Biodiversität diese Woche mehrfach Thema

Prinzenliest (Scaly Kingfisher / Actenoides princeps) aus der Familie der Eisvögel. Sulawesi, Indonesien.

Gleich drei Ereignisse werfen Fokus auf Naturschutz

Diese Woche stehen gleich (mindestens) drei Ereignisse an zum Thema Biodiversität. Hierdurch sollten wir nicht nur wichtige Entscheidungen zum Naturschutz bekommen, sondern auch die nötige Aufmerksamkeit für eine der drängendsten Umweltkrisen.

20. Mai: Veröffentlichung der EU-Biodiversitätsstrategie

Foto: BirdLife.

Nachdem die EU-Kommission die Veröffentlichung der EU-Biodiversitätsstrategie und der EU-Farm-to-Fork-Strategie mehrfach verschoben hatte (siehe z.B. diesen Naturschätze.Retten-Blog), scheint das Datum nun gesetzt. Die Tagesordnung der Sitzung des Kollegiums der Kommissare verweist darauf, und Kommissions-Vizepräsident Frans Timmermans hatte es gegenüber dem Europäischen Parlament bestätigt. In die Quere kommen können hätte der ebenfalls zeitweise für diesen Mittwoch angedachte Termin zur Veröffentlichung des neuen EU-Haushaltsvorschlags, doch dieser verzögert sich nun. Insofern bereitet sich die Brüsseler Verbands-Szene darauf vor, dass die EU-Kommission am Mittwoch nach ihrer Kollegiumssitzung sowohl die EU-Biodiversitäts- als auch die EU-Farm-to-Fork-Strategie veröffentlicht.

Der genaue Inhalt ist unbekannt. Für die EU-Biodiversitätsstrategie hatte es auch aktuell wieder Leaks gegeben (siehe diesen Arc2020-Beitrag). Für die EU-Farm-to-Fork-Strategie war die EU-Kommission zurückhaltender. Sollten die Strategien tatsächlich darauf setzen, eine verbindliche Renaturierungs-Agenda zu starten, Naturschutzgebiete ernst zu nehmen, und Treiber des Biodiversitätsverlustes anzugehen, haben sie Applaus verdient. Im Bereich Landwirtschaft sah der Entwurf tatsächlich ambitionierte Ziele für die Reduktion von Pestiziden vor und nicht-produktive Landschaftselemente. Natürlich steckt der Teufel dann im Detail, und es kommt darauf an, wie genau die Instrumente ausgestaltet und operationalisiert werden. Außerdem sind Last-Minute-Abschwächungen im Vergleich zum Leak durchaus möglich (wenn auch wenig akzeptabel).

Der NABU wird unmittelbar nach Veröffentlichung die Strategien prüfen und eine Pressereaktion versenden. Eine ausführlichere Analyse folgt sodann gesondert. Außerdem wird der NABU – vermutlich am 27. Mai – ein Webinar organisieren zur EU-Biodiversitätsstrategie, seien Sie gespannt auf die Teilnehmer*innen und Diskutanten! Zur Erinnerung: hier finden sich die Forderungen des NABU und seines europäischen Netzwerks BirdLife Europe zur EU-Biodiversitätsstrategie.

 

21. Mai: Natura 2000 – Tag

Der stilisierte Schmetterling als Emblem für den Natura 2000 – Tag. Das offizielle Natura 2000 – Logo sieht anders aus. Foto: BirdLife Europe.

Am 21. Mai 1992 wurden die FFH- und die EU-Vogelschutzrichtlinie angenommen. Diese bilden die Grundlage für das Schutzgebietsnetz Natura 2000. Dieses ist eine echte Erfolgsgeschichte für den Naturschutz und ein Musterbeispiel dafür, dass ein europaweites Vorgehen sinnvoll ist.

Der NABU schlägt vor, am Natura 2000 – Tag ein solches Naturschutzgebiet in der Nähe zu besichtigen, ob virtuell oder in der „echten“ Natur. Tips hierzu werden von uns gesondert folgen. Weitere Hinweise zum Natura 2000 – Tag finden Sie auf der Webseite der Europäischen Kommission (dieser Tag geht übrigens auf eine Initiative des spanischen BirdLife-Partners SEO zurück, der für die Kampagne das mit Händen stilisierte Schmetterlings-Symbol wählte). Beispiele für die Erfolgsgeschichte Natura 2000 und der FFH- und EU-Vogelschutzrichtlinie insgesamt finden Sie bei uns auf der Homepage zusammengestellt.

PS: natürlich liegt auch in den Natura 2000 – Gebieten  noch einiges im Argen was den Naturschutz angeht. Verantwortlich sind vor allem die Mitgliedstaaten. Gegen Deutschland laufen beispielsweise mehrere Vertragsverletzungsverfahren im Zusammenhang mit Natura 2000, denn der Bund und die Bundesländer haben bisher nicht ausreichende Erhaltungsmaßnahmen getroffen, um einen günstigen Zustand der geschützen Arten und Habitate sicherzustellen. Außerdem setzen sich die EU-Mitgliedstaaten wie Deutschland nicht ausreichend dafür ein, dass genügend EU-Finanzmittel für die Erhaltungsmaßnahmen zur Verfügung stehen.

 

22. Mai: Internationaler Tag der Biodiversität

Logo des IBD.

Am 22. Mai findet sodann der Internationale Tag der Biologischen Vielfalt statt, der von dem Sekretariat der völkerrechtlichen Biodiversitätskonvention (CBD) organisiert wird. Dieser Tag ist ein reines Medien-Ereignis, um die Aufmerksamkeit auf die Artenkrise zu lenken. Weitere Infos finden Sie auf der Webseite der CBD.

Auch der NABU unterstützt und verbreitet diesen Tag, denn er bietet Gelegenheit, auf die eigentlich für Herbst angedachte Biodiversitätskonferenz in Kunming hinzuweisen. Diese ist wegen der Corona-Krise nun auf das Frühjahr 2021 verschoben. Dort soll eine globale Biodiversitätsstrategie post-2020 verabschiedet werden. Auch hier bringt sich der NABU mit konkreten Vorschlägen in die Debatte ein.

Insgesamt gilt: die Biodiversitätskrise pausiert nicht, trotz COVID-19.

2 Kommentare

Ben Hallmann

18.05.2020, 13:05

I live in Greece, monitor for many years biodiversty in an originally very rich area with high diversity of habitats and species. Also importantly, I have profesionally worked in describing presence of birds and other fauna throughout Greece for more than 35 years as indirect (foreign) consultant to environment and agriculture ministries in GR. I am much aware of population declines, not at least in my own area and its wider interesting zones. Neonicotinoids are hardly used in my place: the narrow, more natural areas of Kato Olympos, but extensively in the wider area of Thessaly, central Greece. Insectivorous birds and insects have much declined, some completely disappeared, Other birds, reptiles, amphibians and small mammals to a somewhat lesser extent, but still too much when compared with the situation some 20-30 years ago. My story is of course much longer, but to stay with what in my opinion is the worst problem for biodiversity here, is the use of neonics. This affects not only agricultural area and borderzones, but also habitats far outside them, even in an oldgrown forest close to my place. Neonics have polluted not only the Pinios river catchment, and most freshwater habitats of nearly all irrigation reservoirs of the Karla region of Thessaly. These reservoirs have been excellent bird refuges, logical for the mediterranean region, but most lost their significance for birdlife. The large Karla reservoir, once a paradise for fishes and fish-eating birds, is nearly dead I have learned that also NABU has dealt with the 'remote poisoning' (Fernvergiftung) with systemic insecticides that I see as the main problem to biodiversity, not only in Greece but likely everywhere. Is NABU still active with it? I feel that a full interdiction of all neonicotinoids and similar poisons should have highest priority, and not only in the EU policy but also in many developing countries where biodiversity is still alive.

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Raphael Weyland

Raphael Weyland

21.05.2020, 22:16

Dear Mr. Hallmann, thanks for your nice words from Greece. Despite it not being the main priority of the DE nature NGO NABU: we fully support your asks: At EU level we fight all neonics. For Pesticides we have dedicated reduction targets which we promote towards EU Commission and German Government. The EC just set new targets and will implement them hopefully the next years, see my new blog tomorrow on the EU Biodiversity / EU Farm to Fork Strategy. Best Greetings, Raphael Weyland

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