Spurensuche Beiträge

Sensation (diesmal wirklich!) im Lockgebüsch und die ersten 14 Tage auf Trischen

Moin zusammen!

Zuerst einmal die wichtigste Nachricht für alle, die in den letzten Tagen den Horizont nach ägyptischen Bergungshubschraubern abgesucht haben: April, April!

Der vermeintliche Sarkophag entpuppte sich bei genauerer Betrachtung als ein alter Backstein, vermutlich ein Überbleibsel des Luisenhofes, einem landwirtschaftlichen Betrieb, den es früher einmal auf Trischen gab. (Weitere Infos dazu findet ihr hier). Auch eine spannende Geschichte, aber eben nicht ganz so spektakulär wie die Ladung der Pharaonen. Danke an alle, die den Spaß mitgemacht haben!

Doch während ich mir diesen Scherz erlaubt habe, ereignete sich am 1. April tatsächlich noch eine echte Sensation, die ganz ohne Hieroglyphen auskommt:

 

Der Gast im Lockgebüsch

Ein Teil meiner ersten Arbeitstage bestand darin, das „Lockgebüsch“ an der Hütte aufzustocken. Das sind künstlich platzierte Zweige, die Singvögeln in der baumlosen Weite des Watts Schutz bieten. Dass sich diese Mühe lohnt, zeigte sich prompt: Genau dort konnte ich am 1. April um 15:45 ein beringtes Schwarzkehlchen-Weibchen fotografieren.

Nach Rücksprache mit meinem Vorgänger Jakob Wildraut (dem „Herrn der Ringe von Trischen“ 😉), der mir den Kontakt zum Beringer des Vogels vermittelte, war das Staunen groß: Der Vogel wurde im September 2025 in Glen Dye, Schottland, beringt und ist erst der zweite Nachweis eines in Großbritannien beringten Schwarzkehlchens in ganz Deutschland!

Besonders beeindruckend: Das junge Weibchen ist erst im letzten Sommer geschlüpft. Nachdem sie den Winter vermutlich im milderen Süden verbracht hat, führt sie ihre erste Rückreise ins Brutgebiet nun über Trischen in unser Lockgebüsch. Ein kleiner Vogel im zweiten Kalenderjahr, der bereits über 1.000 Kilometer Flugerfahrung in den Schwingen hat (alleine die Luftlinie zwischen Trischen und Glen Dye beträgt rund 800 km!).

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an den Beringer Moray Souter für die schnelle Antwort, all die spannenden Details und die freundliche Zurverfügungstellung des Bildes von der Beringung in Schottland. Ohne das Gebüsch als sicheren Landeplatz hätte diese Sichtung mit ziemlicher Sicherheit nicht zustande kommen können.

 

Spuren im Sand

Während sich mein Blick hier meistens gen Himmel oder in die Ferne richtet, nutzte ich die windstillen Tage für Kontrollgänge am Strand und entlang der Dünenkante. Hier betreibe ich Spurenlese, und bisher ist das Ergebnis zum Glück beruhigend: Im Sand entdecke ich ausschließlich meine eigenen Abdrücke und die Fährten von Vögeln.

Das ist eine wichtige Nachricht für den Bruterfolg auf Trischen: Bisher gibt es keine Spuren von Prädatoren wie Ratten oder Füchsen. Für die bodenbrütenden Vögel wäre das Auftauchen von Raubsäugern fatal. Jedes Mal, wenn ich also nach einer Runde über den Strand feststelle, dass außer mir kein Säugetier hier unterwegs war, atme ich tief durch.

Bei Windstille bleiben Fährten im Sand lange erhalten – ideale Bedingungen für die Spurensuche.

 

Geburtstag auf einer einsamen Insel

Inmitten der Phase des Ankommens fiel außerdem ein (zumindest für mich) besonderer Tag: mein Geburtstag. Es war eine seltsame, aber wunderschöne Erfahrung, diesen Tag hier auf der Insel zu verbringen, zwar ohne menschliche Gäste, dafür mit tausenden Vögeln.

Meine Sorge, den Tag ohne Kuchen verbringen zu müssen (ich hatte glatt vergessen, Mehl mit auf die Insel zu nehmen), war verflogen, als ich das Päckchen öffnete, das mir meine Vorgängerin Mareike über Axel zukommen ließ: Ein leckerer Zitronenkuchen!

 

Fazit nach 14 Tagen:

Ich würde sagen: Ich bin angekommen. Die Insellogistik steht, die für mich jedes Jahr aufs Neue anfängliche Herausforderung als „Südlicht“ bei der Bestimmung der Küstenvögel ist verflogen und die ersten Erfassungen sind gemacht. Die nächsten Wochen werden intensiv, wenn die Hauptbrutzeit beginnt, aber das Fundament steht. Ich bin sehr gespannt, welche Überraschungen und Sensationen Trischen noch für mich (und euch) bereithält.

 

Und noch ein wichtiger Hinweis für den Blog:

„Wo viel Leben ist, wird viel gestorben.“ Dieser Satz trifft auf das Wattenmeer ziemlich gut zu. Die enorme biologische Produktivität hier draußen bringt untrennbar auch eine hohe natürliche Sterblichkeit mit sich, ein Kreislauf, der hier auf Trischen zum täglichen Bild gehört.

Ich möchte euch dieses ungeschminkte Bild der Insel nicht vorenthalten. Damit ihr wisst, was euch erwartet, werde ich Beiträge mit solchen Inhalten künftig direkt im Titel mit dem Zusatz [Totfund] kennzeichnen. In diesen Beiträgen werde ich Funde dokumentieren, die den Tod und den Verfall zeigen. Die entsprechenden Aufnahmen setze ich zudem ganz ans Ende der jeweiligen Artikel. Wer sensibel auf Darstellungen von toten Tieren reagiert, sei hiermit um Vorsicht beim Scrollen gebeten.

 

Trischen, den 3. April 2026