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Francesco fliegt am weitesten nach Süden

Anders als vor zwei Jahren, als Francesco fast zwei Monate am Nakambé in Ghana verbracht hatte, machte er dort diesmal wider Erwarten nur recht kurz halt. Schon am 9. Januar, nach etwa fünf Tagen in der Flussniederung, flog er knappe 40 km weiter nach Südosten. Nordöstlich der Stadt Tamale, der Hauptstadt der Provinz Nord-Ghana, hält er sich nun schon fast einen Monat lang auf.

Winterverbreitung der Turteltauben in blau, Francescos derzeiter Standort in Ghana ist als oranger Stern markiert; Quelle der Kartengrundlage: HBW Alive.

Von den von uns mit Satellitensendern ausgestatteten Turteltauben ist Francesco damit die Taube, die mit Abstand am weitesten südlich überwintert. Vergleicht man seinen derzeitigen Standort mit der Verbreitungskarte aus dem Handbuch der Vögel der Welt wird ersichtlich, dass er sich südlich vom regulären Winter-Verbreitungsgebiet der Art aufhält. Wir fragen uns, ob Turteltauben, die wie im Fall von Francesco mit seinem Brutgebiet bei Neapel weiter südlich brüten, generell auch weiter im Süden überwintern, als beispielsweise die Brutvögel aus Deutschland. Allerdings hatte die Turteltaube Nicola, die in Apulien auf etwa der gleichen geographischen Breite gebrütet hatte wie Francesco, ungefähr so weit südlich überwintert, wie jetzt beispielsweise Melanie. Um ein generelles Muster erkennen zu können, müssten wir somit wohl noch mehr Vögel besendern.

Um etwas mehr über den Status der Turteltauben in Ghana zu erfahren, haben wir Eric Lartey, den Leiter der

Francesco erreicht erneut den Nakambé in Ghana

Während Melanie und Cyril zur Zeit in ihren Überwinterungsorten recht stationär sind, unternahm Francesco in der Nacht vom vierten auf den fünften Januar einen weiteren „Sprung“ aus seinem bisherigen Winterquartier in Richtung Süden. Nach etwa 280 Kilometern landete er am Morgen des fünften Januars im nördlichen Teil von Ghana, wo er für drei Tage an einem kleinen Fluss rastete. Am achten Januar flog er dann weitere 30 Kilometer nach Südwesten und hält sich seither im Flusstal des weißen Volta auf, den die Ghanaer den Nakambé nennen, ungefähr 40 Kilometer nordwestlich der Stadt Tamale. Im Januar hat der Fluss im Jahresverlauf den niedrigsten Wasserstand, trocknet aber nicht vollständig aus.

Francescos neueste Ortungen (in blau) am Nakambé in Ghana. Die Kernzonen seines Überwinterungsgebiets von vor zwei Jahren sind in rot mit 50%, in orange mit 75% und in gelb mit 90% aller damaligen Ortungen im Gebiet eingerahmt.

Für uns ist sehr interessant zu sehen, dass Francesco einen Teil des vorletzten Winters, nämlich vom 23. Dezember 2017 bis zum 18. Februar 2018, schon einmal genau am selben Ort am Nakambé verbrachte. Der Kern seines Winterorts liegt hier zwischen dem eigentlichen Hauptfluss und einem Altarm, der vor Ort als Zincha-Lagune bekannt ist. Es sieht sehr danach aus, dass sich Francesco an sein Winterquartier von vor zwei Jahren erinnert und es in diesem Jahr erneut für einige Zeit besetzt halten wird. In diesem Winter ist er dort allerdings zweieinhalb Wochen später eingetroffen.