Taubert Beiträge

Taubert verweilt länger in Oasen der Sahara

Die erste Etappe seiner Sahara-Überquerung hatte Taubert in der Zeit vom 21. bis 22. September gemeistert. Da hatte er den Westlichen Großen Erg in Zentral-Algerien hinter sich gelassen und die Oasengruppe um Zaouiet Debagh erreicht. Hier hält sich Taubert nun schon seit über einer Woche auf, vermutlich um seine Reserven aufzutanken, bevor er dann hoffentlich erfolgreich die nächste Etappe auf dem Zug über die Sahara absolviert.

Wenn wir Tauberts kleinräumigen Bewegungen in seinem derzeitigen Rastgebiet genauer unter die Lupe nehmen, können wir interessanterweise beobachten, dass Taubert selbst während seiner Rast in der Sahara ein wenig entlang der Oasen-Kette in südwestlicher Richtung weitergezogen ist.

Tauberts kleinräumige Bewegungen in südwestlicher Richtung entlang der Oasen; Quelle: Argos

Taubert rastet südlich des Großen Erg

Im vorherigen Blog-Beitrag hatte Eric die Bedeutung der Oasen als Trittsteine für Zugvögel auf ihrer Wüsten-Überquerung dargestellt und die konkreten Probleme und Gefahren erläutert, die mit dem Klimawandel und der sich ausbreitenden Vertrocknung der Oasen auch für unsere Turteltauben einhergehen. Wie relevant die Oasen für Zugvögel tatsächlich sind, können wir schön am Beispiel von Tauberts Reise nachvollziehen.

Er hatte sich gleich nach seinem Flug über das westliche Mittelmeer zur Überquerung der algerischen Sahara aufgemacht. Auf seiner Strecke hatte er vom 21. auf den 22. September auch den Großen Westlichen Erg überwinden müssen, eine riesige Fläche von weitgehend

Die Ortungen von Tauberts Satellitensender aus der Oase von Zaouiet Debagh; Quelle: Argos

vegetationsloser und extrem trockener Sanddünen-Wüste. An dessen Südrand hatte er dann allerdings die Oasengruppe um Tinerkouk und Zaouiet Debagh in Zentral-Algerien zu einem Zwischenstopp angesteuert, wo er seither rastet. Hier hat er in jedem Fall Wasser, Nahrung und den Schatten von Dattelpalmen vorgefunden. So kann er sich hoffentlich schnell von den Strapazen der Überquerung des Erg erholen und seine Reise weiter nach Süden in sein Winterquartier möglicherweise schon recht bald fortsetzten.

 

Oasen – Hotspots der Klimakrise in der Sahara

Zwei unserer Turteltauben haben erfolgreich das Mittelmeer überquert und damit auch die erste große geografische Hürde genommen auf ihrem Zug in ihr Überwinterungsgebiet im Sahel Afrikas. Die zweite steht nun für Julia und Taubert direkt bevor und verlangt vieles von ihnen ab: Die Sahara, größte Wüste der Welt, kann von einem kleinen Vogel wie der Turteltaube zwar in nur vier Tagen gequert werden, wie wir aus unseren Senderdaten wissen, doch trotzdem benötigen sie ab und zu Rastplätze zum Schlafen, Trinken und Fressen.

Die Klimakrise und die einhergehende Erderhitzung trifft nicht nur die Pole und bringt Gletscher zum Schmelzen, sie beschleunigt die Ausbreitung der Wüsten (auch als Desertifikation bezeichnet) und trifft dieses Ökosystem selbst.

Foto: NABU/CEWE/Jörg Tenberken

Wüstenoasen fungieren wie Inseln im Sand aus Meer. Dort sorgen unterirdische Wasseradern oder Grundwasserspeicher für ausreichend günstige Bedingungen für zum Teil üppiges Vegetationswachstum und um Landwirtschaft zu betreiben, etwa durch den Anbau von Dattelpalmen. Durch die Temperaturzunahmen wird in immer mehr Oasen das Wasser vor allem über eine höhere Verdunstung knapp oder sie sind bereits ausgetrocknet.

Stefan Schaaf berichtete am 11. Juli für die ARD aus der Oasenstadt M’hamid El Ghizlane am Rande der Sahara. Lesen Sie hier seine Schilderung zur Verschärfung der Situation dort durch die Klimakrise. Neben den Zukunftsängsten der Bevölkerung wird hier zwischen den Zeilen auch deutlich, welches ökologische Defizit mit dem Schwund dieser Wüsteninseln einhergeht. Für Zugvögel wie die Turteltaube bedeutet der Verlust oder die Verschlechterung dieser Tankstellen, dass die Einzeletappen ohne Pause länger werden oder die Energiereserven nicht mehr für den restlichen Zugweg reichen. Bereits im letzten Jahr sind die zwei Turteltauben Luciano und Jenny aus Brandenburg in der südlichen Sahara aus unbekannten Gründen gestrandet. Ihre Sender zeigten zum Ende ihres Herbstzugs keine Bewegung mehr an. Hoffen wir, dass unsere hessischen Sendertauben heil in ihr Überwinterungsgebiet finden!

Taubert zieht übers Mittelmeer nach Algerien

Tauberts Mittelmeer-Überquerung westlich der Balearen

Fast drei Wochen lang hatte Taubert an der spanischen Mittelmeerküste zwischen Barcelona und Valencia gerastet. In der Nacht vom 19. auf den 20. September war er dann von dort direkt nach Süden losgeflogen, hatte das westliche Mittelmeer nach Nordafrika überquert und war am nächsten Morgen westlich von Algier an der algerischen Küste angekommen. Interessanterweise wählte Taubert für seine Mittelmeer-Überquerung auf den afrikanischen Kontinent nicht die kürzeste Strecke übers Meer – das wäre die Straße von Gibraltar gewesen.

Jetzt scheint er auch nicht länger in Nord-Algerien zu rasten, sondern setzte gleich in der nächsten Nacht zur Überquerung der Sahara an. Das kann er sich nach der langen Rast in Spanien, auf der er sich bestimmt genügend Reserven angefressen hat, wohl leisten.

Taubert fliegt als erster los

Das Turteltauben-Männchen Taubert, das die Wissenschaftler*innen der Justus-Liebig-Universität Gießen am 13. Juni besendert hatten, hat als erster sein hessisches Brutgebiet in der Nähe von Cleeberg verlassen. Am Vormittag des 31. Juli flog er etwa 80 Kilometer in südsüdwestlicher Richtung und hält sich seither etwas nordwestlich von Worms in einer von Landwirtschaft geprägten Gegend in der oberrheinischen Tiefebene auf. Wir denken, dass Taubert mit diesem ersten bedeutenderen Ortswechsel aus dem Brutgebiet heraus noch nicht mit seinem eigentlichen Herbstzug begonnen hat, wenngleich die Wegzugsrichtung einigermaßen stimmt. Vielmehr nehmen wir an, dass für ihn die Nachbrutzeit begonnen hat.

Im Anschluss an die Brutzeit führen die Tauben einen Großteil ihres Gefiederwechsels durch, die sogenannte Nachbrutmauser. Falls Taubert erfolgreich Junge groß gezogen hat, sind diese nun sicherlich selbständig. Damit ist er nun nicht mehr an einen Neststandort gebunden und konnte für den Ressourcen zehrenden Gefiederwechsel ein geeignetes Mausergebiet aufsuchen. Darüber hinaus dürfte er sich in den kommenden Tagen bis Wochen auch noch die notwendigen Energiereserven anfressen um den den kräftezehrenden Herbstzug ins Winterquartier gut zu überstehen.

Turteltaube bei der Nahrungssuche auf einem Waldweg; Foto: Ben Metzger.

Ähnliche Ortswechsel nach der Brutzeit hatten wir bereits in den Vorjahren bei weiteren unserer Sendertauben beobachten können, so zum Beispiel auch beim italienischen