Den Bock nicht zum Gärtner machen!


Ein vielfältiger Garten kommt ohne Pestizide aus (Foto: E. Neuling)

 

Wer dachte, dass der Verbrauch von Pestiziden durch Hobbygärtner eine vernachlässigbare Nummer ist, liegt falsch. Jährlich werden in Deutschland etwa 7.000 Tonnen Pestizide durch nichtberufliche Anwender eingesetzt, ein Großteil davon landet in Privatgärten. Diese nehmen insgesamt eine Fläche ein, die mehr als dreimal so groß ist wie das Saarland – oder, um die ökologische Brisanz zu verdeutlichen, mehr als halb so groß wie alle Naturschutzgebiete zusammen.

Fehlendes Fachwissen

Umfragen haben gezeigt, dass jede zweite Pflanzenschutzmaßnahme im Garten mit der chemischen Keule vorgenommen wird. Am häufigsten werden Herbizide (gegen „Unkräuter“), Insektizide (gegen Insekten) und Molluskizide (gegen Schnecken) eingesetzt.

Dabei ist zu befürchten, dass das Wissen über den Umgang mit diesen Pestiziden gering bis gar nicht vorhanden ist. Schon die korrekte Bestimmung des Schadverursachers stellt ein Problem dar. Auch die Beachtung des erlaubten Anwendungszeitpunkts, des richtigen Wetters oder der erforderlichen Dosierung findet oft nicht statt. Das Ergebnis ist eine sinnlose Spritzerei. Weitere Fehlanwendungen wie der Einsatz auf befestigten Flächen oder die Missachtung der korrekten Reste-Entsorgung bei Sondermüllannahmestellen sind ebenfalls an der Tagesordnung – und können Bußgeldstrafen von bis zu € 50.000 nach sich ziehen.

 

Zulasten von Mensch und Natur

Leidtragende sind dann nicht nur die Anwender selbst, sondern auch die biologische Vielfalt:

  • Beim unerlaubten Ausbringen auf befestigten Flächen wie Wegen, Bürgersteigen oder Garageneinfahrten, können die Wirkstoffe, beispielsweise im Falle eines plötzlichen Starkregens, abgewaschen werden. Dann gelangen sie entweder auf eine benachbarte Grünfläche oder in Oberflächengewässer, von wo sie direkt ins Grundwasser sickern. Oder sie erreichen über den nächstgelegenen Gully das Abwassersystem.
  • Einmal ins Gewässer gelangt, sind manche Wirkstoffe hoch-giftig für Gewässerorganismen wie Fische, deren Nährtiere, Algen oder höhere Wasserpflanzen.
  • Viele Wirkstoffe sind als bienengefährlich eingestuft und schädigen eine Vielzahl an Nutzorganismen wie Siebenpunkt-Marienkäfer, Florfliegen und Raubmilben. Damit minimieren Gärtner nicht nur die Anzahl an Bestäubern, sondern auch potentielle Gegner von Schädlingen.
  • Da stark anzunehmen ist, dass die erforderliche Schutzbekleidung nicht beachtet wird, ist das Risiko für Gesundheitsschäden wie allergische Reaktionen oder die Reizung der Augen hoch. Auch krebserregende Wirkungen sind nicht gänzlich auszuschließen.

    Auch Hummeln und Schwebfliegen werden durch Pestizide geschädigt (Foto: K. Büscher)

Dabei kann auf den Pestizideinsatz im Haus- und Kleingartenbereich gänzlich verzichtet werden. Ein Kosten-Nutzen-Vergleich fällt klar gegen die Pestizide aus. Mögliche Alternativen sind zahlreich. Wir haben einige davon unter www.NABU.de/garten zusammengestellt. Für Pestizide ist in einem naturnahen und vielfältigen Garten kein Platz. Wer einen Garten der Vielfalt mit Insekten und Vögeln haben möchte, sollte lieber zur Hacke greifen. Ist der gärtnerische Ehrgeiz einmal entfacht, finden auch bald Mischkultur, Nisthilfen, Trockenmauern und Totholzhaufen ihren Platz im Garten. Den so eingeladenen Nützlingen kann man dann bald bei der Arbeit zusehen.

Politische Spielräume nutzen

Neben den Gärtnern fällt auch der Politik und dem Handel eine Schlüsselrolle bei der Frage zu, wie der Pestizid-Einsatz im Garten reduziert oder gänzlich unterbunden werden kann. Mit gutem Beispiel voran gehen derzeit Frankreich, Niederlande und Belgien: sie kündigten konkrete Maßnahmen an, um den Einsatz von Pestiziden auf Nicht-Kulturland wie öffentlichen Plätzen oder Privatgärten schrittweise zu verbieten. Leider stellte zuletzt unsere Bundesregierung unter Beweis, dass sie im Falle von Glyphosat zu keinerlei Umdenken bereit ist und damit die ökologischen Folgen dieses auch bei Gärtnern nach wie vor beliebten Pflanzengifts verkennt: Mit Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt haben wir es mit einem klaren Befürworter von Glyphosat zu tun.

Eigenmächtig handeln

Doch dass wir einer fehlgeleiteten Umweltpolitik nicht hilflos ausgeliefert sind, zeigten im Jahr 2015 einige größere Baumärkte wie toom, OBI oder Bauhaus: sie haben glyphosathaltige Produkte mittlerweile komplett aus ihrem Sortiment genommen. Oftmals werden überhaupt keine chemisch-synthetischen Pestizide mehr angeboten. Das ist sehr erfreulich, denn neben Glyphosat gibt es noch eine Reihe weiterer für die Privatanwendung zugelassene Wirkstoffe, die hinsichtlich ihrer negativen Auswirkungen äußerst bedenklich sind: Dazu zählen Abamectin, Deltamethrin, Methiocarb, Metiram, Thiacloprid und Dimethoat.

Leider gibt es noch zu viele Händler, die ohne Bedenken eine Vielzahl an Pestiziden verkaufen. Insbesondere der Internet-Handel stellt ein großes Problem dar: Hier kann weder die vorgeschriebene Beratungsleistung gewährleistet, noch das Vorhandensein des Sachkundenachweises überprüft werden. Einfacher kann man gar nicht an Pestizide kommen – und das, obwohl eine ausgiebige Beratung durch Verkäufer gesetzlich vorgeschrieben ist. Dem Verbraucher ist es dadurch nicht vermittelbar, welche verheerenden Folgen die gärtnerische Praxis haben kann.

Selbst aktiv werden

Roundup und Co. muss endlich der Garaus gemacht werden (Foto: E. Neuling)

Damit sich das ändert, startet der NABU einen Aufruf an alle stationären und Online-Händler, die noch bedenkliche Pestizide in ihrem Sortiment führen, um sie dazu auffordern, deren Verkauf ab sofort zu stoppen.

Damit wir aktiv werden können, brauchen wir Ihre Hilfe: Melden Sie uns noch bis zum 7. August entsprechende Händler einfach unter der NABU-Website.

Vielen Dank!

 

 

Till-David Schade

Till-David Schade

Referent für Biologische Vielfalt

2 Kommentare

Walter Lauseker

21.07.2017, 21:48

Geben Sie mir bitte eine echte Alternative als Spritzmittel ohne Glyphosat - denn das ist das bequemste - und die Händler in der Umgebung von Biblis/ Worms - Danke

Antworten

Peter

22.07.2017, 08:57

Was hilft gegen einen wild wachsenden aggressiven Bambus der nicht mehr nur ausgegraben werden kann?

Antworten

Hinterlasse einen Kommentar

Bitte bleibe höflich.
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht und Pflichtfelder sind markiert.