Raubbau an der Natur: Vjosa-Narta muss erhalten bleiben!
Im Vjosa-Narta Schutzgebiet – einem wunderschönen und ökologisch wertvollen Flussdelta in Albanien – werden momentan ohne Genehmigung ein Flughafen und Luxusresorts gebaut. Das ist zwar illegal, aber die Unternehmer, unter ihnen Jared Kushner, haben die Unterstützung der albanischen Regierung.
Der Vjosa in Albanien ist der letzte große Wildfluss in Europa außerhalb Russlands. Gemeinsam mit seinen Nebenflüssen fließt er frei über die gesamte Strecke von der Quelle in den Bergen Griechenlands bis zur Mündung in die albanische Adria. Das Feuchtgebiet Vjosa-Narta an der Küste ist ein entscheidender Rastplatz für Zugvögel auf ihrem Weg zwischen Europa und Afrika und zählt zu den bedeutendsten Feuchtgebieten der gesamten Adria-Zugroute. Dieses Schutzgebiet beherbergt über 70 gefährdete Arten, 200 Vogelarten sowie bemerkenswerte Lebewesen wie die Unechte Karettschildkröte, die Mönchsrobbe und den Albanischen Wasserfrosch.
Zerstörung noch schnell vor dem EU-Beitritt
Genau in diesem wertvollen Schutzgebiet wird bereits seit ein paar Jahren ein Flughafen gebaut. Mit dem Wissen und der Billigung der Regierung zerstören hier Investoren wie das schweizer Unternehmen Mabco Constructions (und in den unten aufgezeigten Fällen der Luxusresorts sogar Donald Trumps Schwiergersohn Jared Kushner) wunderschöne Natur.
In ihren Beitrittsverhandlungen mit Albanien hat die EU die Projekte wiederholt vehement kritisiert. Mit dem Abschluss des Verhandlungs-Clusters Umwelt im Jahr 2027 ist das Land auch verpflichtet, zwei Gesetze zu ändern, die genau solche Praktiken ermöglichen. Die wiederholte Kritik der EU an den Bauprojekten hat bislang aber lediglich dazu geführt, dass die Bauarbeiten noch schneller vorangetrieben wurden.
Um das Projekt so schnell wie möglich abzuschließen, hat die albanische Regierung mehrere vorgeschriebene Verfahren umgangen, darunter die Einholung einer gültigen Baugenehmigung. So wurde die Baugenehmigung für den Flughafen erst im Jahr 2023 erteilt, also 15 Monate nach Beginn der Bauarbeiten. Die Genehmigung lief außerdem im Februar dieses Jahres aus und die Arbeiten gehen trotzdem weiter. Ein Jahr nach Baubeginn hat die Regierung zudem das Flughafengelände aus dem Landschaftsschutzgebiet Vjosa-Narta herausgenommen, wodurch mitten im Schutzgebiet eine räumliche Lücke entstanden ist.

Blick auf das Vjosa-Narta Delta. Im unteren Rechteck sind Bagger zu sehen, die gerade ihre Arbeit beginnen. Im oberen Rechteck ist der Flughafen zu sehen, der noch gebaut wird. Foto: Herrmann/NABU.
Neue Phase der Zerstörung auf der Halbinsel Zvërnec
Während der Bau des Flughafens bereits seit Jahren in das Schutzgebiet eingreift und wertvolle Natur zerstört, beginnt nun eine zweite Phase: Luxusresorts – finanziert unter anderem von Jared Kushner – sollen nun auf der Halbinsel Zvërnec gebaut werden.

Eine Bucht der Halbinsel Zvërnec, auf der gerade der Bau von Luxusresorts beginnt. Foto: Weyland/NABU.
Während einer Exkursion am 06. Mai sahen wir zusammen mit weiteren BirdLife-Partnern, dass die Vorbereitungen inzwischen unter Hochdruck laufen. Natürlich wieder ohne Genehmigung. Umso wichtiger ist es, jetzt Druck auf die Regierung auszuüben.

Bohrungen in Vorbereitung auf den Bau von Luxusresorts auf der Halbinsel Zvërnec. Foto: Weyland/NABU
Dies könnte leider den Anfang vom Ende der Schutzgebiete in Albanien markieren, einem Land, das sich in beispiellosem Tempo rasant entwickelt hat – leider jedoch nicht in die richtige Richtung für die Natur. Ironischerweise preist die albanische Regierung das Projekt als Mittel zur Förderung des Tourismus im Süden des Landes an – ohne zu erkennen, dass Albaniens atemberaubend schöne Natur selbst eine der wichtigsten Touristenattraktionen ist. Sie zugunsten des Tourismus zu zerstören, ergibt schlicht keinen Sinn.
PPNEA – die albanische BirdLife Partnerorganisation – kämpft seit Jahren unermüdlich für den Erhalt des Vjosa-Narta Schutzgebiets. Die NGO hat die ganze Problematik ausführlich aufbereitet und auf ihrer Website veröffentlicht: SAVE VJOSA – NARTA – PPNEA. Jetzt braucht PPNEA und Vjosa-Narta internationale Unterstützung: Lasst uns gemeinsam für den Erhalt des Vjosa-Narta Deltas unsere Stimme erheben!
Von Annalena Herrmann, Referentin für EU-Naturschutzpolitik

9 Kommentare
Jörg
07.05.2026, 16:27Gibt es eine Petition? Oder wie kann man sich engagieren, um diesen kranken Wahnsinn aufzuhalten?
AntwortenAnnalena Herrmann
08.05.2026, 16:42Es wird bald eine Petition geben, die ich dann hier teilen werde. Ansonsten kann man sowohl der deutschen Botschaft in Albanien oder der albanischen Botschaft in Deutschland schreiben! Vielen Dank für Ihr Engagement.
AntwortenKathrin Weber
07.05.2026, 19:13Wie kann man als einfache/r Bürger/in unterstützen? Gibt es eine Petition o.ä.? EU-Abgeordnete anschreiben wird ja nichts bringen, wenn Albanien noch nicht beigetreten ist... .
AntwortenAnnalena Herrmann
08.05.2026, 16:43Es wird bald eine Petition geben, die ich dann hier teilen werde. Ansonsten kann man sowohl der deutschen Botschaft in Albanien oder der albanischen Botschaft in Deutschland schreiben! Vielen Dank für Ihr Engagement.
AntwortenThomas Wolf
07.05.2026, 22:40Unfassbar was großen Investoren einfach möglich ist! Gibt es denn nicht Menschen und eine Bewegung, die diese Eingriffe und Zerstörung der Natur aufhalten können in diesem kleinen Staat!? Ja Geld regiert die Weilt!
AntwortenAnnalena Herrmann
08.05.2026, 16:44PPNEA arbeitet hart vor Ort aber auch internationaler Druck ist wichtig. Es wird bald eine Petition geben, die ich dann hier teilen werde. Ansonsten kann man sowohl der deutschen Botschaft in Albanien oder der albanischen Botschaft in Deutschland schreiben.
AntwortenMarion Boeck
08.05.2026, 00:34Mit Geld, Gier und Macht ist alles möglich. Das Böse, das wir tun, kommt zu uns zurück. Leider mahlen Gottes Mühlen sehr langsam.
AntwortenDaniela Schöneburg
17.05.2026, 08:54Sehr geehrte Frau Herrmann, es wird im Artikel beschrieben, wie gültige Gesetze umgangen werden. Naheliegend wäre doch eine entsprechende Klage. Leider steht davon nichts im Artikel. Passierte denn auf der rechtlichen Ebene nichts? Danke und viele Grüße!
AntwortenAnnalena Herrmann
18.05.2026, 15:13PPNEA versucht diesen Weg zu gehen und hat bereits Klagen eingereicht. Diese wurden bisher zurückgewiesen oder brauchen sehr lange in der Bearbeitung. Sie hoffen aber natürlich, dass ihr Anliegen bald vor Gericht Gehör findet.
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