Malta Beiträge

Auch Virginijus ist Italiener

Am Morgen des fünften Mai fingen die Beringer Nicholas Galea und Martin Austad von BirdLife Malta auf Comino ein Turteltaubenmännchen und statteten es als dritten Vogel der diesjährigen Frühjahrs-Zugsaison mit einem Satellitensender aus. Es war deutlich schwerer und langflügliger, als die beiden weiblichen Turteltauben, die in den Vortagen besendert worden waren. Die Besenderung der Turteltauben hielt BirdLife Malta in einem Video fest, dass hier angeschaut werden kann.

Comino, 5. Mai 2020

Das Turteltaubenmännchen Virginijus nach seiner Besenderung und Freilassung auf Comino; Foto: Nicholas Galea, BirdLife Malta.

Seinen Namen Virginijus erhielt das Turteltaubenmännchen nach dem derzeitigen EU-Umwelt-Kommissar Virginijus Sinkevičius, dessen Aufgabe es unter anderem ist zu

Hope ist Sizilianerin

Das Turteltaubenweibchen Hope ging den Beringern von BirdLife Malta auf Comino am Morgen des 4. Mai ins Netz. Nach der standardisierten Beringung und Vermessung wurde es ausserdem mit einem Argos-Satellitensender ausgestattet.

Den Namen wählten unsere maltesischen Kollegen symbolisch und stellvertretend für die Hoffnung, die Naturschützer der BirdLife Partnerorganisationen in ganz Europa auf die Schutzbemühungen für die bedrohte Art setzen.

Comino, 4. Mai 2020

Turteltaube Hope direkt vor ihrer Freilassung auf Comino am 4. Mai; Foto: Nicholas Galea, BirdLife Malta.

So wurde erst 2018 der Arten-Aktionsplan für die Turteltaube verabschiedet, mit dem Ziel, dass sich die Populationen auf gesamteuropäischer Ebene, auch entlang der Zugwege und in

Marijas kurze Reise bis zum Abschuss

Die erste Turteltaube, ging den Beringern Nicholas Galea und Martin Austad auf Comino dann bereits am Morgen des ersten Mai ins Netz. Sie wurde mit einem individuellen Kennring versehen, vermessen und mit dem 5g leichten und solarbetriebenen Satellitensender ausgestattet. Nach Santa Marija, der Schutzheiligen von Comino, die auch der an die Beringungsstation angrenzenden Bucht ihren Namen gab, wurde die Taube auf den Namen Marija getauft und umgehend zurück in die Freiheit entlassen.

Comino, 1. Mai 2020

Turteltaube Marija, direkt nach ihrer Besenderung; Foto: Nicholas Galea, BirdLife Malta.

Bereits kurz nach ihrer Freilassung flog Marija weiter in nördlicher Richtung hinüber auf die Nachbarinsel Gozo, wo sie den Tag und dann auch die darauffolgende Nacht verbrachte. Das letzte Signal ihres Satellitensenders erhielten wir dann am nächsten Morgen gegen

Drei Neue aus Malta

Auf Malta haben die Kollegen von unserer Partnerorganisation BirdLife Malta auf dem Frühjahrszug erfolgreich weitere Turteltauben für unser gemeinsames Projekt besendert. Wie jedoch bereits früher an dieser Stelle zu lesen war, hatte die maltesische Regierung die Jagdsaison auf Wachteln für dieses Frühjahr bis zum 30. April ausgedehnt, mit verheerenden Auswirkungen auch auf die Turteltauben, die in diesem April über Malta gezogen kamen. Um daher das Risiko eines Abschusses kurz nach der Besenderung zu minimieren, hatten unsere Kollegen mit deren Start auf den Monat Mai gewartet und führten die Arbeiten auf der kleinen Maltesischen Insel Comino durch, einem ganzjährigen Vogelschutzgebiet, in dem BirdLife Malta alljährlich im Frühjahr und Herbst eine Vogelzug-Forschungsstation inklusive wissenschaftlicher Vogelberingung betreibt.

BirdLife Malta hat ein schönes Video über die diesjährige Beringung erstellt.

 

Bentornato a casa – Willkommen zuhause, Francesco!

Zehn Tage lang hatte Francesco nach seiner Sahara-Überquerung in Algerien am Südhang des Aurès-Gebirges gerastet und sich dort vermutlich von den Strapazen dieser enormen Zugstrecke durch die Wüste erholt. In der Nacht vom 27. auf den 28. April war er dann den Berghängen folgend nach Ost-Nordosten gezogen und rastete daraufhin weitere drei Tage unweit der tunesischen Hafenstadt Sousse. Am Abend des 30. April flog Francesco dann zur Überquerung des Mittelmeeres in nordöstlicher Richtung los, passierte Pantelleria, und erreichte am 1. Mai bereits das Nordost-Ende von Sizilien, nahe der Straße von Messina. Noch am gleichen Tag wechselte er aufs italienische Festland und zog gleich weiter nach Norden, und so kam er am 3. Mai früh morgens in seinem Brutgebiet bei Benevento in Kampanien an. Leider bekamen wir in den drei letzten Tagen von Francescos Reise überwiegend recht unpräzise Ortungen seines Satellitensenders, weshalb wir kaum sagen können, welche exakte Route er übers Mittelmeer genommen hat. In jedem Fall hat er die Straße von Sizilien bei Nacht überquert und ließ Malta weit östlich liegen. Damit war er wieder einmal vor der Maltesischen Jägerschaft sicher.

Turteltaube im Brutgebiet im Mittelmeerraum. Foto: Ben Metzger

Seit seiner Besenderung auf der maltesischen Insel Comino im Frühjahr 2017 ist Francesco nach drei kompletten Zugzyklen nun schon zum vierten Mal in seinem Brutgebiet angekommen. Wünschen wir ihm eine gute Ankunft in seiner italienischen Heimat und eine weitere erfolgreiche Brutsaison und hoffen, dass uns sein Sender auch weiterhin wertvolle Daten zu seinem Aufenthalt übermittelt.

Francesco lässt Malta links liegen

Francesco startete seinen diesjährige Herbstzug am Abend des 09. Septembers und damit zwei Tage früher als im letzten Jahr. In südlicher Richtung flog er über das thyrrenische Meer bis nach Sizilien, wo er am nächsten Morgen im Landesinnern Italiens größter Insel angekommen war und sich tagsüber eine Pause gönnte. Am Abend des 10. flog er dann in südwestlicher Richtung weiter, und überquerte das Mittelmeer westlich von Malta in der Nacht auf den 11. September, vermutlich nonstop. Damit blieb er von der Maltesischen Jägerschaft glücklicherweise unbehelligt, die derzeit immer noch legal Jagd auf durchziehende Turteltauben und ca. 40 andere Vogelarten macht.

Francescos diesjährige Herbstzugroute vom Brutgebiet übers Mittelmeer nach Nordafrika.

Nicholas Barbara, der für BirdLife Malta seit etlichen Jahren als Naturschutzbeauftragter tätig und mit dem Dauerthema der legalen und illegalen Vogeljagd bestens vertraut ist, fasst es zusammen: Bis Ende September dürfen die Maltesischen Jäger ganz legal insgesamt 7000 Turteltauben erlegen. Mit etwa 10.000 registrierten Jägern besitzt der kleine, dicht besiedelte Inselstaat im zentralen Mittelmeer die bei weitem höchste Jägerdichte Europas und von ein paar Wildkaninchen abgesehen wird dort ausschließlich auf ziehende Vögel geschossen. Leider werden die Gesetzte kaum durchgesetzt und deshalb auch nicht eingehalten, weshalb die tatsächliche Zahl geschossener Turteltauben viel höher ausfallen dürfte und darüber hinaus auch sehr viele Individuen streng geschützter Vogelarten illegal geschossen werden. Aber auch in fast allen anderen Mittelmeerländern ist die Jagd auf Turteltauben im Herbst noch erlaubt.

Eine auf Malta geschossene Turteltaube. Foto: Archiv BirdLife Malta

 

Das nächste Signal von Francescos Satellitensender erreichte uns am Abend des 11. Septembers von der tunesischen Insel Djerba, von wo aus Francesco noch am selben Abend weiter aufs tunesische Festland flog und somit vorerst sicher den afrikanischen Kontinent erreichte. Die Gegend, in der er sich zur Zwischenrast aufhält, ist landwirtschaftlich geprägt und besteht aus weitläufigen Feldern mit eingestreuten größeren Bäumen, zirka 10 km südlich der Stadt Medenine gelegen. Auf dem Satellitenbild sieht sie recht trocken aus. Täglicher Zugang zu offenen Wasserstellen ist für Turteltauben allerdings sehr wichtig, egal ob im Brutgebiet, am Rastplatz oder im Winterquartier. In heißeren Klimazonen und nach langen Zugstrecken sind diese überlebensnotwendig, und so dürfte Francesco seinen Durst vermutlich an von Menschen angelegten Brunnen oder Wasserreservoirs stillen. Wie lange wird er sich wohl in Nordafrika aufhalten, bevor er ein weiteres Mal die Sahara quert?

Turteltaube an der Tränke, einem von Menschen angelegten Brunnen. Foto: B. Metzger