Besenderung Beiträge

Francesco fliegt am weitesten nach Süden

Anders als vor zwei Jahren, als Francesco fast zwei Monate am Nakambé in Ghana verbracht hatte, machte er dort diesmal wider Erwarten nur recht kurz halt. Schon am 9. Januar, nach etwa fünf Tagen in der Flussniederung, flog er knappe 40 km weiter nach Südosten. Nordöstlich der Stadt Tamale, der Hauptstadt der Provinz Nord-Ghana, hält er sich nun schon fast einen Monat lang auf.

Winterverbreitung der Turteltauben in blau, Francescos derzeiter Standort in Ghana ist als oranger Stern markiert; Quelle der Kartengrundlage: HBW Alive.

Von den von uns mit Satellitensendern ausgestatteten Turteltauben ist Francesco damit die Taube, die mit Abstand am weitesten südlich überwintert. Vergleicht man seinen derzeitigen Standort mit der Verbreitungskarte aus dem Handbuch der Vögel der Welt wird ersichtlich, dass er sich südlich vom regulären Winter-Verbreitungsgebiet der Art aufhält. Wir fragen uns, ob Turteltauben, die wie im Fall von Francesco mit seinem Brutgebiet bei Neapel weiter südlich brüten, generell auch weiter im Süden überwintern, als beispielsweise die Brutvögel aus Deutschland. Allerdings hatte die Turteltaube Nicola, die in Apulien auf etwa der gleichen geographischen Breite gebrütet hatte wie Francesco, ungefähr so weit südlich überwintert, wie jetzt beispielsweise Melanie. Um ein generelles Muster erkennen zu können, müssten wir somit wohl noch mehr Vögel besendern.

Um etwas mehr über den Status der Turteltauben in Ghana zu erfahren, haben wir Eric Lartey, den Leiter der

Cyril am Dan Doutchi See

Seit dem 22. November hatte Cyril unweit des Dan Doutchi Sees gerastet. Von Joost Brouwer, dem Experten in der Region, erfuhren wir, dass dieser See auf natürliche Weise erst im Jahr 1975 entstanden war, als die schwere Dürre von 1973/74 von einem extremen Starkregenereignis beendet wurde. Weil aufgrund der vorhergegangenen Dürre ein Großteil der Vegetation verschwunden war, erzeugten die Regenfälle in der Gegend einen massiven Oberflächenabfluss mit einhergehender starker Erosion. Das Wasser sammelte sich und formte den Dan Doutchi See in der natürlichen Senke einer alten Abflussrinne, die dort schon vor tausenden Jahren entstanden war, als die Region des Sahel und der Sahara viel niederschlagsreicher waren als heute.

Links: Cyrils Bewegungen im sülichen Niger im Januar mit dem Dan Doutchi See am oberen Bildrand, Quelle: Argos. Rechts: Das Fehlfarben-Satellitenbild zeigt, dass der Dan Doutchi Ende Januar noch reichlich Wasser führt (dunkelblau), Quelle: Sentinel-hub Playground.

Mitte der neunziger Jahre war der See, der während der regenreichsten Zeit des Jahres eine Fläche von 1100-1500 Hektar aufweist, ein herausragendes Gebiet für Wasservögel. Inzwischen sind seine Ufer, die fast ganzjährige

Cyrils zweiter Überwinterungsort im Niger

Während in Deutschland mit dem Jahreswechsel nun das Jahr der Turteltaube begonnen hat, halten sich die Sendertauben – derzeit sind das Cyril, Melanie und Francesco – weiterhin in südlichen Gefilden in Westafrika auf.

Turteltaube an der Tränke.

Dank der großartigen Unterstützung von Colonel Samaila Sahailou, dem Direktor der zuständigen Behörde im Niger (Directeur National de la Faune de la Chasse des Parcs et des Réserves du Niger), mit dem Joost Brouwer freundlicherweise in Kontakt getreten war, hatten wir von seinem Team einen detaillierten Vor-Ort-Bericht von Cyrils erstem Überwinterungsort erhalten. Bereits am 22. November letzten Jahres war er jedoch von seinem ersten Winterquartier im Niger weitere 80 Kilometer in Richtung Südwesten gezogen. Hier hält sich Cyril nun schon über einen Monat in der Nähe der Ortschaft Sehia im Flusstal des Dallol Maouri auf. Derzeit finden sich in der Gegend innerhalb der Flussniederung noch etliche mit Wasser gefüllte Becken und in deren Randbereichen genügend frische Vegetation, sodass wir davon ausgehen können, dass sich Cyril noch länger in seinem zweiten Winterquartier im Niger aufhalten wird. Bis zu seiner Rückreise im Frühjahr sind es allerdings noch über drei Monate, und so kann es durchaus sein, dass er in dieser Zeit weitere Ortswechsel unternehmen wird.

Wie sieht es in Francescos Winterquartier aus?

Das Flusstal des Nakambé mit einzelnen Wasserstellen (dunkelblau), Quelle: Sentinel-hub Playground

Francescos derzeitiger Überwinterungsort, den er um den 21. November erreicht hat, liegt östlich von Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou und nur etwa zehn Kilometer von der Gegend entfernt, in der er bereits im letzten Winter ein paar Monate verbracht hat. Er hält sich hier überwiegend im Flusstal des Nakambé auf, der in der fortschreitenden Trockenzeit vermutlich fast vollständig versiegt. Sieht man sich den Feuchtigkeitsindex des aktuellsten Fehlfarben-Satellitenbilds an, so wird jedoch deutlich, dass sich zur Zeit zumindest noch eine Kette an Wasserstellen das Flusstal entlangzieht, die Francesco als Tränken dienen können.

Vor-Ort-Bericht aus Cyrils erstem Winterquartier

Mehr als anderthalb Monate hatte sich Cyril in seinem ersten Überwinterungsort in der Nähe von Founkouey in einem Flusstal im südlichen Niger aufgehalten. Wir hatten das große Glück, dass der Geschäftsführer der Westafrikanischen Ornithologischen Gesellschaft Dr. Joost Brouwer dem Direktor der zuständigen Behörde in Tahoua im Niger die Koordinaten von Cyrils Senderortungen zukommen ließ und ihn dazu anregte, sich vor Ort ein Bild von Cyrils Winterquartier zu verschaffen. So führte Colonoel Kaïlou Moussa, Directeur Départemental de l’Environnement de la Salubrité Urbaine et du Développement Durable (DDE/SU/DD) in Tahoua im Niger, mit seinem Mitarbeiter Ali Salifou am 6. November eine Exkursion dorthin durch. Kaïlou, der uns schon vor etlichen Jahren auf einer Expedition in der Region begleitet hatte, kennt sich mit der Tier- und Pflanzenwelt des Nigers, hervorragend aus. Joost übermittelte uns den Bericht, den Kaïlou über die Exkursion nach Founkouey zu Cyrils erstem Überwinterunsort verfasst hat.

Melanie unternimmt einen Sprung nach Südosten

In der Zeit zwischen dem 13. und 17. November bewegte sich Melanie aus dem Senegal um weitere 630 km südostwärts und befindet sich seither in der Aue des Nigerflusses im Südwesten Malis, unweit der Grenze zu Guinea. Es ist wahrscheinlich, dass die fortschreitende Trockenzeit sie zu dem Sprung aus der Dornbusch-Grassteppen des südlichen Sahel in die baumreicheren Sudan-Savannen veranlasst hat, da es dort im Augenblick vermutlich noch mehr Nahrung und am Niger auch ausreichend Wasser gibt.

Die Gegend, in der sich Melanie aufhält, liegt etwa 120 km flussaufwärts und südwestlich der malischen Hauptstadt Bamako in der Nähe eines kleinen Ortes namens Banankoro. Auf dem Satellitenbild sind die Felder im Flusstal des Nigers gut zu erkennen, Melanie wird also vermutlich genügend Getreidesamen im Gebiet vorfinden um ihren Nahrungsbedarf zu decken. Von den besenderten Tauben befindet sie sich im Augenblick am weitesten im Süden. Wir sind neugierig, ob die Nigeraue Melanies Hauptüberwinterungsgebiet wird.

Melanies derzeitiger Aufenthaltsort in der Nigeraue in SW-Mali, Quelle: Argos.

Melanies derzeitiger Aufenthaltsort in der Nigeraue in SW-Mali, Quelle: Argos.