Zugvogelschutz Beiträge

Vor-Ort-Bericht aus Cyrils erstem Winterquartier

Mehr als anderthalb Monate hatte sich Cyril in seinem ersten Überwinterungsort in der Nähe von Founkouey in einem Flusstal im südlichen Niger aufgehalten. Wir hatten das große Glück, dass der Geschäftsführer der Westafrikanischen Ornithologischen Gesellschaft Dr. Joost Brouwer dem Direktor der zuständigen Behörde in Tahoua im Niger die Koordinaten von Cyrils Senderortungen zukommen ließ und ihn dazu anregte, sich vor Ort ein Bild von Cyrils Winterquartier zu verschaffen. So führte Colonoel Kaïlou Moussa, Directeur Départemental de l’Environnement de la Salubrité Urbaine et du Développement Durable (DDE/SU/DD) in Tahoua im Niger, mit seinem Mitarbeiter Ali Salifou am 6. November eine Exkursion dorthin durch. Kaïlou, der uns schon vor etlichen Jahren auf einer Expedition in der Region begleitet hatte, kennt sich mit der Tier- und Pflanzenwelt des Nigers, hervorragend aus. Joost übermittelte uns den Bericht, den Kaïlou über die Exkursion nach Founkouey zu Cyrils erstem Überwinterunsort verfasst hat.

Endstation Wüste für Jenny und Luciano

Verendete Turteltaube, Foto: BirdLife Malta

Jennys Satellitensender hat nun schon einen Monat lang keine weiteren Signale mehr geliefert. Wie bereits in Jennys letztem Beitrag berichtet, war die Spannung der solarbetriebenen Batterie ihres Senders bis zum letzten Signal am 20. Oktober schrittweise abgefallen. Daher können wir nun davon ausgehen, dass der Sender entweder aufgrund eines technischen Defekts ausgefallen ist, oder Jenny in ihrem Rastgebiet im Osten Malis kurz nach ihrer Sahara-Überquerung umgekommen sein muss.

Die Wüstengegend im Schutzgebiet Aïr und Ténéré im Norden des Niger ist bestimmt kein geeignetes Überwinterungsgebiet für Turteltauben. Auch wenn Lucianos Sender uns weiterhin Signale stationär von dort seit Ende September liefert, sind wir nun sicher, dass Luciano dort auf dem Herbstzug umgekommen sein muss. Somit können wir wohl in Kürze die Übertragung von Lucianos Senderortungen abstellen.

Melanies Winterortswechsel im Senegal

Wie bereits früher an dieser Stelle berichtet hatte Melanie die Westzugroute in den Senegal genommen. Auf dieser Route ziehen auch britische und die meisten der französischen Turteltauben, wie unsere Kollegen von der Royal Society for the Protection of Birds (RSPB, BirdLife Großbritannien) und vom Office National de la Chasse et de la Faune Sauvage (ONCFS, dem französischen Institut für Jagd und Wildtierforschung) ebenfalls mit Hilfe von satelliten-besenderten Turteltauben herausgefunden haben. Deren Zugrouten, Brutgebiete und Winterquartiere kann man in folgenden Links einsehen:

https://www.rspb.org.uk/our-work/conservation/satellite-tracking-birds/tracking-turtle-doves/

http://turtledoveresearch.com/fr/

Die französischen und britischen Turteltauben überwintern in der gleichen Region in Westafrika wie Melanie und es könnte durchaus sein, dass sich dort Tauben aus unterschiedlichen Brutgebieten in West- und Mitteleuropa zu losen Überwinterungstrupps zusammenfinden.

Francesco zieht noch ein Stückchen weiter

Francesco war am 23. Oktober in Burkina Faso eingetroffen. In der Nacht vom 2. auf den 3. November machte er dann seinen nächsten „Sprung“ und flog weitere 35 Kilometer in süd-südwestlicher Richtung, wo er sich seiterher am Rande der Ortschaft Sona aufhält. Sona liegt zwar eigentlich in einem Schutzgebiet, dem Sahel-Reservat von Burkino Faso. Allerdings befindet es sich dort zwischen der großen Tagebau-Goldmine Inata und dem Staudamm von Tchalel-Goumdé die ebenfalls im Reservat liegen. Immerhin ist der Stausee derzeit mit Wasser gefüllt, und das Gebiet in dem sich Francesco aufhält im Augenblick sehr grün.

Betrachten wir das jüngste Infrarot-Satellitenbild der Gegend vom 6. November erscheint die frische Vegetation in Fehlfarben leuchtend rot, die Wasserfläche des Stausees östlich von Francescos Aufenthaltsort ist türkis dargestellt. Deutlich sind auch die geometrischen Strukturen der Goldmine von Inata westlich von Francescos Standort zu erkennen. In jedem Fall dürfte Francesco in seinem derzeitigen Winterquartier mit all der frischen Vegetation momentan sehr gute Nahrungsbedingungen vorfinden.

Francescos derzeitiger Überwinterungsort (blauer Stern). Infrarot-Satellitenbild vom 6. November. Quelle: Sentinel-hub Playground

Erwähnenswert ist noch, dass Francesco einen Teil des Winters 2017 schon einmal auf dem gleichen Breitengrad verbrachte, nur etwa 40 Kilometer weiter östlich. Damals war er Mitte November noch weiter nach Südosten gezogen. Wie lange wird er wohl diesmal in der Gegend bleiben?

Cyril weiterhin im Süden Nigers

Bereits seit dem vierten Oktober befindet sich Cyril nun schon in Nähe von Founkouey in einem Flusstal im südlichen Niger. Damit ist er seinem ersten Winterquartier in dieser Periode zumindest bisher treu geblieben. Wenn wir uns für diesen Zeitraum lediglich die Satellitenortungen anschauen, die mit einer Maximalabweichung von 250 Metern die höchste Genauigkeit aufweisen, so wird deutlich, wie klein das Winterrevier einer Turteltaube eigentlich ist. Die meisten Ortungen entfallen auf eine Fläche von etwa einem Quadratkilometer, lediglich ein einzelner Punkt liegt etwa drei Kilometer weit vom Zentrum dieses Winterreviers entfernt. Während die Turteltauben auf dem Zug in wenigen Tagen oft tausende Kilometer zurücklegen können, sind sie – einmal in einem geeigneten Winterquartier angekommen – eher sesshaft und wechseln nur in ein weiteres Winterquartier, wenn sich die Bedingungen vor Ort verschlechtern. Wir werden sehen, wann das für Cyril an diesem Ort der Fall sein wird.

Cyrils erstes Winterrevier im südlichen Niger. Quelle: Argo

Jennys Sender verstummt in Ost-Mali

Letzte Position von Jenny in Ost-Mali

Das bisher letzte Signal von Jennys Satellitensender erreichte uns am späten Abend des 20. Oktober aus ihrem Rastgebiet in Ost-Mali, in dem sie am 9. Oktober angekommen war. Die Landschaft dort weist bei hoher Auflösung des Standortes zumindest spärlichen Bewuchs auf und erscheint vom Satellitenbild her für Turteltauben als Rastgebiet nicht völlig ungeeignet. Allerdings sieht es nicht unbedingt danach aus, als gäbe es in der Gegend dichtere Bestände etwas höherer Bäume und offene Wasserstellen.

Die Spannung der solarbetriebenen Batterie von Jennys Sender war seit ihrer Ankunft in diesem Rastgebiet bis zum letzten Signal schrittweise abgefallen. Das deutet darauf hin, dass die Batterie trotz wolkenlosen Himmels in der Gegend während dieser Zeit nicht genügend aufgeladen wurde. Es kann durchaus einmal vorkommen, dass das Rückengefieder der Taube die Solarzelle über einige Zeit abschattet und der Sender dadurch nicht über genügend Energie zur Positionsermittlung verfügt. Dass der Sender nun aber schon über 10 Tage stumm ist, bereitet uns zunehmend Grund zur Sorge. Momentan können wir allerdings nur spekulieren, ob der Sender aufgrund eines technischen Problems ausgefallen sein könnte, oder Jenny im Osten Malis eventuell ein ähnliches Schicksal erlitten haben könnte, wie Dana im letzten Frühjahr und Luciano diesen Herbst weiter nordöstlich im Niger.