Melanie Beiträge

Melanie unternimmt einen Sprung nach Südosten

In der Zeit zwischen dem 13. und 17. November bewegte sich Melanie aus dem Senegal um weitere 630 km südostwärts und befindet sich seither in der Aue des Nigerflusses im Südwesten Malis, unweit der Grenze zu Guinea. Es ist wahrscheinlich, dass die fortschreitende Trockenzeit sie zu dem Sprung aus der Dornbusch-Grassteppen des südlichen Sahel in die baumreicheren Sudan-Savannen veranlasst hat, da es dort im Augenblick vermutlich noch mehr Nahrung und am Niger auch ausreichend Wasser gibt.

Die Gegend, in der sich Melanie aufhält, liegt etwa 120 km flussaufwärts und südwestlich der malischen Hauptstadt Bamako in der Nähe eines kleinen Ortes namens Banankoro. Auf dem Satellitenbild sind die Felder im Flusstal des Nigers gut zu erkennen, Melanie wird also vermutlich genügend Getreidesamen im Gebiet vorfinden um ihren Nahrungsbedarf zu decken. Von den besenderten Tauben befindet sie sich im Augenblick am weitesten im Süden. Wir sind neugierig, ob die Nigeraue Melanies Hauptüberwinterungsgebiet wird.

Melanies derzeitiger Aufenthaltsort in der Nigeraue in SW-Mali, Quelle: Argos.

Melanies derzeitiger Aufenthaltsort in der Nigeraue in SW-Mali, Quelle: Argos.

Melanies Winterortswechsel im Senegal

Wie bereits früher an dieser Stelle berichtet hatte Melanie die Westzugroute in den Senegal genommen. Auf dieser Route ziehen auch britische und die meisten der französischen Turteltauben, wie unsere Kollegen von der Royal Society for the Protection of Birds (RSPB, BirdLife Großbritannien) und vom Office National de la Chasse et de la Faune Sauvage (ONCFS, dem französischen Institut für Jagd und Wildtierforschung) ebenfalls mit Hilfe von satelliten-besenderten Turteltauben herausgefunden haben. Deren Zugrouten, Brutgebiete und Winterquartiere kann man in folgenden Links einsehen:

https://www.rspb.org.uk/our-work/conservation/satellite-tracking-birds/tracking-turtle-doves/

http://turtledoveresearch.com/fr/

Die französischen und britischen Turteltauben überwintern in der gleichen Region in Westafrika wie Melanie und es könnte durchaus sein, dass sich dort Tauben aus unterschiedlichen Brutgebieten in West- und Mitteleuropa zu losen Überwinterungstrupps zusammenfinden.

Melanie in der Flussaue des Senegal

Nachdem Melanie, wie bereits an dieser Stelle berichtet, einige Tage im Westen Mauretaniens gerastet hatte, zog sie Anfang Oktober weiter nach Süden und hielt sich vom zweiten bis zum dritten Oktober in der Aue des Senegalflusses etwa 30 km östlich der Stadt Rosso auf. Der Senegalfluss bildet die Grenze zwischen Mauretanien und Senegal. Die Grenzstadt Rosso liegt am Nordufer des Flusses auf mauretanischer Seite, die präziseren Positionssignale von Melanies Satellitensender erreichten uns aber vom Südufer, nahe der senegalesischen Ortschaft Dagana. Interessanterweise bog sie dann zwei Tage später nach Osten ab und flog weitere 80 km flussaufwärts, wo sie sich seither aufhält. Die Überschwemmungsflächen des Flusses werden sowohl auf mauretanischer als auch auf senegalesischer Seite von der Bevölkerung teilweise für den Anbau von Reis genutzt. Neben eingedeichten und bewässerten Reisfeldern finden sich allerdings auch noch größere Flächen mit natürlicher Vegetation. Wir beobachten nun weiter wie lange sich Melanie in der Senegal-Flussaue aufhalten wird und fragen uns, ob das schon ihre erste Station im Winterquartier sein könnte, oder ob sie noch weiter Richtung Süden zieht.

Ortungen von Melanies Sender entlang des Senegal-Flusses.

Quelle: ARGOS CLS

Melanie rastet noch in Mauretanien

Seit unserem letzten Blog-Eintrag zog Melanie weiter aus der Westsahara Richtung Süden. Vom 28. September an rastet sie nun in Mauretanien, ca. 120km nordöstlich der Hauptstadt Nouakchott, und 90km südöstlich der Banc d‘Arguin einem Nationalpark und Weltnaturerbe. Als eines der wichtigsten Rast- und Überwinterungsgebiete für arktische Watvögel auf dem ostatlantischen Zugweg beherbergt dieses marine Flachwassergebiet beispielsweise die höchsten Zahlen überwinternder Regenbrachvögel. Auch für die ostatlantische Population des Knutts, einem Vertreter der Strandläufer, sind die Wattflächen der Banc d‘Arguin ein wichtiges Überwinterungsgebiet. Am nahegelegenen Cap Blanc findet sich außerdem noch ein kleiner Bestand der stark bedrohten Mittelmeer-Mönchsrobbe. Das alles sollte unsere Turteltaube Melanie allerdings weniger interessieren, sie rastet weiter im Landesinneren und braucht für ihre Rast Bäume und Sträucher als Schutz und Schattenspender, Sämereien zur Nahrung und leicht zugängliches Süßwasser zur Tränke. Ist davon alles ausreichend vorhanden, sollte sie in nur wenigen Tagen in der Lage sein, ihre Reserven für den Weiterzug aufzufrischen.

Melanie zieht von Spanien nach Mauretanien in 4 Tagen

In Südwestlicher Richtung flog Melanie zwischen dem späten Vormittag des 22. September und dem frühen Morgen des 24. Septembers von ihrem Rastgebiet im Norden Spaniens bis nach Zentralmarokko. Somit haben alle von uns besenderten Turteltauben Europa verlassen und befinden sich nun in Afrika.

Rastende Turteltaube in der Ténéré, © J. Brouwer, mit Dank an die West African Bird Database (www.wabdab.org)

Wird Melanie Afrika erreichen?

Alle drei Turteltauben aus der Lieberoser Heide sind nach wie vor in Nordafrika. Jenny bewegt sich derzeit in südlicher Richtung weiter durch Tunesien, am 20. September wurde ihr Sender nahe der Stadt Makthar verortet. Wird sie dort länger rasten oder demnächst ebenfalls die Sahara überqueren? Cyril, der sich am 15. September noch nahe der österreich-ungarischen Grenze im Burgenland aufhielt, hatte zwei Tage später schon Slowenien, Kroatien, Serbien und dann die Adria überflogen. Nach der Adria-Überquerung legte er am 19. September einen kurzen Zwischenstop in Süditalien nahe Brindisi ein und flog dann in südwestlicher Richtung über Italiens Stiefelhacke und das Mittelmeer. Sizilien und Malta ließ Cyril dabei nordwestlich liegen  eine weise Entscheidung, denn in beiden Ländern ist die Herbstjagd noch erlaubt. Er erreichte spätestens am 21. September die libysche Mittelmeerküste, ca. 60km östlich von Tripolis. Dort hält er sich zur Zeit zur Zwischenrast auf. Luciano, der Libyen bereits am 15. September erreicht hatte, hielt sich dort nicht lange auf sondern flog zügig weiter nach Süden. Seine nächste Ortung erreichte uns am

Standort von Lucianos Argos-Satellitensender aus der Wüstenoase Umm Al Aranib in Murzuk, Libyen

17. September aus Umm Al Aranib, einer Sahara-Oase in Zentral-Libyen in der Region Murzuk. Dort rastet Luciano zur Zeit und frisst sich vermutlich Reserven für die nächste Etappe der Wüstenüberquerung an.

Francesco, der sich als erster aus seinem Brutgebiet in Kampanien auf die herbstliche Reise gemacht hatte und als erste besenderte Turteltaube bereits die Sahara überquerte, flog am 22. September südöstlich von Gao über den Fluss Niger. Seither rastet er in der Sahelzone im südöstlichen Mali, ca. 70km nördlich der Grenze zu Burkina Faso. Ob er in den nächsten Tagen noch weiter nach Süden zieht, oder bereits in seinem ersten Winterquartier in Westafrika angekommen ist, werden wir in Kürze erfahren, wenn wir die nächsten Ortungen seines Satellitensenders erhalten. Dieser sendet uns bereits seit dem Frühjahr 2017 zuverlässig Francescos Aufenthaltsorte.

Melanie ist die einzige Taube, die sich momentan noch in Europa aufhält. Sie flog von ihrem Rastort in Frankreich in südwestlicher Richtung weiter nach Spanien und hält sich seit dem 17. September in einem Gebiet aus Wald und Feldern ca. 100km östlich von Valladolid nahe der Stadt Aranda de Duero auf. Die nordspanische Stadt liegt in der Provinz Burgos am Fluss Duero. Drücken wir die Daumen, dass Melanie, die einzige der besenderten Tauben auf dem westlichen Zugweg, Spanien sicher durchquert, denn leider werden dort nach wie vor sehr viele Turteltauben auf dem Herbstzug von Jägern geschossen.

Melanies Rastort in Nordspanien am Fluss Duero mit den Standorten ihres Argos-Satellitensenders.