Auch Virginijus ist Italiener

Am Morgen des fünften Mai fingen die Beringer Nicholas Galea und Martin Austad von BirdLife Malta auf Comino ein Turteltaubenmännchen und statteten es als dritten Vogel der diesjährigen Frühjahrs-Zugsaison mit einem Satellitensender aus. Es war deutlich schwerer und langflügliger, als die beiden weiblichen Turteltauben, die in den Vortagen besendert worden waren. Die Besenderung der Turteltauben hielt BirdLife Malta in einem Video fest, dass hier angeschaut werden kann.

Comino, 5. Mai 2020

Das Turteltaubenmännchen Virginijus nach seiner Besenderung und Freilassung auf Comino; Foto: Nicholas Galea, BirdLife Malta.

Seinen Namen Virginijus erhielt das Turteltaubenmännchen nach dem derzeitigen EU-Umwelt-Kommissar Virginijus Sinkevičius, dessen Aufgabe es unter anderem ist zu gewährleisten, dass die europäischen Vogelschutz- und Fauna-Flora-Habitat-Richtlinien in allen Mitgliedsstaaten entsprechend umgesetzt und respektiert werden. Dazu gehört selbstverständlich auch der Schutz der bedrohten Turteltauben. Nach seiner Besenderung und Freilassung hielt sich Virginijus nur den Tag über auf Comino auf und zog gleich in der darauffolgenden Nacht weiter nach Sizilien. Für die knapp neunzig Kilometer übers Meer benötigte er weniger als zwei Stunden. In kleineren Etappen kreuzte er dann bis zum siebten Mai die Insel nach Norden und machte sich am Abend von Palermo aus zur Überquerung des Tyrrhenischen Meeres. Vermutlich noch in der selben Nacht erreichte er nach weiteren vierhundert Kilometern das italienische Festland etwas südlich von Rom. Von dort flog er dann in der Zeit zwischen dem achten und neunten Mai noch zweihundert Kilometer entlang der Küste in nordwestlicher Richtung. Es sieht danach aus, dass Virginijus in einem küstennahen Waldstück in der Toskana, direkt gegenüber der Insel Elba zuhause ist, denn von dort und dem angrenzendem Kulturland einiger verstreuter Bauernhöfe erreichen uns seither die Ortungen seines Senders. Damit sind alle auf Malta besenderten Turteltauben, die derzeit aktiv sind – Francesco, Hope und Virginijus – wohl Brutvögel der italienischen Population.

Ben Metzger

Ben Metzger

Dr. Ben Metzger ist freischaffender Biologe mit dem Schwerpunkt Ornithologie. Er verfügt über langjährige Berufserfahrung in den Bereichen Naturschutz, Vogelzugforschung, Bestandsmonitoring und Vogelzoonosen. Die letzten fünf Jahre war er bei BirdLife Malta als wissenschaftlicher Leiter und Projektmanager angestellt. Seine Arbeitsschwerpunkte dort waren die Inventarisierung und Ausweisung von Meeresnaturschutzgebieten (mIBAs, MPAs), sowie der angewandte Artenschutz von See- und Zugvögeln im zentralen Mittelmeer.

Der legale und illegale Abschuss von Zugvögeln wie der Europäischen Turteltaube ist auf Malta ein andauerndes Problem.
Ben hat Erfahrung mit GPS- und GLS-Tracking, Radiotelemetrie und Satellitenbesenderung. Seine beruflichen Tätigkeiten der letzten Zeit beinhalten außerdem das Monitoring arktischer Seevogelkolonien in Spitzbergen sowie die Mitarbeit an einem Dokumentarfilmprojekt zum Thema Meeresnaturschutz und Habitatsvernetzung in Baha Kalifornien, Mexiko. Er hat ehrenamtlich für zahlreiche Naturschutzorganisationen und Beringungsprojekte im In- und Ausland gearbeitet. Ben lebt zur Zeit in Lissabon, Portugal.
Ben Metzger

Letzte Artikel von Ben Metzger (Alle anzeigen)

2 Kommentare

Straßer Anne

01.06.2020, 10:06

Bei uns auf dem Balkon in Adelsried brüten nun schon zum 3. mal ein Paar Türkentauben. Sie geben so gut wie keine Geräusche ab und kaum sind die Jungen flügge, legen sie das nächste Ei. Sollen wir sie als „Haustauben“betrachten? Mit freundlichen Grüßen Anne Straßer

Antworten
Eric Neuling

Eric Neuling

03.06.2020, 14:22

Erfreuen Sie sich einfach an den Türkentauben, der Schwesterart unserer Turteltauben. Schön, dass sie bei Ihnen ein Zuhause haben.

Antworten

Hinterlasse einen Kommentar

Bitte bleibe höflich.
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht und Pflichtfelder sind markiert.