Melanies Winterortswechsel im Senegal

Wie bereits früher an dieser Stelle berichtet hatte Melanie die Westzugroute in den Senegal genommen. Auf dieser Route ziehen auch britische und die meisten der französischen Turteltauben, wie unsere Kollegen von der Royal Society for the Protection of Birds (RSPB, BirdLife Großbritannien) und vom Office National de la Chasse et de la Faune Sauvage (ONCFS, dem französischen Institut für Jagd und Wildtierforschung) ebenfalls mit Hilfe von satelliten-besenderten Turteltauben herausgefunden haben. Deren Zugrouten, Brutgebiete und Winterquartiere kann man in folgenden Links einsehen:

https://www.rspb.org.uk/our-work/conservation/satellite-tracking-birds/tracking-turtle-doves/

http://turtledoveresearch.com/fr/

Die französischen und britischen Turteltauben überwintern in der gleichen Region in Westafrika wie Melanie und es könnte durchaus sein, dass sich dort Tauben aus unterschiedlichen Brutgebieten in West- und Mitteleuropa zu losen Überwinterungstrupps zusammenfinden.

Am Senegalfluss hatte sich Melanie etwa einen Monat lang aufgehalten, ihrem ersten Winterquartier in diesem Jahr. Zwischen dem vierten und achten November flog sie dann weitere 250 km in südöstlicher Richtung und erreichte dort vor ein paar Tagen das Wildtier-Reservat Ferlo-Süd (Réserve de Faune du Ferlo-Sud), ein über 6300km² großes Schutzgebiet in der westafrikanischen Dornbusch-Savanne. Hier könnte schon Melanies nächster Überwinterungsort liegen. Er befindet sich etwa einen Kilometer nördlich der kleinen Ortschaft Mboun an einem Fluss, der vermutlich nur zur Regenzeit Wasser führt.

Es zeichnet sich ab, dass mehrere Ortswechsel zwischen relativ kleinen Winterquartieren für Turteltauben, die in Westafrika überwintern, eine wichtige Strategie darstellen. Denn schon andere unserer besenderten Individuen, wie z.B. Francesco, hatten ihre Aufenthaltsorte im Winter mehrere Male gewechselt. Diese Strategie der Winterortswechsel könnte den Tauben helfen, lokale Nahrungsquellen in geeigneten Habitaten mit Rastbäumen und Wasserstellen in der fortschreitenden Trockenperiode in Westafrika optimal auszunutzen.

In den kommenden Wochen und Monaten werden wir hoffentlich sehen können, wie viele dieser Winterortswechsel Melanie und die anderen Tauben durchführen werden.

Melanies bisherige Winterortswechsel im Senegal. Satellitenbild: Google Earth.

Ben Metzger

Ben Metzger

Dr. Ben Metzger ist freischaffender Biologe mit dem Schwerpunkt Ornithologie. Er verfügt über langjährige Berufserfahrung in den Bereichen Naturschutz, Vogelzugforschung, Bestandsmonitoring und Vogelzoonosen. Die letzten fünf Jahre war er bei BirdLife Malta als wissenschaftlicher Leiter und Projektmanager angestellt. Seine Arbeitsschwerpunkte dort waren die Inventarisierung und Ausweisung von Meeresnaturschutzgebieten (mIBAs, MPAs), sowie der angewandte Artenschutz von See- und Zugvögeln im zentralen Mittelmeer.

Der legale und illegale Abschuss von Zugvögeln wie der Europäischen Turteltaube ist auf Malta ein andauerndes Problem.
Ben hat Erfahrung mit GPS- und GLS-Tracking, Radiotelemetrie und Satellitenbesenderung. Seine beruflichen Tätigkeiten der letzten Zeit beinhalten außerdem das Monitoring arktischer Seevogelkolonien in Spitzbergen sowie die Mitarbeit an einem Dokumentarfilmprojekt zum Thema Meeresnaturschutz und Habitatsvernetzung in Baha Kalifornien, Mexiko. Er hat ehrenamtlich für zahlreiche Naturschutzorganisationen und Beringungsprojekte im In- und Ausland gearbeitet. Ben lebt zur Zeit in Lissabon, Portugal.
Ben Metzger

1 Kommentar

Elke Brüser

02.12.2019, 10:03

Das ist ein wunderbarer, sehr informativer Blog über das Leben der Turteltaube.Danke! In der Millionenstadt Berlin sehe ich vor allem Stadttauben, aber es gibt auch eine Menge wunderschöner Ringeltauben, die hier - aus dem Norden kommend - überwintern. Bisher hatte ich nicht die Freude, einer Turteltaube zu begegenen - aber das wird sich nächstes Jahr ändern. Immerhin stieß ich in Namibia auf die Kapturteltaube.

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