#NeueAgrarpolitik

#NeueAgrarpolitik

Zum heutigen Treffen der Agrarminister der EU hat eine breite Allianz von französischen und deutschen Verbänden aus den Bereichen Landwirtschaft, Entwicklung und Umwelt eine gemeinsame Erklärung der Reform der EU-Agrarpolitik (GAP) ab 2021 veröffentlicht. In deutscher Sprache findet sich die Erklärung hier  zum Download.

Im Mai wird die EU-Kommission ihre Vorschläge für die künftige Ausgestaltung der Milliardensubventionen vorlegen, im Anschluss wird die deutsche Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner mit ihren Ministerkollegen und dem Europäischen Parlament monatelang darüber verhandeln. Das Ergebnis wird die Landwirtschaft bis zum Ende des nächsten Jahrzehnts prägen – und damit bestimmen, ob Artenvielfalt und Umweltschutz, ob nachhaltig wirtschaftende Bauernhöfe und der ländliche Raum an sich noch eine Chance haben. Wenn sich am Fördersystem nichts grundlegend ändert, werden Insektensterben, Landschaftszerstörung, Überdüngung und Gifteinsatz ungebremst weitergehen. Derzeit zwingt die GAP viele Landwirte geradezu in diese Richtung – naturschonender Anbau lohnt sich nicht.

Die heute veröffentlichte Erklärung entspricht auch den  Kernforderungen des NABU, die wir schon wiederholt an die Bundesregierung und die verantwortliche Ministerin Julia Klöckner herangetragen haben. Wir hoffen, sie hält sich auch an den Koalitionsvertrag, der nicht nur eine Neujustierung der Agrarpolitik, sondern auch eine wesentlich verbesserte Naturschutzfinanzierung in Aussicht gestellt hat. Die Bundesregierung muss sich laut Vertrag für einen EU-Naturschutzfonds einsetzen, als Kernelement der neuen Agrarpolitik. Mindestens 15 Milliarden Euro müssen hierfür jährlich vor allem an Landwirte ausgezahlt werden, die auf ihren Höfen Maßnahmen für die Artenvielfalt durchführen. Das pauschale Verteilen von Steuer-Milliarden  pro Fläche muss dagegen ein Ende haben.

2 Kommentare

Ingrid Leutbecher

21.04.2018, 11:25

Es wird höchste Zeit, dass eine Geldverteilung innerhalb der EU-Agrarwirtschaft nach dem Gießkannenprinzip ein Ende hat. Es ist bereits 5 nach 12 und zu hoffen, dass diese Erklärungen nicht nur Lippenbekenntnisse sind und zügig umgesetzt werden. Andernfalls wird uns die Angelegenheit in naher Zukunft auf die Füße fallen. Es ist bereits heute erschreckend, wenn man über Land durch Deutschland fährt, wie wenig Leben auf den Feldern zu sehen ist. Die Monokulturen zerstören das Gleichgewicht in der Natur. Ich möchte nicht mehr erleben, dass wir z.B. wie die Chinesen unsere Obstbäume selbst bestäuben müssen, weil keine Bienen mehr da sind. Damit sich schnell etwas ändert dazu kann jeder Garten- und Balkonbesitzer beitragen, in dem Bienen und insektenfreundliche Pflanzen angebaut werden und auf den Rasenflächen Büsche und Wiesenblumen blühen dürfen. Packen wir es an !!!!

Antworten

Ralf

01.05.2018, 12:39

Es ist doch offensichtlich, was falsch läuft, warum es keine Insekten mehr gibt, das Grund/Trinkwasser verseucht ist, die Menschen in Krankenhäusern an antibiotikaresistenten Keimen sterben und sogar die Bauern aussterben. Ich lebe auf dem Land und habe in meiner Jugend sehr sehr viel Zeit auf den Bauernhöfen des Dorfes verbracht. Trecker fahren war das Größte! Unser Dorf hatte ca 300 Einwohner und hatte vor 30 Jahren 15 Milchviehbetriebe in Vollerwerb. Im Schnitt hatte ein Betrieb 40 Kühe auf 40 Hektar Land. Davon konnte man gut leben. Es gab keine Boxenlaufställe, keine Spaltenböden, daher auch nur Festmist statt Gülle. Die Kühe standen meist mit Rindern und Kälbern unter Dach im Haupthaus. Klar, auch nicht tierfreundlich, den ganzen Winter angebunden. Aber dafür haben die Tiere auch das übrige Jahr von April bis Oktober immer draußen verbracht. Der Bauer kannte jede seiner Kühe und ihre Marotten, die meisten hatten Namen. Kühe, die 10 Jahre und älter waren, waren keine Seltenheit. Heute gehen die Kühe schon nach 2-3 Jahren zum Schlachter, weil sie die irren Milchleistungen nicht mehr erreichen. Der Mist wurde im Winter auf die Felder gefahren. Gefrorene Böden waren kein Problem. Gülle dagegen fließt darauf sofort ab in die Gräben. Die Wiesen wurden mit kleinen Maschinen befahren. Allradtrecker waren Exoten! Es begann die Zeit der Silage, was größere Trecker erforderte. Lohnarbeit war in den Anfängen. Meist halfen sich die Bauern noch gegenseitig, vieles war Handarbeit. Es gab nur einen Schnitt im Jahr, mit viel Glück und gutem Wetter im August noch einen zweiten. Bis zum Horizont standen Schwarzbunte auf den Wiesen! Jede Kuh stand in einer Wolke von Fliegen, Pferdebremsen, Mücken... Einmal die Woche wurde die Hauptstraße gesperrt und das ganze Dorf zum Viehumtrieb eingespannt. Danach gabs ein gemeinsames Bier. Es war ein entspanntes buntes Dorfleben. Heute gibt es im gleichen Dorf noch sage und schreibe ZWEI Milchviehbetriebe, die über die Hälfte der Flächen nutzen. Beide Betriebe haben ca. 300 Kühe in riesigen Laufställen, einer eine Biogasanlage. Betriebe mit 1000 Kühen sind heute keine Seltenheit. Der Rest der Flächen ist Mais, den es vor 30 Jahren überhaupt nicht gab. Die Marschböden waren wie gemacht für Viehhaltung. Kühe auf den Wiesen sind jetzt die Exoten. Ab und zu dürfen sie mal ein paar Stunden raus, damit man die Milch als "Weidemilch" vermarkten kann. Dann fressen sie wie von Sinnen, weil die Züchtung mittlerweile eine horrende Milchleistung bewirkt. Gülle wird mit riesigen Ungetümen auf die Felder gefahren, die die alten Wege kaputt fahren. Die Maschinen der Lohnunternehmer sind rund um die Uhr im Einsatz. Pervers stinkende Schweine- und Hühnergülle wird mit Lkws aus großer Entfernung herangefahren, in Tanks zwischengelagert und dann per riesigem Trecker und Güllefass auf die Felder geschwemmt. Diese Brühe tötet jegliches tierisches Leben und wahrscheinlich auch den Menschen. Das Grasland wird so intensiv bewirtschaftet, daß ein vierter Schnitt die Regel ist. Mähwerke von 13 Meter Breite erledigen das schnell und geräuschvoll. Keine Chance, für "Unkraut" oder Insekten, sich in so kurzer Zeit auf durch schwere Maschinen verdichteten Böden anzusiedeln. Erstaunlicherweise haben die Riesenbetriebe von heute größere Existenzsorgen als die kleinen früher. Ein paar Cent Einbuße beim Milchpreis und schon lassen sich die Kredite für die Millionen-Investitionen nicht mehr bedienen. Die heutige Landwirtschaft ist völlig degeneriert. Und das kostet nicht nur die Insekten die Existenz sondern auch die Landwirte. Und ich weiß genau, daß die Bauern der Zeit von vor 30 Jahren nachtrauern. Ich auch, denn ich seh wie Land und Leute vor die Hunde gehen. Die letzte Dorfkneipe hat geschlossen, der Bäcker ist dicht. Wir müssen dringend umdenken. Nicht nur im Interesse der Insekten...!!

Antworten

Hinterlasse einen Kommentar

Bitte bleibe höflich.
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht und Pflichtfelder sind markiert.