Marokko Beiträge

Melanies lange Rückkehr ins Brutgebiet

Nachdem Turteltaube Melanie Anfang Mai die Sahara überquert hatte – wir hatten darüber früher an dieser Stelle berichtet – machte sie über zwei Wochen in Marokko in einer Gegend zwischen dem Küstenort Essaouira und Marrakesch Rast. Dort hielt sie sich vom 8. bis zum 25. Mai in bewässertem, intensiv genutztem Kulturland auf. Ende Mai flog sie dann etwa 280 Kilometer weiter nach Nordosten und erreichte ihren nächsten Rastplatz etwas nördlich von Casablanca, der größten Stadt Marokkos. Hier rastete sie für weitere fünf Tage.

Autor: Ben Metzger

Überziehende Turteltaube

Vom 1. auf den 2. Juni flog sie dann weiter nach Norden und wechselte nach Europa über. Schenkt man den Ortungen ihres Satellitensenders Glauben, war sie dabei von Casablanca

Melanies Rückflug über die westliche Sahara

Melanie hatte ihr Winterquartier am Fluss Niger im Südwesten Malis am Abend des 27. April verlassen. Am 29. April war sie bereits 560 Kilometer weiter nord-nordwestlich im Süden Mauretaniens angekommen. Hier, in der Region Assaba am Südrand der Sahara legte Melanie erstmal eine Zwischenrast ein. Dafür wählte sie ein interessantes Feuchtgebiet aus, den temporären Meshaouba-See, der zurzeit allerdings fast vollständig ausgetrocknet ist. Immerhin dürfte sie in diesem Rastgebiet genügend Baumbestand, Nahrung in Form von Wildkräutersamen und eine offene Wasserstelle vorgefunden haben. Nach einer Woche in dem Gebiet hatte sie sich wohl genügend Energiereserven für die nächste große Etappe angefressen und machte sich am 5. Mai an die Überquerung der Sahara. Dabei überflog Melanie zunächst die unwirtliche Adrar Region, ein extrem arides Plateau mit ausgedehnten Sanddünengebieten im Zentrum Mauretaniens. Nach über 500 Kilometern Flugstrecke erreichte sie den Ort Ouadane, eine Wüstenoase am Fuß eines erloschenen Vulkans. Hier hatte der Ornithologe Dr. Heiko Schmaljohann für die Schweizerische Vogelwarte in Sempach bereits vor etlichen Jahren untersucht, wie Zugvögel die Sahara überqueren.

Landschaft nahe der Wüstenoase Ouadane in Mauretanien; Foto: H. Schmaljohann