Naturschätze-Lektüre zum Wochenende #9

NEWS:

Banner 08 In Brüssel hat die EU-Kommission nach der Sommerpause wieder ihre Arbeit aufgenommen. Ein wichtiger Punkt auf der Herbstagenda sollte die Veröffentlichung der politischen Schlussfolgerungen zum Fitness-Check der EU-Naturschutzrichtlinien sein. Nachdem die Kommission die Entscheidung über den Frühling bis in den Sommer hinein immer wieder verzögert hatte, reagierte sie im Juli auf den Druck der Umweltverbände und legte immerhin die Fitness-Check Studie (wir berichteten hier im Blog) vor. Cartoon - Twitter postDen politischen Schlussfolgerungen jedoch, so die Kommission im Juni, könne man sich erst im Herbst wieder widmen. Wir fordern die EU-Kommission zusammen mit unserem Dachverband BirdLife nun mit dem Slogan „It’s autumn!“ (Es ist Herbst!) auf, das Ergebnis des nunmehr über 1000 Tage andauernden Fitness-Checks vorzulegen. Statt die Entscheidung weiter hinauszuzögern, muss der Erhalt der EU-Naturschutzgesetzgebung endlich verkündet werden und die vollständige Umsetzung auf den Weg gebracht werden. Mehr…
 
Seidenbiene

Foto: Hans-Jürgen Sessner

Die Ochsenzungen-Seidenbiene (Colletes nasutus) ist eine heimische Wildbiene, die nur noch in wenigen Regionen in Deutschland vorkommt. Jetzt wurde ein Exemplar dieser seltenen Art an den Pontischen Hängen bei Lebus in Brandenburg entdeckt, einem NABU-Schutzgebiet direkt an der Oder. Es war ein glücklicher Zufall für den Hobbybiologen, dem die Fotoaufnahmen gelangen. Denn Seidenbienen kann man in der Regel nur eine kurze Zeit ab Juni bis in den Spätsommer beobachten. Mehr…

 

perleidechse Krzysztof Wesolowski

Weingüter zählen zu den bevorzugten Habitaten der Perleidechse (Timon lepidus), wo sie jedoch durch Pestizideinsatz bedroht werden (Foto: K. Wesolowski).

Von den etwa 150 in Europa vorkommenden Reptilienarten sind bereits 18% auf der Roten Liste der IUCN als gefährdet eingestuft. Die Zerstörung und Degradierung von Lebensräumen ist jedoch nur ein Faktor für deren Rückgang. Wie Wissenschaftler der Universität Trier nun herausfanden, spielt die Ausbringung von Pestiziden in der Landwirtschaft ebenfalls eine wesentliche Rolle. Besonders betroffen sind Eidechsen, die in Olivenhainen oder Weingütern Südeuropas vorkommen. Die Bedeutung der Studie erschließt sich nicht nur aus der Tatsache, dass in der Vergangenheit Reptilien so gut wie gar nicht im Zusammenhang mit Pestiziden untersucht wurden. Sie offenbart auch die nicht länger hinnehmbare Praxis der EU-Zulassungsverfahren für Pestizide, welche Reptilien (und andere im Rückgang befindliche Tiergruppen) bei Risikoabschätzungen nicht berücksichtigen.

 

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Ein aktuelles Protokoll der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sorgt derzeit für Irritationen in der Umweltszene. Demnach sollen zukünftig gegen Unkräuter auf landwirtschaftlich genutzten Flächen auch Pestizide ausgebracht werden können, deren Zulassung in den nächsten Jahren ausläuft und für die aufgrund ihrer Toxizität keine Verlängerung vorgesehen ist. Zwar soll der Herbizideinsatz nur dann genehmigt werden, wenn durch die Unkräuter ernsthafte Schäden für die entsprechende Feldfrucht ausgehen und keine anderen nicht-chemischen Methoden zur Verfügung stehen. Doch zugleich konstatiert das Protokoll, dass die Wirksamkeit alternativer Unkrautbekämpfungsmethoden für gewöhnlich unter derjenigen von Herbiziden liegt. Laut Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN) widerspricht eine solche Schlussfolgerung der EU-Pflanzenschutz-Rahmenrichtlinie (2009/128/EG). Zur Debatte steht etwa das Herbizid Glufosinate, das unter anderem für Säugetiere als reproduktionstoxisch eingestuft wird und dessen Zulassung Ende 2017 ausläuft.

 

Sackgasse

Raus aus der Sackgasse! Eine Neuausrichtung der GAP ist notwendiger denn je (Foto: B. Sunderhaus).

Letzten Montag lud die Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin dazu ein, um über Wege aus der Agrarkrise und eine Neuausrichtung der europäischen Agrarpolitik (GAP) zu debattieren. Unter den Vortragenden bestand großer Konsens darüber, dass die GAP in einer tiefen Krise steckt und den ökologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit bei Weitem nicht gerecht wird. Vor diesem Hintergrund seien die großen Summen, die jährlich im Rahmen der GAP an die Landwirte ausgezahlt werden, nicht länger gerechtfertigt und bedürften einer grundlegenden Neuausrichtung. Nach dem Motto „öffentliche Gelder nur für öffentliche Leistungen“ sei es nicht länger hinnehmbar, dass ein Großteil der Gelder für Direktzahlungen an die Landwirte gingen, ohne dass diese einen Mehrwert für Mensch und Umwelt nach sich ziehen würden. Ganz im Gegenteil: die Landwirtschaft ist maßgeblich für den Biodiversitätsverlust in Europa verantwortlich. Laut schleswig-holsteinischem Umweltminister Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) sei die Erschließung neuer Märkte für Umweltleistungen erforderlich. Hierdurch könnten neue Gewinnanreize geschaffen werden, anstatt lediglich Leistungsverluste zu honorieren, die den Landwirten im Zuge der Erbringung von Umweltleistungen entstünden. Ein weiterer Punkt wurde von Martin Häusling, Mitglied des Europäischen Parlaments für die Grünen/EFA, hervorgebracht: Er kritisierte die Tatsache, dass die aktuelle Krise auch vor dem Hintergrund zu erklären sei, dass die Politik der Marktliberalisierung inklusive der leistungsbasierten Förderung die Exportorientierung der Landwirte steigere. Dies befördere eine zunehmende Abhängigkeit von internationalen Märkten und zerstöre zudem bäuerliche Betriebe insbesondere in Entwicklungs- und Schwellenländern, die mit den stark subventionierten Agrarprodukten aus der EU nicht mehr konkurrieren könnten.

Weitere Informationen: 2. Positionpapier „Raus aus der Sackgasse!“ zur Neugestaltung der GAP (von Robert Habeck und Martin Häusling).

 

HINWEISE UND VERANSTALTUNGEN:

DNTVom 13.-17. September 2016 findet in Magdeburg der 33. Deutsche Naturschutztag statt. Das Motto lautet diesmal: „Naturschutz und Landnutzung – Analysen, Diskussionen, zeitgemäße Lösungen“. Auch der NABU wird mit Beiträgen in den diversen Fachveranstaltungen vertreten sein, z.B. am Donnerstag in der FV 3 (Biodiversität/Natura 2000) zur Zukunft von Natura 2000 oder in der FV 7 (Naturschutzrecht in Rechtssetzung und Vollzug) mit einem Input zum Fintess Check der Naturschutzrichtlinien. Mehr…

 

Jetzt wird aufgeräumt – am 17. September ist ICCKüstenputztag! Seit 30 Jahren ruft die US Umweltorganisation Ocean Conservancy zur größten freiwilligen Meeresschutzaktion auf – dem International Coastal Cleanup Day (ICC). Im letzten Jahr sammelten 800.000 Menschen weltweit mehr als 8.160 Tonnen Abfälle von Stränden, aus dem Meer, aber auch aus Flüssen und Seen. Seit sechs Jahren ist auch der NABU beim Küstenputz dabei. Los ging es auf der Insel Fehmarn mit dem Projekt Meere ohne Plastik. Mehr…

 

Ettersberg Foto: Klemens Karkow

Ettersberg Foto: Klemens Karkow

Am 27. September laden wir Sie herzlich zum diesjährigen NABUtalk „Natura 2000 – Wie fit ist Deutschland?“ zur Umsetzung der EU-Naturschutzrichtlinien ein. Dabei betrachten wir zunächst exemplarisch die unterschiedlichen Herangehensweisen der Umsetzung im föderalen System der Bundesrepublik und analysieren Vor- und Nachteile. Anschließend fragen wir Vertreter aus EU-, Bundes- und Landesverwaltung sowie aus dem verbandlichem Naturschutz auf dem Podium: Tun die Bundesländer genug für die Umsetzung von Natura 2000? Und wie können die EU und der Bund unterstützen?  Anmeldefrist ist der 20. September. Mehr…

 

Schwimmender Fischotter Foto: Steffen Zibolsky

Schwimmender Fischotter Foto: Steffen Zibolsky

Die Ferien- und Urlaubszeit geht allmählich dem Ende entgegen. Der vorletzte Natura-2000-Ausflugstipp dürfte für alle Städter von besonderem Interesse sein: „Sommer, Sonne, Schutzgebiet: Ihr wohnt in einer größeren Stadt und habt keine Zeit weit raus zu fahren? Natura-2000-Gebiete gibt es garantiert auch in eurer Nähe! Der Prießnitzgrund in der Dresdner Heide ist eines der romantischsten Täler in der Gegend, mit naturnahen Fließgewässerabschnitten, Altwässern und Moorstandorten, Hangbereichen mit Buchenwäldern. Das Gebiet wird von Staudenfluren und Auwaldvegetation sowie Erlen-Eschen- und Buchenwälder geprägt und beherbergt Pflanzen wie Sumpfdotterblumen und Rundblättrigen Sonnentau. Entlang des Flusses Prießnitz lassen sich mit etwas Glück EU-weit geschützte Tierarten wie Bachneunauge, Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling, Fischotter und eine Vielzahl an Vögeln entdecken. Der knapp 5 km lange gemütliche Wanderweg führt euch auf eurem Weg aus der Neustadt in die Dresdner Heide auch an einem Sandstrand vorbei, der zum Rasten und Verweilen einlädt. Mehr…

 

Autoren: Till-David Schade und Kristina Richter

Kristina Barnes

Kristina Barnes

Referentin für EU-Naturschutzpolitik
Kristina Barnes

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