Der Wolf – Rückblick auf Naturschatz #1

Am 30. April war der Tag des Wolfes – so lag die Wahl unseres ersten „Naturschatzes der Woche“ nahe. Der Wolf hat seine Rückkehr nach Deutschland vor allem dem strengen Schutz durch die EU-Naturschutzrichtlinien zu verdanken, die der Präsident der EU-Kommission, Jean Claude Juncker, nun aufweichen will.

Wolf am frühen Morgen auf dem Truppenübungsplatz Munster Nord in der Lüneburger Heide. Foto: Jürgen Borris

Wolf am frühen Morgen auf dem Truppenübungsplatz Munster Nord in der Lüneburger Heide – Foto: Jürgen Borris

In den letzten Tagen ist der Wolf wieder in aller Munde. Die Presseschau, die wir NABU-Mitarbeiter täglich bekommen, ist voll von Zeitungsartikeln, Fernseh- und Radiobeiträgen über das Tier, das seit 15 Jahren wieder ein Comeback in Deutschland wagt. Es wird durchaus kontrovers gestritten, ob das nun eine gute oder eine eher schlechte Nachricht ist. Wie wir das im NABU sehen, sagt das Motto unserer beliebten Kampagne „Willkommen Wolf“, und wir erleben Unterstützung dafür weit über unsere Mitgliedschaft hinaus. Alleine unsere Facebook Seite zum Thema hat über 100.000 Freunde. Der Wolf darf kein Opfer von Junckers als „Fitness Check“ der Naturschutzrichtlinien verharmloste Deregulierungsplänen werden; und das drücken wir auch plakativ mit unserem neuen Videoclip aus!

Die NABU-Kampagne läuft seit 10 Jahren.

Die NABU-Kampagne läuft seit 10 Jahren.

Der Wolf braucht auch weiterhin strengen Schutz – darf aber nicht verniedlicht, und die Sorgen von Nutztierhaltern vor wirtschaftlichen Schäden dürfen nicht verharmlost werden. Wir sind froh, dass die Bundesregierung das genauso sieht und haben gerne den Staatssekretär Jochen Flasbarth des zuständigen Bundesministeriums zum „Ehren-Wolfspaten“ ernannt. Am selben Tag eröffnete er eine interessante NABU-Ausstellung, die „Tour de Wolf“, die über Wölfe in Deutschland aufklärt. Besonders froh sind wir über seine Aussage, dass die Bundesregierung eine Stelle schaffen will, in der Informationen über die Verbreitung und den Umgang mit Wölfen bundesweit gesammelt werden. Der NABU fordert seit langem ein „Kompetenzzentrum Wolf“. Es bedarf nämlich dringend einer Koordination des über die Bundesländer zersplitterten Wolfsmonitorings, und mehr Austausch von Erfahrungen und „best practice“ bei Vorbeugung und Umgang mit Schäden, die der Wolf naturgemäß verursachen kann.

Vom 24.-26. September führt der NABU übrigens eine internationale Wolfskonferenz in Wolfsburg durch: Aktuelle Informationen hier!

Auch europaweit ist mehr Austausch notwendig, in einigen EU-Staaten gibt es viel mehr Erfahrungen mit dem Wolf, da der Wolf hier nie vollständig ausgerottet wurde. So gehören z.B. Italien, Polen und Rumänien zu den Ländern, in denen die Menschen seit vielen Jahren gelernt haben, mit dem Wolf zu leben. Gleichzeitig gibt es in Ländern wie Frankreich erhebliche Widerstände, dort hätten es viele Landnutzer am liebsten, wenn die EU den Schutz lockern würde. Dort und in anderen EU-Ländern hätte der Wolf wohl kaum noch eine Chance, wenn die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU ausgehöhlt würde. Doch genau das fordert zum Beispiel der einflussreiche Lobbyverband der Agrarindustrie COPA-COGECA in einer Presseerklärung, nachdem er unter Protest die sogenannte „Large Carnivore Plattform“ der EU, in der eigentlich nach guten Lösungen gesucht werden soll, verlassen hatte. Der europäische Jagdverband FACE folgte diesem Beispiel übrigens nicht und blieb konstruktiv. FACE hatte sich ja bereits schon mehrfach erklärt, den geltenden Rechtsrahmens zu akzeptieren.

Wer erlebt hat, wie COPA-COGECA erfolgreich dazu beigetragen hat, das sogenannte „Greening“ der letzten Agrarreform bis zur Unkenntlichkeit zu verwässern, dem muss um den Naturschutz in der EU bange werden. Daher ruft der NABU alle Wolfsfreundinnen und -freunde dazu auf, bei der laufenden EU-Bürgerbefragung für den Naturschutz und gegen die Pläne von Herrn Juncker zu stimmen: mehr dazu unter www.NABU.de/naturschaetze. Dort wird auch unser zweiter Naturschatz präsentiert, das Große Torfmoor in Nordrhein-Westfalen.

Zum Schluss noch ein paar Lese- und Hörtipps zum Wolf:

Konstantin Kreiser

Konstantin Kreiser

Leiter Globale und EU-Naturschutzpolitik im NABU
Konstantin Kreiser

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