dallol Maouri auf. Derzeit finden sich in der Gegend innerhalb der Flussniederung noch etliche mit Wasser gefüllte Becken und in deren Randbereichen genügend frische Vegetation, sodass wir davon ausgehen können, dass sich Cyril noch länger in seinem zweiten Winterquartier im Niger aufhalten wird. Bis zu seiner Rückreise im Frühjahr sind es allerdings noch über drei Monate, und so kann es durchaus sein, dass er in dieser Zeit weitere Ortswechsel unternehmen wird.

Vor-Ort-Bericht aus Cyrils erstem Winterquartier

Mehr als anderthalb Monate hatte sich Cyril in seinem ersten Überwinterungsort in der Nähe von Founkouey in einem Flusstal im südlichen Niger aufgehalten. Wir hatten das große Glück, dass der Geschäftsführer der Westafrikanischen Ornithologischen Gesellschaft Dr. Joost Brouwer dem Direktor der zuständigen Behörde in Tahoua im Niger die Koordinaten von Cyrils Senderortungen zukommen ließ und ihn dazu anregte, sich vor Ort ein Bild von Cyrils Winterquartier zu verschaffen. So führte Colonoel Kaïlou Moussa, Directeur Départemental de l’Environnement de la Salubrité Urbaine et du Développement Durable (DDE/SU/DD) in Tahoua im Niger, mit seinem Mitarbeiter Ali Salifou am 6. November eine Exkursion dorthin durch. Kaïlou, der uns schon vor etlichen Jahren auf einer Expedition in der Region begleitet hatte, kennt sich mit der Tier- und Pflanzenwelt des Nigers, hervorragend aus. Joost übermittelte uns den Bericht, den Kaïlou über die Exkursion nach Founkouey zu Cyrils erstem Überwinterunsort verfasst hat.

Cyril weiterhin im Süden Nigers

Bereits seit dem vierten Oktober befindet sich Cyril nun schon in Nähe von Founkouey in einem Flusstal im südlichen Niger. Damit ist er seinem ersten Winterquartier in dieser Periode zumindest bisher treu geblieben. Wenn wir uns für diesen Zeitraum lediglich die Satellitenortungen anschauen, die mit einer Maximalabweichung von 250 Metern die höchste Genauigkeit aufweisen, so wird deutlich, wie klein das Winterrevier einer Turteltaube eigentlich ist. Die meisten Ortungen entfallen auf eine Fläche von etwa einem Quadratkilometer, lediglich ein einzelner Punkt liegt etwa drei Kilometer weit vom Zentrum dieses Winterreviers entfernt. Während die Turteltauben auf dem Zug in wenigen Tagen oft tausende Kilometer zurücklegen können, sind sie – einmal in einem geeigneten Winterquartier angekommen – eher sesshaft und wechseln nur in ein weiteres Winterquartier, wenn sich die Bedingungen vor Ort verschlechtern. Wir werden sehen, wann das für Cyril an diesem Ort der Fall sein wird.

Cyrils erstes Winterrevier im südlichen Niger. Quelle: Argo