Marijas kurze Reise bis zum Abschuss

Die erste Turteltaube, ging den Beringern Nicholas Galea und Martin Austad auf Comino dann bereits am Morgen des ersten Mai ins Netz. Sie wurde mit einem individuellen Kennring versehen, vermessen und mit dem 5g leichten und solarbetriebenen Satellitensender ausgestattet. Nach Santa Marija, der Schutzheiligen von Comino, die auch der an die Beringungsstation angrenzenden Bucht ihren Namen gab, wurde die Taube auf den Namen Marija getauft und umgehend zurück in die Freiheit entlassen.

Comino, 1. Mai 2020

Turteltaube Marija, direkt nach ihrer Besenderung; Foto: Nicholas Galea, BirdLife Malta.

Bereits kurz nach ihrer Freilassung flog Marija weiter in nördlicher Richtung hinüber auf die Nachbarinsel Gozo, wo sie den Tag und dann auch die darauffolgende Nacht verbrachte. Das letzte Signal ihres Satellitensenders erhielten wir dann am nächsten Morgen gegen sieben Uhr aus dem nördlichen Teil Gozos. Da uns vom gleichen Tag auch Berichte zu illegaler Jagd auf der Insel erreichten, müssen wir leider davon ausgehen, dass sie schon einen Tag nach ihrer Besenderung ein Opfer der Jagdwilderei wurde. Somit endete Marijas Reise trotz der Vorsichtsmaßnahmen bereits nach sehr kurzer Zeit und der Vogel wurde zum traurigen Symbol der kontinuierlichen und in diesem Frühjahr wieder einmal besonders starken illegalen Verfolgung der Art auf Malta.

Anschauungsunterricht zur Zugvogelberingung; Foto: Kristina Govorukha.

Allerdings gibt es zumindest die Hoffnung, dass sich die Situation in Zukunft verbessern wird, denn BirdLife Malta erreicht mit einem umfassenden Umweltbildungsprogramm fast alle Schulen des Landes. Hier werden den Kindern und Jugendlichen wesentliche Zusammenhänge in der Natur und eine höhere Wertschätzung ihrer Umwelt nähergebracht. Dass die unglaublichen Zugstrecken der Turteltauben anhand der Reisen einzelner Individuen durch die Satellitensender nachvollzogen werden kann, wird dabei bestimmt helfen. Und so sind die meisten jungen Malteser schon heute ganz klar gegen die Zugvogeljagd, ganz besonders im Frühjahr, wenn die Vögel das Mittelmeer auf ihrem Weg in ihre Brutgebiete überqueren. Das wird sich hoffentlich auch bald in der lokalen Politik niederschlagen, mit einem echten Willen, die Frühjahrsjagd komplett zu unterbinden.

Umweltbildung aus erster Hand; Foto: BirdLife Malta.

Ben Metzger

Ben Metzger

Dr. Ben Metzger ist freischaffender Biologe mit dem Schwerpunkt Ornithologie. Er verfügt über langjährige Berufserfahrung in den Bereichen Naturschutz, Vogelzugforschung, Bestandsmonitoring und Vogelzoonosen. Die letzten fünf Jahre war er bei BirdLife Malta als wissenschaftlicher Leiter und Projektmanager angestellt. Seine Arbeitsschwerpunkte dort waren die Inventarisierung und Ausweisung von Meeresnaturschutzgebieten (mIBAs, MPAs), sowie der angewandte Artenschutz von See- und Zugvögeln im zentralen Mittelmeer.

Der legale und illegale Abschuss von Zugvögeln wie der Europäischen Turteltaube ist auf Malta ein andauerndes Problem.
Ben hat Erfahrung mit GPS- und GLS-Tracking, Radiotelemetrie und Satellitenbesenderung. Seine beruflichen Tätigkeiten der letzten Zeit beinhalten außerdem das Monitoring arktischer Seevogelkolonien in Spitzbergen sowie die Mitarbeit an einem Dokumentarfilmprojekt zum Thema Meeresnaturschutz und Habitatsvernetzung in Baha Kalifornien, Mexiko. Er hat ehrenamtlich für zahlreiche Naturschutzorganisationen und Beringungsprojekte im In- und Ausland gearbeitet. Ben lebt zur Zeit in Lissabon, Portugal.
Ben Metzger

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