Frühlingsjagd in Malta – der Kommissar ist gefragt

Der Europaabgeordnete Stefan Eck hat mit seiner niederländischen Kollegin Anja Hazekamp (beide gehören zur Fraktion Europäische Linke) Mitte April zum Beginn der Zugvogeljagd auf Malta eine wichtige Anfrage an die EU-Kommission gestellt. Er will wissen, weshalb die Vogeljäger auf Malta immer noch Tausende von bedrohten Vögeln, insbesondere Wachteln und Turteltauben, auf ihrem Frühjahrszug in die Brutgebiete abschießen dürfen.

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Geschossene Turteltaube (Foto: BirdLife Malta)

Malta besteht seit Jahren auf einer Ausnahmeregelung der EU-Vogelschutzrichtlinie, die eigentlich die Jagd auf Zugvögel im Frühjahr verbietet. Erst kürzlich haben die Jäger ein nationales Referendum dazu äußerst knapp für sich entschieden. Nach Ansicht des NABU, von BirdLife Malta und vieler anderer Umweltverbände verstößt die Frühjahrssaison jedoch gegen die strengen Bedingungen für solche Ausnahmen. Gerade die Population der Turteltaube ist massiv im Rückgang begriffen (wie heute auch der britische Guardian meldete), es werden zuviele Tiere zum Abschuss freigegeben und vor allem gelingt es den Behörden offensichtlich nicht zu verhindern, dass gleichzeitig illegal eine große Zahl anderer, auch in Malta streng geschützter, Vögel geschossen werden. Daher müsste der maltesische (!) EU-Umweltkommissar Karmenu Vella eigentlich zügig dagegen vorgehen – seine Antwort auf die Frage der MdEPs dürfte daher interessant werden, wir werden berichten.

Auch wenn der EU-Beitritt vieler süd- und osteuropäischer Länder dank EU-Vogelschutzrichtlinie zu großen Verbesserungen im deren Jagdrecht geführt hat: Das Problem der illegalen Tötung von Vögeln sowie der von Regierungen missbrauchten Ausnahmen ist noch lange nicht vom Tisch. Das zeigen auch die aktuellen Pläne der rumänischen Regierung, die ebenfalls die Vogeljagd im Frühjahr zuzulassen will, unter anderem auf die ebenfalls stark rückläufige Feldlerche, obwohl sich alle Mitgliedstaaten mit der Vogelschutzrichtlinie verpflichtet haben, genau das nicht zu tun: bei ihrem Rückzug in die Brutgebiete sollen Zugvögel nicht mehr bejagt werden!

Bestand der Turteltaube in Europa 1980-2012 (EBCC/RSPB/BirdLife/Statistic Netherlands)

Bestand der Turteltaube in Europa 1980-2012 (EBCC/RSPB/BirdLife/Statistic Netherlands)

Bestandsentwicklung der Feldlerche in Europa 1980-2012 (EBCC/RSPB/BirdLife/Statistic Netherlands)

Bestand der Feldlerche in Europa 1980-2012 (EBCC/RSPB/BirdLife/Statistic Netherlands)

Der bessere, grenzüberschreitende Schutz unserer Zugvögel als gemeinsamer Naturschatz aller EU-Bürgerinnen und Bürger war übrigens eines der wesentlichen Motive, weshalb die Mitgliedstaaten (der damaligen „EWG“) schon im Jahr 1973 die Entwicklung entsprechender gesetzlicher Regelungen beschlossen – die Erarbeitung und schließlich 1979 die – übrigens einstimmige – Verabschiedung der EG-Vogelschutzrichtlinie!

Kaum auszudenken, was die von Kommissionspräsident Juncker gewünschte „Verschmelzung“ und „Modernisierung“ der EU-Naturschutzrichtlinien für unsere Zugvögel bedeuten könnte. Die Vogeljäger aus Südeuropa wittern vermutlich schon Morgenluft…

Dem muss Karmenu Vella so schnell wie möglich durch klare Ansagen ein Ende machen – die Vogelschutzrichtlinie gilt und muss von den Regierungen viel konsequenter umgesetzt werden!

 

Und natürlich sollten sich möglichst viele Bürgerinnen und Bürger an der EU-Befragung zur Zukunft der Naturschutzrichtlinien beteiligen!

3 Kommentare

Sigrid Bucher

17.05.2015, 22:20

Naturschutz geht uns alle an. Wichtig sind Tiere, Pflanzen und die Moore für uns Menschen. Wenn nichts unternommen wird, wie lange können wir all diese wunderbare Natur noch erleben und fühlen. Es ist doch lobenswert das es Menschen gibt , die sich dafür einsetzen und das schlimmste versuchen zu verhindern. Wir haben nur eine Erde und man sollte versuchen doch sehr sorgsam mit ihr umgehen. Natur ist eine Symbiose , hat ein empfindliches Ökosystem. Wenn der Mensch vernünftig und nachhaltig denkt hat die Natur die so wunderschön und einzigartig ist eben doch eine Chance.

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Claus Mayr

Claus Mayr

19.05.2015, 10:37

Sehr geehrte Frau Bucher, herzlichen Dank für Ihren ermutigenden Kommentar! Bitte helfen Sie dem NABU und unseren BirdLife-Partnern in allen EU-Mitgliedstaaten, unsere gemeinsamen Naturschätze zu erhalten. Ob Zugvögel, wandernde Fischarten oder Fledermäuse, ob klares Wasser oder saubere Luft; sie alle kennen keine Grenzen und benötigen dringender denn je EU-weit einheitliche Standards zu ihrem Schutz. Bitte beteiligen Sie sich daher an unserer Kampagne zur Erhaltung der EU-Naturschutzrichtlinien: https://www.naturealert.eu/de

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Friedl Ludwig

24.05.2015, 16:27

Was da z.B. in Malta abgeht mit dem Abknallen von unseren Zugvögeln ist das Letzte !!! Ich für meinen Teil habe mir geschworen ,in solchen Ländern " NIE " Urlaub zu machen !! Die sehen mich nie dort ,so sollten alle Vogelfreunde reagieren .Vielleicht ändert sich dann etwas ,wenn keine Touristen mehr kommen . Ich werde das auch dem deutschen Konsul in München schreiben .Die Adresse lautet : Ehrenkonsulat für Malta ,Konrad-Celtis-Str. 79 81369 München Wir müssen etwas unternehmen ,sonst haben wir bald keine Vögel mehr !!! Grüße aus München

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