Besenderung Beiträge

Keine weiteren Bewegungen von Frieda, Taubert und Romeo

Etwa anderthalb Monate haben wir nun noch abgewartet, ob sich die Turteltauben Frieda, Taubert oder Romeo, die alle auf dem Herbstzug ins westafrikanische Winterquartier in der südlichen Sahara gestrandet waren, doch noch einmal in Bewegung setzen würden. Jegliche Ortsveränderungung hätten wir über ihre Satellitensender, die weiterhin regelmäßig Daten senden, registriert.

Turteltaubenpaar, Foto: Ben Metzger

Wir hatten bereits berichtet, dass es sich bei den Gegenden, aus denen die Satellitensignale kommen, um extrem trockene und vegetationsarme Wüstengebiete handelt. Sie sind für längere Rastaufenthalte oder gar als Winterquartiere kaum geeignet. Von den Daten, die wir bereits in den letzten Jahren über besenderte Turteltauben gesammelt haben, wissen wir außerdem, dass die Vögel Ende November bereits in ihren Winterquartieren deutlich weiter südlich angekommen sein müssten.

Weil die Reise aller drei Turteltauben in einem relativ kurzen Zeitfenster in der Südsahara endete, hatten wir darüber spekuliert, ob etwa eine größere Schlechtwetterfront mit Sandstürmen die Vögel überrascht haben könnte. Joost Brouwer, der Vogelexperte in der Region, der uns bereits in der Vergangenheit immer wieder unterstützt hatte, befragte dazu

Danke an alle Helfer*innen!

Während sich alle unsere Turteltauben auf ihrer Reise ins Wintergebiet befinden, möchten wir, die Wissenschaftler*innen der Justus-Liebig-Universität Gießen, und auch im Namen des NABU-Bundesverbands die Chance nutzen uns bei allen Helfern und Unterstützern des Projektes zu bedanken.

Besenderte Turteltaube kurz vor der Freilassung. Foto: Lennart Wegner

Bereits im Vorfeld erhielten wir wichtige Informationen und Material von internationalen Kollegen*innen, welche bereits Erfahrung mit dem Fang und der Besenderung von Turteltauben hatten. Dies erleichterte uns die Planung und Durchführung der Feldarbeit erheblich.

Vor und während des Projektes standen uns die Mitarbeiter*innen der zuständigen Naturschutzbehörden und Jagdbehörden sowie die jeweiligen Tierschutzbeauftragten hilfreich zur Seite und trugen durch ihre Flexibilität, z.B. bei kurzfristigen Standortänderungen, zum Erfolg des Projektes bei.

Unser Dank geht zudem an alle, die das Vorkommen von Turteltauben auf verschiedenen Beobachtungsportalen, wie Naturgucker oder ornitho, gemeldet haben. Anhand dieser Meldungen konnten wir geeignete Anfütterungsplätze in Hessen und Brandenburg auswählen. Auch Orts- und Regionalgruppen des NABU und der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie (HGON) haben über Beobachtungen und Meldungen von lokalen Turteltaubenvorkommen bei der Auswahl geeigneter Standorte sehr hilfreiche Informationen gegeben oder haben uns geeignete Stellen direkt im Feld gezeigt.

Bedanken möchten wir uns bei allen Flächeneigentümer*innen (Landwirte, Naturschutzvereine, Forstämtern, Stiftungen sowie Gemeinden und Städten), die das Anfüttern und Aufstellen der Fangkäfige auf ihren Grundstücken gestattet und unterstützt haben.

Ein herzlicher Dank auch an alle Jagdpächter und Jagdausübungsberechtigten der jeweiligen Standorte für ihre Unterstützung und Rücksichtnahme.

Dankeschön an alle ehrenamtlichen Helfer*innen, Studierenden und Kollegen*innen in Hessen und Brandenburg, die uns aktiv bei der Anfütterung, während der Feldarbeit und beim Fang der Turteltauben unterstützt haben.

Ein besonderer Dank an die ehrenamtlichen Helfer*innen und Kolleg*innen von BirdLife Malta, die den Fang und die Besenderung von Virginijus, Marija und Hope nicht nur ermöglicht, sondern auch für uns durchgeführt haben.

Ohne die tatkräftige Unterstützung und Zusammenarbeit der Helfer*innen aus diesen verschiedenen Tätigkeitsbereichen wäre die erfolgreiche Besenderung der Turteltauben nicht möglich gewesen!

Francescos Sender verstummt nach dreieinhalb Jahren

Turteltaubenmännchen im Brutgebiet; Foto: Ben Metzger

Am Abend des 14. August erhielten wir das bisher letzte Signal von Francescos Satellitensender, da war das Turteltauben-Männchen noch in seinem Brutrevier in Süditalien.

Wir hatten Francesco am 23. April 2017 auf der maltesischen Insel Comino besendert, wo er auf dem Frühjahrszug ins Brutgebiet Rast gemacht hatte. Mit fast dreieinhalb Jahren hat er mit seinem Sender von allen Turteltauben im Projekt bisher mit Abstand am längsten Daten geliefert. Insgesamt konnten wir ihn über vier Brutperioden in Kampanien und drei komplette Zug- und Überwinterungszyklen verfolgen.

Über Francescos Schicksal können wir leider nur spekulieren. Von den übertragenen Daten wissen wir aber, dass die Spannung seines Senders bis zum Schluss ausreichend hoch waren – fallen diese immer weiter ab, deutet das darauf hin, dass der Sender Probleme mit der

Alle Tauben haben nun einen Namen

In diesem Sommer haben wir vier neue Turteltauben in ihren jeweiligen Brutgebieten in Hessen mit einem Sender ausgestattet. So können wir den kommenden Herbstzug der Tauben hier verfolgen.

Dank der großartigen Beteiligung an unserem Namenswettbewerb haben alle Tauben nun passende Namen: Nachdem Sie online über die Namensvorschläge abgestimmt haben, heißen die Turteltauben-Damen jetzt Frieda und Julia, während die Turteltauben-Männchen die Namen Romeo und Taubert bekommen haben. Auf NABU.de gibt es dazu ebenfalls einen neuen Beitrag: https://www.nabu.de/news/2020/07/28455.html.

In den vorhergehenden Blogbeiträgen haben wir unsere Neuzugänge ja bereits vorgestellt, unter anderem mit einem kurzem Video ihrer Freilassung nach erfolgreicher Besenderung – und jetzt hat jeder von ihnen auch einen Namen.

Besenderung 2020 – das ist Taubert

Turteltauben-Männchen Taubert nach Besenderung am 13. Juni; Foto: D. Höhn

Die Turteltaube Taubert hatten die Wissenschaftler*innen der Universität Gießen am 13. Juni als letzte Turteltaube in diesem Jahr mit einem Satellitensender ausgestattet. Das 173 Gramm schwere Männchen war, wie bereits zwei Vögel zuvor, ebenfalls an der Futterstelle auf einem Wildacker nahe Cleeberg gefangen worden. Die Forscher*innen hatten dort ihr Glück erneut versucht, nachdem sie auf Bildern der Wildkamera vor Ort gesehen hatte, dass mindestens ein unbesendertes Turteltaubenpaar und ein weiteres Einzeltier die Futterstelle regelmäßig aufsuchten. Um nach einigen erfolglosen Fangversuchen die Chancen zu erhöhen, hatten sie die Zahl der Fangkäfige an der Futterstelle verdoppelt. Taubert war dann allerdings in genau die gleiche Falle gelaufen, wie vor ihm schon die bisher unbenannten Vögel 1 und 2. Auch er war offensichtlich verpaart und am Tag seines Fangs mit einem Weibchen unterwegs, das keinen Sender trug.

Besenderung 2020 – das ist Julia

Die Turteltaube Julia ging den Wissenschaftler*innen der Universtität Gießen am 8. Juni nahe der Ortschaft Villingen (Stadt Hungen) am Rande eines Naturschutzgebiets in die Falle. Die weibliche Turteltaube wog bei ihrem Fang knapp 150 Gramm. Am selben Futterplatz auf einem Wildacker an einem Waldrand war im letzten Jahr auch die Turteltaube Melanie gefangen und besendert worden.

Wildkamera-Aufnahme vom Futterplatz zum Zeitpunkt des Fangs von Julia.

Auch Julia war am Tag ihres Fangs mit einem Partner an der Futterstelle. Interessanterweise hatte außerdem ein Eichelhäher das Futter für sich entdeckt und war als erster in eine der beiden Käfigfallen gegangen. Julia war dann nur kurze Zeit später in die zweite vor Ort aufgestellte Falle gelaufen.

Turteltauben-Weibchen Julia bei ihrer Besenderung; Foto: L. Koch

Nach ihrem Fang wurde Julia zügig aus der Falle befreit, besendert und wieder in die Freiheit entlassen. Spätere Aufnahmen der Wildkamera vor Ort zeigen, dass auch sie nach einigen Tagen mit ihrem Partner wieder an der Futterstelle auftauchte. Da Turteltaube Melanie laut Satellitendaten zu diesem Zeitpunkt immer noch auf ihrer Heimreise ins Brutgebiet war, können sich die Wissenschaftler*innen sicher sein, dass es sich bei der besenderten Taube auf den Bildern um Julia handelte.