Immer wieder Malta

Alle drei Turteltauben befinden sich zur Zeit noch südlich des Mittelmeers, das vor allem Francesco schon in den nächsten Tagen von Nordafrika aus nach Italien überqueren dürfte. Daher richtet sich unser Augenmerk wieder einmal auf die Situation in Malta, dem Inselstaat im zentralen Mittelmeer, der für die Jagd und Wilderei auf ziehende Vögel berüchtigt ist und als einziges EU-Land jährlich Ausnahmeregelungen für eine Jagd auf Zugvögel im Frühjahr durchsetzt.

Turteltaube als Jagdopfer zwischen acht Pirolen. Foto: NABU/Waheed Salama

Die maltesische Regierung wird sich wohl durchaus bewusst gewesen sein, dass eine legale Jagd auf die gefährdeten Turteltauben in diesem Frühjahr kaum zu rechtfertigen sein dürfte. Um die über 6000 schießfreudigen Jäger dennoch zufriedenstellen zu können, genehmigte der für die „Wild Bird Regulation Unit“ (WBRU) zuständige Minister Clint Camilleri, der selbst ein Jäger ist, eine dreiwöchige Frühjahrs-Saison auf Wachteln. Diese „Wachtelsaison“ bis Ende April wurde allerdings zeitlich so ausgedehnt, dass sie mit der Hauptdurchzugszeit der Turteltauben zusammenfällt – Wachteln ziehen hauptsächlich von März bis Anfang April über die maltesischen Inseln.

Darüber hinaus führt auch in Malta die Situation bezüglich der Covid-19 Pandemie dazu, dass alle Aktivitäten draußen für die Bevölkerung auf das Notwendigste reduziert sind. Laut maltesischer Regierung, die sich auch in der Vergangenheit immer die allergrößte Mühe gab, die Jägerschaft gegen Wählerstimmen um jeden Preis zu hofieren, scheint die Jagd absurderweise zu den notwendigen Aktivitäten zu gehören. Dazu kommt, dass auch die für die Einhaltung der Jagdbeschränkungen zuständige Polizeieinheit ALE derzeit mit Aufgaben, die die Covid-19-Eindämmung betreffen, stark ausgelastet ist. Notwendige Kontrollen der Jäger im Gelände werden daher gar nicht oder völlig unzureichend durchführt.

Das traurige und zurecht wütend machende Ergebnis ist, dass in diesem Frühjahr auf Malta unter dem Deckmantel einer Wachteljagd tausende Turteltauben auf dem Zug in ihre Brutgebiete illegal geschossen werden. Und auch für viele anderen, stark geschützten Zugvögel, wie Schwarzstörche, Triele, Rohrweihen und andere Greifvögel, sowie Pirole, Bienenfresser und viele mehr, endet die Reise frühzeitig auf Malta, ein unsinniges Massaker, dass in diesem Frühjahr so schlimm ausfällt, wie schon lange nicht mehr.

All diese Informationen erreichen uns von den tapferen und unermüdlichen Kollegen unserer Partnerorganisation BirdLife Malta, die die Situation im Land soweit wie möglich überwachen, quantifizieren und im eigenen Land und international nun schon seit Jahrzehnten anprangern. Wieder einmal haben sie auch ein offizielles Schreiben an die EU-Kommission versendet mit der dringenden Aufforderung endlich einzugreifen.

Wer sich die neuesten Pressemitteilungen von BirdLife Malta im englischen Original durchlesen möchte, kann das hier tun (allerdings wird auf verstörende Bilder, die angeschossene Vögel zeigen, hingewiesen):

https://birdlifemalta.org/2020/04/turtle-doves-are-the-main-target-during-spring-hunting-season/

https://birdlifemalta.org/2020/04/unabated-hunting-on-turtle-doves-especially-in-mizieb/

Aufgrund der Situation in Malta hoffen wir sehr, dass die besenderten Turteltauben die Insel auf ihrem Weg übers Mittelmeer in diesem Frühjahr möglichst vermeiden.

Wir hoffen außerdem, dass die Petition des NABU gegen die Jagd auf Turteltauben in der EU endlich dazu beiträgt, den Abschüssen ein Ende zu machen.

Ben Metzger

Ben Metzger

Dr. Ben Metzger ist freischaffender Biologe mit dem Schwerpunkt Ornithologie. Er verfügt über langjährige Berufserfahrung in den Bereichen Naturschutz, Vogelzugforschung, Bestandsmonitoring und Vogelzoonosen. Die letzten fünf Jahre war er bei BirdLife Malta als wissenschaftlicher Leiter und Projektmanager angestellt. Seine Arbeitsschwerpunkte dort waren die Inventarisierung und Ausweisung von Meeresnaturschutzgebieten (mIBAs, MPAs), sowie der angewandte Artenschutz von See- und Zugvögeln im zentralen Mittelmeer.

Der legale und illegale Abschuss von Zugvögeln wie der Europäischen Turteltaube ist auf Malta ein andauerndes Problem.
Ben hat Erfahrung mit GPS- und GLS-Tracking, Radiotelemetrie und Satellitenbesenderung. Seine beruflichen Tätigkeiten der letzten Zeit beinhalten außerdem das Monitoring arktischer Seevogelkolonien in Spitzbergen sowie die Mitarbeit an einem Dokumentarfilmprojekt zum Thema Meeresnaturschutz und Habitatsvernetzung in Baha Kalifornien, Mexiko. Er hat ehrenamtlich für zahlreiche Naturschutzorganisationen und Beringungsprojekte im In- und Ausland gearbeitet. Ben lebt zur Zeit in Lissabon, Portugal.
Ben Metzger

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