Melanie weiterhin am Nigerfluss in Mali

Nun schon fast zwei Monate ist Melanie ihrem Winterquartier in der Nigeraue im Südwesten Malis treu. Sie war dort am 17. November letzten Jahres eingetroffen und überwintert etwa drei Kilometer landeinwärts vom Nordwestufer des Flusses entfernt an einem kleinen, von Gehölzen, Feldern und Plantagen gesäumten Niger-Zufluss, etwa vier Kilometer nordöstlich der Ortschaft Banankoro.

Neben anderen Turteltauben, mit denen Melanie vermutlich in einem mehr oder weniger losen Verbund überwintert, dürfte sie ihr Winterquartier mit einer ganzen Reihe anderer dort heimischer Vogelarten teilen. Aus der Gruppe der Tauben kommen Kaptäubchen, Röteltaube, Brillentaube, Halbmondtaube, Palmtaube und Lachtaube in der Region vor und könnten mit einer ähnlichen Lebensweise zumindest teilweise Nahrungskonkurrenten für die Turteltauben darstellen. Darüber hinaus dürften zahlreiche andere Körnerfresserarten aus den Gruppen der Prachtfinken und der Webervögel gemeinsam mit den Turteltauben auf die Suche nach Sämereien gehen. An gefiederten Vogeljägern im Gebiet müssen sich Melanie und ihre Verwandten wohl vor allem vor dem Graubürzel-Singhabicht und dem Lannerfalken in Acht nehmen.

Wir hoffen jedenfalls, dass Melanie ihren Winteraufenthalt in Mali vor potentiellen Fressfeinden sicher und trotz möglicher Nahrungskonkurrenz gut genährt übersteht und im kommenden Frühjahr wohlbehalten in ihr Brutgebiet in Hessen zurückkehren wird.

Drei Körnerfresserarten, die in Melanies Winterquartier heimisch sind. Links: Röteltaube, rechts oben: Olivnackenweber, unten rechts: Bandastrild.

Ben Metzger

Ben Metzger

Dr. Ben Metzger ist freischaffender Biologe mit dem Schwerpunkt Ornithologie. Er verfügt über langjährige Berufserfahrung in den Bereichen Naturschutz, Vogelzugforschung, Bestandsmonitoring und Vogelzoonosen. Die letzten fünf Jahre war er bei BirdLife Malta als wissenschaftlicher Leiter und Projektmanager angestellt. Seine Arbeitsschwerpunkte dort waren die Inventarisierung und Ausweisung von Meeresnaturschutzgebieten (mIBAs, MPAs), sowie der angewandte Artenschutz von See- und Zugvögeln im zentralen Mittelmeer.

Der legale und illegale Abschuss von Zugvögeln wie der Europäischen Turteltaube ist auf Malta ein andauerndes Problem.
Ben hat Erfahrung mit GPS- und GLS-Tracking, Radiotelemetrie und Satellitenbesenderung. Seine beruflichen Tätigkeiten der letzten Zeit beinhalten außerdem das Monitoring arktischer Seevogelkolonien in Spitzbergen sowie die Mitarbeit an einem Dokumentarfilmprojekt zum Thema Meeresnaturschutz und Habitatsvernetzung in Baha Kalifornien, Mexiko. Er hat ehrenamtlich für zahlreiche Naturschutzorganisationen und Beringungsprojekte im In- und Ausland gearbeitet. Ben lebt zur Zeit in Lissabon, Portugal.
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