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Mali bleibt Winterdomizil für Melanie

Während der NABU dem Umweltministerium am Valentinstag offiziell über 75.000 Unterschriften der Petition für ein Ende der Jagd auf Turteltauben in Europa übergeben hat, befinden sich unsere besenderten Turteltauben weiterhin in ihren Winterquartieren im Sahel. Francesco und Cyril haben ihre Aufenthaltsorte dort im Laufe des Winters bereits mehrfach geändert, aber Melanie überwintert weiterhin im Flusstal des Niger im Südwesten Malis. Sie hält sich dort nun schon seit über drei Monaten auf.

Melanies Ortungen der letzten drei Monate aus ihrem Überwinterungsgebiet am Niger in Mali.

Ähnliche Unterschiede hatten wir bei den besenderten Turteltauben auch in den vorherigen Jahren beobachtet. Es zeigt sich also, dass das Verhalten der einzelnen Tiere individuell sehr

Melanie weiterhin am Nigerfluss in Mali

Nun schon fast zwei Monate ist Melanie ihrem Winterquartier in der Nigeraue im Südwesten Malis treu. Sie war dort am 17. November letzten Jahres eingetroffen und überwintert etwa drei Kilometer landeinwärts vom Nordwestufer des Flusses entfernt an einem kleinen, von Gehölzen, Feldern und Plantagen gesäumten Niger-Zufluss, etwa vier Kilometer nordöstlich der Ortschaft Banankoro.

Neben anderen Turteltauben, mit denen Melanie vermutlich in einem mehr oder weniger losen Verbund überwintert, dürfte sie ihr Winterquartier mit einer ganzen Reihe anderer dort heimischer Vogelarten teilen. Aus der Gruppe der Tauben kommen Kaptäubchen, Röteltaube, Brillentaube, Halbmondtaube, Palmtaube und Lachtaube in der Region vor und könnten mit einer ähnlichen Lebensweise zumindest teilweise Nahrungskonkurrenten für die Turteltauben darstellen. Darüber hinaus dürften zahlreiche andere Körnerfresserarten aus den Gruppen der Prachtfinken und der Webervögel gemeinsam mit den Turteltauben auf die Suche nach Sämereien gehen. An gefiederten Vogeljägern im Gebiet müssen sich Melanie und ihre Verwandten wohl vor allem vor dem Graubürzel-Singhabicht und dem Lannerfalken in Acht nehmen.

Wir hoffen jedenfalls, dass Melanie ihren Winteraufenthalt in Mali vor potentiellen Fressfeinden sicher und trotz möglicher Nahrungskonkurrenz gut genährt übersteht und im kommenden Frühjahr wohlbehalten in ihr Brutgebiet in Hessen zurückkehren wird.

Drei Körnerfresserarten, die in Melanies Winterquartier heimisch sind. Links: Röteltaube, rechts oben: Olivnackenweber, unten rechts: Bandastrild.

Melanie überwintert in Südwest-Mali

Melanie hält sich nun schon seit einem Monat im Flusstal des Niger im Südwesten Malis auf. Sie war dort am 17. November angekommen. Wenngleich der Wasserstand des Flusses während der Trockenzeit weit zurückgeht, führt der Niger an dieser Stelle ganzjährig Wasser und erlaubt in seiner Flussniederung permanente, zumindest extensive Landwirtschaft. Somit dürfte Melanie in ihrem derzeitigen Winterquartier genügend Nahrung vorfinden. Es wird deutlich, dass der Kern von Melanies Winterquartier lediglich einen Radius von etwa einem Kilometer aufweist. Nur wenige Male bewegte sie sich über diese Kernzone ihres Winterquartiers hinaus.

Melanies derzeitiges Winterquartier in Südwest-Mali. Quelle: Argos

Melanie unternimmt einen Sprung nach Südosten

In der Zeit zwischen dem 13. und 17. November bewegte sich Melanie aus dem Senegal um weitere 630 km südostwärts und befindet sich seither in der Aue des Nigerflusses im Südwesten Malis, unweit der Grenze zu Guinea. Es ist wahrscheinlich, dass die fortschreitende Trockenzeit sie zu dem Sprung aus der Dornbusch-Grassteppen des südlichen Sahel in die baumreicheren Sudan-Savannen veranlasst hat, da es dort im Augenblick vermutlich noch mehr Nahrung und am Niger auch ausreichend Wasser gibt.

Die Gegend, in der sich Melanie aufhält, liegt etwa 120 km flussaufwärts und südwestlich der malischen Hauptstadt Bamako in der Nähe eines kleinen Ortes namens Banankoro. Auf dem Satellitenbild sind die Felder im Flusstal des Nigers gut zu erkennen, Melanie wird also vermutlich genügend Getreidesamen im Gebiet vorfinden um ihren Nahrungsbedarf zu decken. Von den besenderten Tauben befindet sie sich im Augenblick am weitesten im Süden. Wir sind neugierig, ob die Nigeraue Melanies Hauptüberwinterungsgebiet wird.

Melanies derzeitiger Aufenthaltsort in der Nigeraue in SW-Mali, Quelle: Argos.

Melanies derzeitiger Aufenthaltsort in der Nigeraue in SW-Mali, Quelle: Argos.

Melanies Winterortswechsel im Senegal

Wie bereits früher an dieser Stelle berichtet hatte Melanie die Westzugroute in den Senegal genommen. Auf dieser Route ziehen auch britische und die meisten der französischen Turteltauben, wie unsere Kollegen von der Royal Society for the Protection of Birds (RSPB, BirdLife Großbritannien) und vom Office National de la Chasse et de la Faune Sauvage (ONCFS, dem französischen Institut für Jagd und Wildtierforschung) ebenfalls mit Hilfe von satelliten-besenderten Turteltauben herausgefunden haben. Deren Zugrouten, Brutgebiete und Winterquartiere kann man in folgenden Links einsehen:

https://www.rspb.org.uk/our-work/conservation/satellite-tracking-birds/tracking-turtle-doves/

http://turtledoveresearch.com/fr/

Die französischen und britischen Turteltauben überwintern in der gleichen Region in Westafrika wie Melanie und es könnte durchaus sein, dass sich dort Tauben aus unterschiedlichen Brutgebieten in West- und Mitteleuropa zu losen Überwinterungstrupps zusammenfinden.

Melanie in der Flussaue des Senegal

Nachdem Melanie, wie bereits an dieser Stelle berichtet, einige Tage im Westen Mauretaniens gerastet hatte, zog sie Anfang Oktober weiter nach Süden und hielt sich vom zweiten bis zum dritten Oktober in der Aue des Senegalflusses etwa 30 km östlich der Stadt Rosso auf. Der Senegalfluss bildet die Grenze zwischen Mauretanien und Senegal. Die Grenzstadt Rosso liegt am Nordufer des Flusses auf mauretanischer Seite, die präziseren Positionssignale von Melanies Satellitensender erreichten uns aber vom Südufer, nahe der senegalesischen Ortschaft Dagana. Interessanterweise bog sie dann zwei Tage später nach Osten ab und flog weitere 80 km flussaufwärts, wo sie sich seither aufhält. Die Überschwemmungsflächen des Flusses werden sowohl auf mauretanischer als auch auf senegalesischer Seite von der Bevölkerung teilweise für den Anbau von Reis genutzt. Neben eingedeichten und bewässerten Reisfeldern finden sich allerdings auch noch größere Flächen mit natürlicher Vegetation. Wir beobachten nun weiter wie lange sich Melanie in der Senegal-Flussaue aufhalten wird und fragen uns, ob das schon ihre erste Station im Winterquartier sein könnte, oder ob sie noch weiter Richtung Süden zieht.

Ortungen von Melanies Sender entlang des Senegal-Flusses.

Quelle: ARGOS CLS