Bayer-Chef Baumann ist Dino des Jahres 2016

Der „Dinosaurier des Jahres 2016“ heißt Werner Baumann

Biodiversitätsfeindliche Geschäftsstrategie macht ihn zum verdienten Gewinner des NABU-Schmähpreises

Mit der geplanten Übernahme des US-Saatgutriesen durch die Bayer AG besiegelt Baumann eine Unternehmensausrichtung, die weder Natur und Umwelt noch Landwirten und Verbrauchern zuträglich ist. Gelingt der 59 Milliarden Euro teure Coup, werden die oligopolen Strukturen des globalen Pestizid- und Saatgutmarkts weiter verfestigt, der an erster Stelle nur einen Gewinner kennt: den Weltmarktführer Bayer. Welche Befürchtungen aus Sicht des NABU damit verbunden sind, wird im Folgenden erläutert.

Der Konzentrationsprozess von Unternehmen, die den Pestizid- und Saatgutmarkt unter sich aufteilen, hat in diesem Jahr seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Darunter würde Bayer mit einem weltweiten Anteil von einem Viertel des Pestizid- und fast einem Drittel des Saatgutmarktes jeweils den führenden Giganten unter den Riesen repräsentieren. Der Leverkusener Konzern brächte damit zwei Schlüsselbranchen vollends unter seine Fittiche, mit denen er ein Modell der Landwirtschaft mitbestimmt, das voll und ganz seinem Gusto entpräche: Großflächige und hochintensiv bewirtschaftete Monokulturen. Damit wird durch die Tatsache, dass sowohl Pestizide als auch Saatgut dem Landwirt aus einer Hand zur Verfügung gestellt werden, die Abhängigkeit der Landwirte vom Hersteller vergrößert.

Pestizide und gentechnisch verändertes Saatgut sind die Stützpfeiler des biodiversitätsfeindlichen Geschäftsmodells von Bayer und Monsanto. Zahlreiche Produkte enthalten Neonikotinoide, die im Verdacht stehen, Nicht-Zielorganismen wie Honig- und Wildbienen oder Schmetterlinge zu schädigen. Das Breitbandherbizid Glyphosat, von welchem jährlich etwa eine Million Tonnen eingesetzt werden, trägt durch die Vernichtung von Ackerwildkräutern zum Rückgang von Insekten, Vögeln, Kleinsäugern bei. Schädliche Effekte bei Menschen und Wildtieren sind auch von Azol-Fungiziden bekannt, die durch die Beeinträchtigung natürlicher biochemischer Wirkweisen von Hormonen hervorgerufen werden. Hinzu kommt: die lascheren Pestizid-Zulassungsverfahren in Entwicklungs- und Schwellenländern ausnutzend, vertreibt dort Bayer auch eine Reihe von Produkten, die Wirkstoffe enthalten, die in der EU aufgrund ihrer hohen Toxizität gar nicht mehr zugelassen sind. Neben den bereits beschriebenen ökologischen Risiken, die im Zusammenhang mit Pestiziden bestehen, würde die fusionierte Bayer AG durch seine Vormachtstellung auf dem Markt transgener Kulturen auch dazu beitragen, dass regional angepasste Züchtungen verloren gehen, der flächendeckende Anbau gleicher Sorten zunimmt und das kulturelle Erbe der Nutzpflanzenvielfalt in Vergessenheit gerät. Ganz zu schweigen von der Gefahr, dass gentechnisch veränderte Sorten in herkömmliche Sorten oder Wildarten auskreuzen können und diese dadurch genetisch verunreinigen.

Von den Zukunftstechnologien der digitalen Landwirtschaft erhoffen sich Bayer als auch Monsanto neue Absatzmärkte. Es ist nicht davon auszugehen, dass „Baysanto“ die damit verbundenen enormen Datenmengen im Dienste der Allgemeinheit stellt. Vielmehr ist zu befürchten, dass die gesamte landwirtschaftliche Produktion aus einer Hand gesteuert werden könnte und damit die Abhängigkeit der Landwirte von den angebotenen Technologien weiter steigt.

Ein fusionierter Agro-Konzern wie Bayer birgt für die Ernährungssouveränität ganzer Staaten ernsthafte Gefahren. Unter dem Vorwand, mehr Nahrung für eine wachsende Weltbevölkerung zu produzieren, richtet man sich vorrangig nach den Bedürfnissen der Fleisch-Industrie der westlichen Gesellschaft: eine überwältigende Mehrheit der angebauten gentechnisch veränderten Kulturen wie Soja oder Mais dient nämlich als Tierfutter. Wie durch die Forcierung  dergleichen agroindustriellen Strukturen ernsthaft Hunger und Armut bekämpft werden sollen, bleibt ein Rätsel. Dagegen ist es wahrscheinlicher, dass das Angebot an verfügbarer Saatgutvielfalt und damit die Grundlage unserer Nahrungsmittelvielfalt abnehmen werden.

Zu guter Letzt: Das Geschäftsmodell von Bayer leistet keinen nennenswerten Beitrag zu internationalen Vereinbarungen, die sich die Staaten der Vereinten Nationen für die kommenden Jahrzehnte auf die Agenda geschrieben haben; weder zu den Zielen zur nachhaltigen Entwicklung (SGDs) noch zum Übereinkommen über die Biologische Vielfalt (CBD).

Dabei ist es mittlerweile Konsens, dass es zur Bewahrung einer intakten Natur für die kommenden Generationen auch Unternehmen bedarf, die mit der Natur und nicht gegen sie wirtschaften. Im Fall von Bayer hieße das: den Wandel hin zu einer naturverträglichen Landwirtschaft. Da es derzeit so scheint, dass dieses Ziel nur ohne und nicht mit Bayer und Monsanto erreicht werden kann, ist die Dino-Verleihung längst überfällig.

Weitere Hintergrundinformationen zum Dinosaurier des Jahres 2016 erhalten sie unter www.NABU.de/Dino2016

Till-David Schade

Till-David Schade

Referent für Biologische Vielfalt

1 Kommentar

Iris

18.01.2017, 17:55

Interessanter Artikel, werde den Blog auf jeden Fall weiter verfolgen :)

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