Handelsverbot für Graupapagei-Wildfänge in greifbarer Nähe

Zwei Tage Konferenzpause – wir besuchen unter anderem einen Markt, auf dem traditionelle Heiler ihre „Zutaten“ kaufen und stolpern dabei über einige „CITES-Arten“. Pangolin-Stücke, Schlangen- und Krokodilshäute, Nilpferd-Schädel, Raubkatzenfelle und vieles mehr. Der Anblick ist nicht einfach zu ertragen, aber uns ist es wichtig, auch den „praktischen“ Hintergrund unserer Arbeit noch besser kennenzulernen.

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Graupapagei – Foto: iStock/kung mangkorn

Trotzdem – es hat gut getan, nach den vielen Arbeitsstunden, die wir hier alle schon auf dem Buckel haben, wenigstens für ein paar Stunden an die Luft zu kommen. Einigermaßen frisch sind wir heute wieder angetreten und das ist gut so, denn die schwierigsten Tage stehen uns noch bevor.

Bange sehen wir den Verhandlungen zum Graupapagei entgegen – was wir über den Flurfunk und die Gespräche mitbekommen haben, ließ nicht auf eine Hochstufung der Graupapageien hoffen. Als der Antrag diskutiert wird, melden sich zig Delegierte für Redebeiträge. Und schnell wird klar, dass einige Länder wie Bachrain, die Vereinigten Arabischen Emirate und andere hier ganz eindeutige Interessen haben – und die sind nicht im Sinne der Graupapageien. Argumente fliegen durch den Raum – nicht der Handel, sondern der Habitatverlust seien schuld, das schlechte Management einzelner Staaten wäre das Problem, und, und, und… Ermüdend – haben wir alles schon zig Mal gehört. Die Diskussion zieht sich in die Länge, da ergreift die USA das Wort. Seit über 30 Jahre sei klar, dass der Handel mit diesen Vögeln nicht nachhaltig ist und der Delegierte appelliert an die Konferenzteilnehmer, aufzupassen, dass „uns“ der  Graupapagei nicht durch die Finger schlüpft. Tosender Applaus. Wir haben wieder Hoffnung, als Kuwait plötzlich eine Geheimwahl zur Abstimmung über den Antrag aufruft. Uns stockt der Atem – das ist meist kein gutes Zeichen. Doch wir sollten uns (glücklicherweise) täuschen: 95 Delegationen Stimmen für die Hochstufung, 5 enthalten sich und 35 sind dagegen. Die 2/3 Mehrheit ist erreicht und der Graupapagei erhält voraussichtlich den Schutzstatus, den er verdient. Jetzt heißt es Daumendrücken, dass der Antrag nicht im Plenum wiedereröffnet und neu verhandelt wird. Wir sind noch im Freudentaumel, als Madame Chair plötzlich ankündigt, dass wir nicht schnell genug vorankommen und deshalb heute Abend eine lange Abendsitzung einlegen müssen. So viel zum Thema, dass wir uns einigermaßen erholt haben…
Claudia Praxmayer

Claudia Praxmayer

Expertin Internationaler Artenschutz
Claudia Praxmayer

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