Viele Gewinner, einige Verlierer

Wir reiben uns noch immer die Augen. Eigentlich wollten wir Euch gestern (am Dienstag) „nur“ die gute Nachricht überbringen, die sich gestern zu späterer Stunde noch abgezeichnet hat: Sowohl der Seidenhai, als auch die Fuchshaie, die Mobularochen und die Perlboote haben es gleich beim ersten Anlauf auf Anhang II (Handelskontrolle) bei CITES geschafft. Das ist eine Sensation – bisher hat es immer mehrere CITES-Konferenzen gebraucht, bis es eine neue marine Art auf einen Anhang geschafft hat. Und dieses Mal ging alles schon beim ersten Mal glatt. Vielleicht haben es ja mittlerweile auch die Delegierten langsam satt, der Plünderung der Meere tatenlos zuzusehen. Das lässt für die nächste Konferenz hoffen.
Gecko - Foto: iStock / reptiles4all

Der Himmelblaue Zwergtaggecko ist einer der Gewinner der 17. CITES-Konferenz – Foto: iStock / reptiles4all

Aber das ist nur ein Grund, warum wir uns die Augen reiben. Der andere: Wir waren bereits gestern am Abend (Dienstag) mit allem durch. Einen Tag früher als geplant!! Unglaublich – schließlich haben wir alle diverse Abendsessions eingelegt, weil die Sorge groß war, dass wir das Mammut-Programm im vorgegebenen Zeitrahmen nicht bewältigen würden. Und jetzt plötzlich sind wir schneller durch als erwartet. Das haben wir so auch noch nicht erlebt. So kommt es auch, dass wir Euch den Blog gestern schuldig bleiben mussten – es war einfach zu viel auf einmal zu tun.

Ein kurzer Abriss: Gestern morgen startete das Plenum – alle Anträge und Dokumente werden noch einmal offiziell aufgerufen und die Beschlüsse verkündet. Hier gibt es für Delegationen noch die Möglichkeit, nach bestimmten Regeln ein „Re-Opening“ einzufordern. Das große Schreckgespenst für uns – wir haben schon erlebt, dass Anträge, die eigentlich gut gelaufen sind, am Ende wiedereröffnet wurden und dann doch noch durchfielen. Auch in Johannesburg ging es wie ein Lauffeuer um, dass sowohl der Wanderfalke als auch der Graupapagei wiedereröffnet werden sollen. Hier zeigt sich mal wieder, dass sich der Schulterschluss der NGOs auszahlt und wie gut wir zusammenarbeiten: Jeder hat seine Kontakte genutzt und versucht, Delegierte davon zu überzeugen, genau das zu verhindern. Und tatsächlich: Kuwait wollte den Wanderfalken noch einmal diskutieren, Katar hat es beim Graupapageien versucht. Ziel war es wohl, den jeweiligen Schutzstatus doch noch zu kippen. Aber unsere Zusammenarbeit hat sich ausgezahlt: Keiner der Anträge zu einem Re-Opening erhielt die notwendige Unterstützung!

Danach ging alles ganz schnell – die restlichen Beschlüsse wurden ohne größere Probleme bestätigt und wir einen Tag früher als geplant mit Ansprachen und einer kleinen Abschiedszeremonie entlassen. Unser Fazit: Die Konferenz ist unerwartet gut gelaufen! Viele Arten wie der kaukasische Steinbock, die Pangoline, der Berberaffe, der Graupapagei, verschiedene Chamäleon-und Gecko-Arten sowie Seiden-, Fuchshai, Mobularochen und Perlboote können sich ab jetzt über einen besseren Schutzstatus freuen. Auch der Wanderfalke darf, genauso wie das Horn des Rhinozeros, künftig nicht gehandelt werden. Aber es gibt auch Verlierer in Johannesburg: Die vom NABU erhoffte Hochstufung für Löwen auf Anhang I des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES) ist genauso ausgeblieben wie der höchste Schutzstatus für die Afrikanischen Elefanten. Aber wenigstens haben die Delegierten der CITES-Konferenz die Anträge von Namibia und Zimbabwe, wieder mit Elfenbein handeln zu dürfen, abgeschmettert und zudem die Mitgliedsstaaten aufgefordert, nationale Elfenbeinmärkte zu schließen. Es ist zwar nur eine Aufforderung, aber immerhin ein Anfang.

Das war ein langer, anstrengender und aufregender letzter (!) Tag für uns. Nicht alles ist in unserem Sinne gelaufen, aber wir freuen uns auch für die vielen Gewinner der Konferenz, die dank der beschlossenen Handelskontrollen oder sogar Handelsverbote einer besseren Zukunft entgegenblicken können.

 

Claudia Praxmayer

Claudia Praxmayer

Expertin Internationaler Artenschutz

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