Satellitensender Beiträge

Melanies lange Rückkehr ins Brutgebiet

Nachdem Turteltaube Melanie Anfang Mai die Sahara überquert hatte – wir hatten darüber früher an dieser Stelle berichtet – machte sie über zwei Wochen in Marokko in einer Gegend zwischen dem Küstenort Essaouira und Marrakesch Rast. Dort hielt sie sich vom 8. bis zum 25. Mai in bewässertem, intensiv genutztem Kulturland auf. Ende Mai flog sie dann etwa 280 Kilometer weiter nach Nordosten und erreichte ihren nächsten Rastplatz etwas nördlich von Casablanca, der größten Stadt Marokkos. Hier rastete sie für weitere fünf Tage.

Autor: Ben Metzger

Überziehende Turteltaube

Vom 1. auf den 2. Juni flog sie dann weiter nach Norden und wechselte nach Europa über. Schenkt man den Ortungen ihres Satellitensenders Glauben, war sie dabei von Casablanca

Cyril bleibt im Sahel auf der Strecke

Wie bereits früher an dieser Stelle berichtet, hatte Cyril den Heimzug aus seinem Winterquartier im Süd-Niger Richtung Norden Ende April gestartet. Leider war er nicht sehr weit gekommen und dann sogar von seinem Nordkurs abgewichen und ein Stück weit zurückgeflogen. Aus der Halbwüste im Zentrum der Region Tahoua im Niger erhielten wir vom ersten Mai an stationäre Ortungen seines Satellitensenders. Am 9. Mai verstummte Cyrils Sender dann am selben Ort, westlich des strikten Wildtier-Reservats von Tádres. Nach über einem Monat müssen wir leider davon ausgehen, dass Cyril dort umgekommen sein dürfte. Ihn hat damit womöglich ein ähnliches Schicksal ereilt, wie zuvor schon Dana, Jenny und Luciano, in der gleichen Halbwüstenregion am Südrand der Sahara.

Wüstenuhu (Bubo ascalaphus) auf Akazie im Sahel, Niger; Foto: Ben Metzger

An natürlichen Feinden könnten die Turteltauben unter anderen manchmal dem Wüstenuhu begegnen, der in der Region ganzjährig heimisch ist und sicherlich auch ab und an eine rastende Turteltaube erbeutet. Gänzlich ausschliessen lässt sich auch Abschuss oder Fang nicht, allerdings scheinen die Orte, an denen die Vögel gestrandet sind, dafür sehr unwahrscheinlich. Es sieht schlicht nicht danach aus, als gäbe es in dieser Gegend viel Bevölkerung.

Allerdings kann davon ausgegangen werden, dass klimatische Veränderungen in der Gegend, mit abnehmenden Niederschlägen, einem erhöhten Weidedruck und dem damit einhergehenden Rückgang der Vegetation und offener Wasserstellen den Turteltauben auf dieser Etappe ihres Zugweges immer stärker zu schaffen machen. Der Klimawandel könnte außerdem stärkere Hitzewellen und häufigere Sandstürme in die Region bringen. All dies könnte dann für eine wachsende Anzahl an Individuen bedeuten, dass sie die Querung der sich ausbreitenden Wüste nicht mehr schaffen und dort buchstäblich auf der Strecke bleiben. Letztlich dürfte dies auch ein Faktor sein, weshalb die Art im Großteil ihres Verbreitungsgebiets immer weiter zurückgeht, und dem mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden müsste.

Brunnen im Sahel, Niger; Foto: Ben Metzger

Auch Virginijus ist Italiener

Am Morgen des fünften Mai fingen die Beringer Nicholas Galea und Martin Austad von BirdLife Malta auf Comino ein Turteltaubenmännchen und statteten es als dritten Vogel der diesjährigen Frühjahrs-Zugsaison mit einem Satellitensender aus. Es war deutlich schwerer und langflügliger, als die beiden weiblichen Turteltauben, die in den Vortagen besendert worden waren. Die Besenderung der Turteltauben hielt BirdLife Malta in einem Video fest, dass hier angeschaut werden kann.

Comino, 5. Mai 2020

Das Turteltaubenmännchen Virginijus nach seiner Besenderung und Freilassung auf Comino; Foto: Nicholas Galea, BirdLife Malta.

Seinen Namen Virginijus erhielt das Turteltaubenmännchen nach dem derzeitigen EU-Umwelt-Kommissar Virginijus Sinkevičius, dessen Aufgabe es unter anderem ist zu

Marijas kurze Reise bis zum Abschuss

Die erste Turteltaube, ging den Beringern Nicholas Galea und Martin Austad auf Comino dann bereits am Morgen des ersten Mai ins Netz. Sie wurde mit einem individuellen Kennring versehen, vermessen und mit dem 5g leichten und solarbetriebenen Satellitensender ausgestattet. Nach Santa Marija, der Schutzheiligen von Comino, die auch der an die Beringungsstation angrenzenden Bucht ihren Namen gab, wurde die Taube auf den Namen Marija getauft und umgehend zurück in die Freiheit entlassen.

Comino, 1. Mai 2020

Turteltaube Marija, direkt nach ihrer Besenderung; Foto: Nicholas Galea, BirdLife Malta.

Bereits kurz nach ihrer Freilassung flog Marija weiter in nördlicher Richtung hinüber auf die Nachbarinsel Gozo, wo sie den Tag und dann auch die darauffolgende Nacht verbrachte. Das letzte Signal ihres Satellitensenders erhielten wir dann am nächsten Morgen gegen

Drei Neue aus Malta

Auf Malta haben die Kollegen von unserer Partnerorganisation BirdLife Malta auf dem Frühjahrszug erfolgreich weitere Turteltauben für unser gemeinsames Projekt besendert. Wie jedoch bereits früher an dieser Stelle zu lesen war, hatte die maltesische Regierung die Jagdsaison auf Wachteln für dieses Frühjahr bis zum 30. April ausgedehnt, mit verheerenden Auswirkungen auch auf die Turteltauben, die in diesem April über Malta gezogen kamen. Um daher das Risiko eines Abschusses kurz nach der Besenderung zu minimieren, hatten unsere Kollegen mit deren Start auf den Monat Mai gewartet und führten die Arbeiten auf der kleinen Maltesischen Insel Comino durch, einem ganzjährigen Vogelschutzgebiet, in dem BirdLife Malta alljährlich im Frühjahr und Herbst eine Vogelzug-Forschungsstation inklusive wissenschaftlicher Vogelberingung betreibt.

BirdLife Malta hat ein schönes Video über die diesjährige Beringung erstellt.

 

Ist Cyril in der Wüste gestrandet?

Cyrils Route aus dem Winterquartier im Süden Nigers mit Umkehr Richtung Südosten.

Cyril hatte seinen Heimzug ins Brutgebiet in Brandenburg gegen Ende des letzten Monats gestartet. Am Abend des 24. April war er aus seinem Winterquartier im Süd-Niger in Richtung Norden losgeflogen. Bis zum Nachmittag des 29. Aprils hatte er knapp 300 Kilometer zurückgelegt. Dann war er allerdings aus uns nicht erklärbarer Ursache umgekehrt und bis zum 1. Mai etwa 90 Kilometer in südöstlicher Richtung geflogen. Aus der Halbwüste in der Region nördlich von Tahoua im Niger erhalten wir seither recht stationäre Ortungen seines Satellitensenders. Die Gegend ist derzeit sehr trocken und weist nur hier und da einige lose und recht weit verstreute Baum- und Dornstrauchgruppen auf. Als Rastgebiet für Turteltauben scheint sie nur bedingt geeignet, da offene Wasserstellen zur Tränke in dieser Jahreszeit äußerst rar sein dürften.

Wir können darüber spekulieren, was Cyril zu seiner Umkehr bewegt hat. Es könnte sich um äußere Faktoren handeln – über den Monatswechsel fand er in der Sahara auf seinem Nordkurs überwiegend Gegenwindbedingungen vor. Oder der Vogel war physiologisch für die Überquerung der Wüste noch nicht genügend vorbereitet, verfügte etwa nicht über einen ausreichenden Energiespeicher in Form von Fettreserven. Das vorerst letzte Signal seines Senders erreichte uns am 9. Mai. Im Augenblick warten wir allerdings noch auf weitere Ortungen und hoffen, dass Cyril am Leben ist und demnächst seine Reise nach Norden fortsetzt.