Vogelzug Beiträge

Francesco schon auf der Heimreise?

Während die in Deutschland besenderten Turteltauben Melanie und Cyril weiter in ihren Winterquartieren ausharren, hat der Italiener Francesco, den wir im Frühjahr 2017 auf Malta besendert hatten, seines in Ghana kürzlich wieder verlassen. Am Abend des 14. März zog er aus der Gegend Tamale in Richtung Norden los und war am nächsten Tag bereits in Burkina Faso, ca. einhundert Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Ouagadougou. In der darauf folgenden Nacht ging es dann schon weiter, und so erreichte Francesco am 16. März den Südosten Malis, etwas nördlich des Dreiländerecks zwischen Mali, Niger und Burkina Faso. Damit hat er in den zwei Nächten insgesamt etwa 650 Kilometer in nördlicher Richtung zurückgelegt.

Francescos Flug von Ghana nach Südost-Mali (Mitte); Melanie überwintert weiterhin in Südwest-Mali (links), Cyril im Niger (rechts im Bild). Quelle: Argos

Bundesumweltministerium erhält 75.453 Unterschriften für die Turteltaube

Mehr als 75.000 Menschen haben sich unseren Forderungen angeschlossen und unsere Petition für die Turteltaube unterzeichnet. Heute – symbolträchtig am Valentinstag übergab NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger die Unterschriften an die Parlamentarische Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter im Bundesumweltministerium. Mit unserer Petition fordern wir Umweltministerin Svenja Schulze auf, sich dafür stark zu machen, dass die Jagd auf die Turteltaube in der EU endlich gestoppt wird. Frau Schwarzelühr-Sutter sichert dem NABU Unterstützung zu. Wir „rennen da offene Türen ein“.

Danke an alle, die unsere Forderungen mit ihrer Stimme unterstützt haben! Mehr dazu unter https://www.nabu.de/turteltauben-petition

Cyril am Dan Doutchi See

Seit dem 22. November hatte Cyril unweit des Dan Doutchi Sees gerastet. Von Joost Brouwer, dem Experten in der Region, erfuhren wir, dass dieser See auf natürliche Weise erst im Jahr 1975 entstanden war, als die schwere Dürre von 1973/74 von einem extremen Starkregenereignis beendet wurde. Weil aufgrund der vorhergegangenen Dürre ein Großteil der Vegetation verschwunden war, erzeugten die Regenfälle in der Gegend einen massiven Oberflächenabfluss mit einhergehender starker Erosion. Das Wasser sammelte sich und formte den Dan Doutchi See in der natürlichen Senke einer alten Abflussrinne, die dort schon vor tausenden Jahren entstanden war, als die Region des Sahel und der Sahara viel niederschlagsreicher waren als heute.

Links: Cyrils Bewegungen im sülichen Niger im Januar mit dem Dan Doutchi See am oberen Bildrand, Quelle: Argos. Rechts: Das Fehlfarben-Satellitenbild zeigt, dass der Dan Doutchi Ende Januar noch reichlich Wasser führt (dunkelblau), Quelle: Sentinel-hub Playground.

Mitte der neunziger Jahre war der See, der während der regenreichsten Zeit des Jahres eine Fläche von 1100-1500 Hektar aufweist, ein herausragendes Gebiet für Wasservögel. Inzwischen sind seine Ufer, die fast ganzjährige

Francesco erreicht erneut den Nakambé in Ghana

Während Melanie und Cyril zur Zeit in ihren Überwinterungsorten recht stationär sind, unternahm Francesco in der Nacht vom vierten auf den fünften Januar einen weiteren „Sprung“ aus seinem bisherigen Winterquartier in Richtung Süden. Nach etwa 280 Kilometern landete er am Morgen des fünften Januars im nördlichen Teil von Ghana, wo er für drei Tage an einem kleinen Fluss rastete. Am achten Januar flog er dann weitere 30 Kilometer nach Südwesten und hält sich seither im Flusstal des weißen Volta auf, den die Ghanaer den Nakambé nennen, ungefähr 40 Kilometer nordwestlich der Stadt Tamale. Im Januar hat der Fluss im Jahresverlauf den niedrigsten Wasserstand, trocknet aber nicht vollständig aus.

Francescos neueste Ortungen (in blau) am Nakambé in Ghana. Die Kernzonen seines Überwinterungsgebiets von vor zwei Jahren sind in rot mit 50%, in orange mit 75% und in gelb mit 90% aller damaligen Ortungen im Gebiet eingerahmt.

Für uns ist sehr interessant zu sehen, dass Francesco einen Teil des vorletzten Winters, nämlich vom 23. Dezember 2017 bis zum 18. Februar 2018, schon einmal genau am selben Ort am Nakambé verbrachte. Der Kern seines Winterorts liegt hier zwischen dem eigentlichen Hauptfluss und einem Altarm, der vor Ort als Zincha-Lagune bekannt ist. Es sieht sehr danach aus, dass sich Francesco an sein Winterquartier von vor zwei Jahren erinnert und es in diesem Jahr erneut für einige Zeit besetzt halten wird. In diesem Winter ist er dort allerdings zweieinhalb Wochen später eingetroffen.

Cyrils zweiter Überwinterungsort im Niger

Während in Deutschland mit dem Jahreswechsel nun das Jahr der Turteltaube begonnen hat, halten sich die Sendertauben – derzeit sind das Cyril, Melanie und Francesco – weiterhin in südlichen Gefilden in Westafrika auf.

Turteltaube an der Tränke.

Dank der großartigen Unterstützung von Colonel Samaila Sahailou, dem Direktor der zuständigen Behörde im Niger (Directeur National de la Faune de la Chasse des Parcs et des Réserves du Niger), mit dem Joost Brouwer freundlicherweise in Kontakt getreten war, hatten wir von seinem Team einen detaillierten Vor-Ort-Bericht von Cyrils erstem Überwinterungsort erhalten. Bereits am 22. November letzten Jahres war er jedoch von seinem ersten Winterquartier im Niger weitere 80 Kilometer in Richtung Südwesten gezogen. Hier hält sich Cyril nun schon über einen Monat in der Nähe der Ortschaft Sehia im Flusstal des Dallol Maouri auf. Derzeit finden sich in der Gegend innerhalb der Flussniederung noch etliche mit Wasser gefüllte Becken und in deren Randbereichen genügend frische Vegetation, sodass wir davon ausgehen können, dass sich Cyril noch länger in seinem zweiten Winterquartier im Niger aufhalten wird. Bis zu seiner Rückreise im Frühjahr sind es allerdings noch über drei Monate, und so kann es durchaus sein, dass er in dieser Zeit weitere Ortswechsel unternehmen wird.

Melanie überwintert in Südwest-Mali

Melanie hält sich nun schon seit einem Monat im Flusstal des Niger im Südwesten Malis auf. Sie war dort am 17. November angekommen. Wenngleich der Wasserstand des Flusses während der Trockenzeit weit zurückgeht, führt der Niger an dieser Stelle ganzjährig Wasser und erlaubt in seiner Flussniederung permanente, zumindest extensive Landwirtschaft. Somit dürfte Melanie in ihrem derzeitigen Winterquartier genügend Nahrung vorfinden. Es wird deutlich, dass der Kern von Melanies Winterquartier lediglich einen Radius von etwa einem Kilometer aufweist. Nur wenige Male bewegte sie sich über diese Kernzone ihres Winterquartiers hinaus.

Melanies derzeitiges Winterquartier in Südwest-Mali. Quelle: Argos