Imagine … eine andere Agrarpolitik!

Imagine … eine andere Agrarpolitik!

Immer mehr Organisationen unterstützen die Vision von LivingLand

Am 2. Februar hat EU-Agrarkommissar Phil Hogan eine öffentliche Konsultation zur Zukunft der EU-Agrarpolitik gestartet. Über einen ausführlichen, sehr technischen Fragebogen können sich Bürgerinnen und Bürger, sowie Organisationen aller Art beteiligen. Der NABU hat mit seinen europäischen Partnerorganisationen eine kommentierte Antwortempfehlung entwickelt. Wir hoffen, dass sich bis zum 2. Mai möglichst viele die Zeit nehmen, um die Fragen des Kommissars zu beantworten!

Doch gleichzeitig passiert noch etwas ganz anderes. Etwas, dass der Kommissar vielleicht nicht unbedingt erwartet hat. Die Agrardebatte verlässt die stickigen Räume, in denen jahrzehntelang zwischen Agrarministern und lobbygesteuerten Abgeordneten besprochen wurde, wie man die Subventionsmilliarden am besten aufteilt. Die Agrardebatte ist an der frischen Luft angekommen – und dort trifft sie auf die belebende Vision von „LivingLand“.

Wir brauchen eine offene Debatte darüber, was wir als Gesellschaft künftig für unsere Landwirtschaft, unsere Ernährung, unsere ländlichen Räume und unsere Umwelt tun wollen. Wieviele Steuergelder wir in welche Art von Förderung stecken wollen. Was die gesetzlichen Mindestanforderungen für Landnutzer sind und für welche Extraleistungen ein Landwirt angemessen honoriert werden soll. Wie wir uns eigentlich die Landwirtschaft der Zukunft vorstellen. Was der Staat tun kann und soll, damit wir uns besser ernähren, bessere Luft atmen, gutes Trinkwasser haben und unseren Kindern möglichst wenige Treibhausgase, aber möglichst viele Tier- und Pflanzenarten hinterlassen? Oder was davon dem Verbraucher und Unternehmer selbst überlassen werden soll? Wieviel ist uns Tierschutz wert? Wollen wir dafür lieber Steuergelder ausgeben oder über den Preis unserer Produkte bezahlen? All diese Fragen können nicht länger ignoriert werden.

 

EU-Agrarkommissar Phil Hogan. – Foto: European Union 2017

Stellt Euch vor, der Agrarkommissar hört allen gut zu…

…und schlägt dann eine ganz neue Landwirtschafts- und Ernährungspolitik vor. Ein Vorschlag, der anschließend von allen relevanten Ministerräten und Parlamentsausschüssen, von Experten aller Disziplinen und Interessensvertretern verschiedenster Bereiche diskutiert wird. Also nicht nur vom Agrarministerrat und dem entsprechenden Ausschuss des Europäischen Parlaments, sondern auch von den Umwelt- und Gesundheitsministern, den Fachleuten für Ernährung, Raumplanung und Tourismus, von den Naturschutz- und Landwirtschaftsverbänden, von Tierschützern und Jägern, Krankenkassen und Wasserwerken. Und der natürlich schließlich von den Regierungen der Mitgliedsstaaten und dem Europäischen Parlament demokratisch verhandelt und beschlossen wird.

 

Foto: Natalie Meyer

Und stellt Euch vor, wir hätten am Ende eine Politik, die fair ist.

Und zwar zu Steuerzahlern, Landwirten, Verbrauchern und künftigen Generationen gleichermaßen. Das heißt eine, die Landwirten hilft, auf eine nachhaltige Produktion umzusteigen und dafür dauerhaft gute Preise zu erzielen. Dann werden nicht mehr auf Staatskosten Umweltschäden produziert, für die die Allgemeinheit heute und in Zukunft teuer bezahlen muss.

 

Klatschmohn – Foto: Klemens Karkow

Stellt Euch vor, wir hätten eine Politik, die ökologisch nachhaltig ist.

Das heißt eine, die mit attraktiver Förderung Landwirten und Waldbesitzern hilft, das Netz unseres Lebens, die Biodiversität, wieder herzustellen anstatt sie zu zwingen es weiter zu zerstören. Eine Politik, die aber auch das Grundwasser, Boden und Artenvielfalt mit gesetzlichen Vorgaben schützt, damit wir dort auch künftig gute Lebensmittel produzieren können.

 

Foto: LivingLand

Stellt Euch vor, diese Politik wäre gesund.

Gesund im Sinne von guter Ernährung für alle, aber auch im Sinne einer Produktion, die gesund für unseren Planeten ist. Eine Politik, die nicht die Verwendung von mehr und mehr Pestiziden belohnt, sondern den Verzicht auf diese. Eine, die nicht durch Überdüngung dazu führt, dass wir immer aufwändiger das Grundwasser säubern müssen.

 

Tropischer Regenwald in Indonesien. – Foto: Vogelbescherming/Barend van Gemerden

Und stellt Euch vor, diese Politik wäre global verantwortungsvoll.

Wir würden nicht mehr arme Länder mit billigen Lebensmitteln überschwemmen, unser Geflügel würde nicht mehr mit Soja von gerodeten Regenwaldflächen gefüttert und unsere Agrarindustrie trüge nicht mehr zum Klimawandel bei, der zu Not und Flucht in vielen Teilen der Welt führt. Stattdessen wäre die EU ein Vorreiter für eine qualitativ hochwertige Nahrungsmittelproduktion. Handel wäre fair, und der Export würde nicht länger als Allheilmittel für die heimischen Betriebe propagiert.

 

Das ist die Vision von LivingLand.

Immer mehr Unternehmen, Verbände und Einzelpersonen schließen sich an. Bis zum 2. Mai besteht die Chance, unserem Agrarkommissar Phil Hogan zu sagen: wir wollen eine andere, eine ganz andere Politik. Wir erwarten, dass er im Novemberambitionierte Vorschläge vorlegt, die den Namen einer echten Reform verdienen. Laden Sie jetzt auf www.living-land.de das Logo Ihres Vereins, Ihres Unternehmens, Ihres Interessensverbands, Ihres Instituts oder Ihrer Einrichtung hoch.

Und sehen Sie hier, wer schon alles dabei ist: www.living-land.org/ourvision.

 

 

Konstantin Kreiser

Konstantin Kreiser

Leiter Globale und EU-Naturschutzpolitik im NABU

2 Kommentare

Maria Brunheim

23.03.2017, 21:19

Bravo, prima Visionen! Fangen wir alle, JEDER UND JEDE bereits heute damit an, im eigenen Alltag in vielen Bereichen (Nahrung, Kleidung, Körperpflege, Wäsche und Haushaltsreinigung, Medikamente, Haushaltstextilien, torffreie Blumenerde ohne chemisch hergestellten Dünger, Getränke, Schuhe...) nur noch Produkte aus ökologischer Produktion, aus fairem Handel und sozial gerechter Herstellung zu kaufen und zu verwenden! Dann trägt JEDER von uns endlich aktiv dazu bei, dass diese naturzerstörende Landwirtschaft nicht mehr nötig ist!!! Solange wir gedankenlos deren Produkte kaufen, weil sie billiger sind als Bio, oder Billigshirts aus Pestizidanbau bevorzugen anstatt Bekleidung aus ökologischer Herstellung, solange wir Körperpflege und Medikamente kaufen, die von der chemischen Industrie hergestellt werden, ist JEDER von uns zuständig und verantwortlich für die Zerstörung der Natur, die wir beklagen! Hören wir auf zu denken, wir hätten als VerbraucherInnen keine Macht! Wir sind Könige als KundInnen und stehen in der Verantwortung, ökologisch zu denken und zu handeln, hier und heute und jetzt und jeden Tag!

Antworten

Herbert Mayer

29.03.2017, 10:30

Es ist manchmal ein Jammer, wie weit die 'Entscheidungsträger' von der Realität entfernt sind. Das ist ein Jammer!

Antworten

Hinterlasse einen Kommentar

Bitte bleibe höflich.
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht und Pflichtfelder sind markiert.