Endstation Wüste für Jenny und Luciano

Verendete Turteltaube, Foto: BirdLife Malta

Jennys Satellitensender hat nun schon einen Monat lang keine weiteren Signale mehr geliefert. Wie bereits in Jennys letztem Beitrag berichtet, war die Spannung der solarbetriebenen Batterie ihres Senders bis zum letzten Signal am 20. Oktober schrittweise abgefallen. Daher können wir nun davon ausgehen, dass der Sender entweder aufgrund eines technischen Defekts ausgefallen ist, oder Jenny in ihrem Rastgebiet im Osten Malis kurz nach ihrer Sahara-Überquerung umgekommen sein muss.

Die Wüstengegend im Schutzgebiet Aïr und Ténéré im Norden des Niger ist bestimmt kein geeignetes Überwinterungsgebiet für Turteltauben. Auch wenn Lucianos Sender uns weiterhin Signale stationär von dort seit Ende September liefert, sind wir nun sicher, dass Luciano dort auf dem Herbstzug umgekommen sein muss. Somit können wir wohl in Kürze die Übertragung von Lucianos Senderortungen abstellen.

Was zum Verlust der beiden besenderten Turteltauben diesen Herbst geführt hat, lässt sich wohl nicht definitiv sagen. Dass sie der Jagd zum Opfer gefallen sind, ist wohl eher unwahrscheinlich, da die Gegenden, aus denen wir die letzten Signale erhalten haben, weitgehend menschenleer sind. Wahrscheinlicher ist es, dass die Vögel bei bzw. kurz nach der Überquerung der größten Wüste der Welt an Erschöpfung zugrunde gegangen oder verdurstet sind. Durch die Ausweitung der Sahara nicht zuletzt aufgrund der globalen, vom Menschen verursachten Klimaveränderung fällt es Vögeln einer ganzen Reihe ziehender Arten zunehmend schwerer, diese so genannte ökologische Barriere auf dem Zug zu überwinden. Dadurch könnten mehr und mehr Individuen wortwörtlich auf der Strecke bleiben. Allerdings könnten die Tauben auch von Beutegreifern wie Wüstenuhus oder Wüstenfalken erlegt worden sein.

Für uns wäre es sehr interessant, die letzten gesendeten Aufenthaltsorte von Jenny und Luciano aufzusuchen und sich aus erster Hand ein Bild von den Gegenden dort zu machen. Eine Reise in diese Region im Osten Malis bzw. in die Wüste des Nigers wäre aber sehr aufwendig, da es dort weder Straßen noch Pisten zu geben scheint. Zudem warnt z.B. das Auswärtige Amt der Bundesregierung derzeit aufgrund erhöhter Sicherheitsrisiken explizit vor Reisen in diese Regionen. Darüber hinaus würde es ziemlich schwierig sein Jennys und Lucianos sterblichen Überreste oder gar deren Sender zu finden, da selbst die höchste Argos-Genauigkeit einen Fehler von 150 Metern in der Ortsbestimmung beinhaltet, meist jedoch sogar einen noch größere Abweichung aufweist. Damit müsste man schon ein ziemlich großes Gebiet systematisch nach den kleinen Sendern absuchen. Allerdings werden wir die Daten der letzten Ortungen in jedem Fall an unsere Kontakte in Westafrika weiterleiten und vielleicht ergibt sich ja eine Möglichkeit in der Zukunft doch noch mehr über die Schicksale von Jenny und Luciano zu erfahren.

Ben Metzger

Ben Metzger

Dr. Ben Metzger ist freischaffender Biologe mit dem Schwerpunkt Ornithologie. Er verfügt über langjährige Berufserfahrung in den Bereichen Naturschutz, Vogelzugforschung, Bestandsmonitoring und Vogelzoonosen. Die letzten fünf Jahre war er bei BirdLife Malta als wissenschaftlicher Leiter und Projektmanager angestellt. Seine Arbeitsschwerpunkte dort waren die Inventarisierung und Ausweisung von Meeresnaturschutzgebieten (mIBAs, MPAs), sowie der angewandte Artenschutz von See- und Zugvögeln im zentralen Mittelmeer.

Der legale und illegale Abschuss von Zugvögeln wie der Europäischen Turteltaube ist auf Malta ein andauerndes Problem.
Ben hat Erfahrung mit GPS- und GLS-Tracking, Radiotelemetrie und Satellitenbesenderung. Seine beruflichen Tätigkeiten der letzten Zeit beinhalten außerdem das Monitoring arktischer Seevogelkolonien in Spitzbergen sowie die Mitarbeit an einem Dokumentarfilmprojekt zum Thema Meeresnaturschutz und Habitatsvernetzung in Baha Kalifornien, Mexiko. Er hat ehrenamtlich für zahlreiche Naturschutzorganisationen und Beringungsprojekte im In- und Ausland gearbeitet. Ben lebt zur Zeit in Lissabon, Portugal.
Ben Metzger

3 Kommentare

Laszig, Reinhard

21.11.2019, 21:26

Schade, dass schon wieder der "Klimawandel" für alles herhalten muss! Es gäbe tausend andere Gründe,warum ein Sender verstummt.

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Laszig,Reinhard

21.11.2019, 21:27

Habe nur 1x geschrieben!

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Eric Neuling

Eric Neuling

26.11.2019, 10:55

Lieber Herr Reinhard, der Klimawandel an sich ist nicht Schuld am Tod der einzelnen Turteltaube. Er bewirkt jedoch Veränderungen in der Niederschlagsverteilung, bei Wettereignissen und der Landnutzung der Bevölkerung im Sahel. Diese Veränderungen können bewirken, dass die Turteltauben und auch andere Zugvögel zu geschwächt oder mit Nahrung oder Wasser unterversorgt ihre Winterquartiere nicht erreichen. Mögliche technische Gründe werden auch nicht ausgeschlossen und im Beitrag genannt.

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