Vogelzugforschung Beiträge

Melanie weiterhin am Nigerfluss in Mali

Nun schon fast zwei Monate ist Melanie ihrem Winterquartier in der Nigeraue im Südwesten Malis treu. Sie war dort am 17. November letzten Jahres eingetroffen und überwintert etwa drei Kilometer landeinwärts vom Nordwestufer des Flusses entfernt an einem kleinen, von Gehölzen, Feldern und Plantagen gesäumten Niger-Zufluss, etwa vier Kilometer nordöstlich der Ortschaft Banankoro.

Neben anderen Turteltauben, mit denen Melanie vermutlich in einem mehr oder weniger losen Verbund überwintert, dürfte sie ihr Winterquartier mit einer ganzen Reihe anderer dort heimischer Vogelarten teilen. Aus der Gruppe der Tauben kommen Kaptäubchen, Röteltaube, Brillentaube, Halbmondtaube, Palmtaube und Lachtaube in der Region vor und könnten mit einer ähnlichen Lebensweise zumindest teilweise Nahrungskonkurrenten für die Turteltauben darstellen. Darüber hinaus dürften zahlreiche andere Körnerfresserarten aus den Gruppen der Prachtfinken und der Webervögel gemeinsam mit den Turteltauben auf die Suche nach Sämereien gehen. An gefiederten Vogeljägern im Gebiet müssen sich Melanie und ihre Verwandten wohl vor allem vor dem Graubürzel-Singhabicht und dem Lannerfalken in Acht nehmen.

Wir hoffen jedenfalls, dass Melanie ihren Winteraufenthalt in Mali vor potentiellen Fressfeinden sicher und trotz möglicher Nahrungskonkurrenz gut genährt übersteht und im kommenden Frühjahr wohlbehalten in ihr Brutgebiet in Hessen zurückkehren wird.

Drei Körnerfresserarten, die in Melanies Winterquartier heimisch sind. Links: Röteltaube, rechts oben: Olivnackenweber, unten rechts: Bandastrild.

Cyrils zweiter Überwinterungsort im Niger

Während in Deutschland mit dem Jahreswechsel nun das Jahr der Turteltaube begonnen hat, halten sich die Sendertauben – derzeit sind das Cyril, Melanie und Francesco – weiterhin in südlichen Gefilden in Westafrika auf.

Turteltaube an der Tränke.

Dank der großartigen Unterstützung von Colonel Samaila Sahailou, dem Direktor der zuständigen Behörde im Niger (Directeur National de la Faune de la Chasse des Parcs et des Réserves du Niger), mit dem Joost Brouwer freundlicherweise in Kontakt getreten war, hatten wir von seinem Team einen detaillierten Vor-Ort-Bericht von Cyrils erstem Überwinterungsort erhalten. Bereits am 22. November letzten Jahres war er jedoch von seinem ersten Winterquartier im Niger weitere 80 Kilometer in Richtung Südwesten gezogen. Hier hält sich Cyril nun schon über einen Monat in der Nähe der Ortschaft Sehia im Flusstal des Dallol Maouri auf. Derzeit finden sich in der Gegend innerhalb der Flussniederung noch etliche mit Wasser gefüllte Becken und in deren Randbereichen genügend frische Vegetation, sodass wir davon ausgehen können, dass sich Cyril noch länger in seinem zweiten Winterquartier im Niger aufhalten wird. Bis zu seiner Rückreise im Frühjahr sind es allerdings noch über drei Monate, und so kann es durchaus sein, dass er in dieser Zeit weitere Ortswechsel unternehmen wird.

Melanie überwintert in Südwest-Mali

Melanie hält sich nun schon seit einem Monat im Flusstal des Niger im Südwesten Malis auf. Sie war dort am 17. November angekommen. Wenngleich der Wasserstand des Flusses während der Trockenzeit weit zurückgeht, führt der Niger an dieser Stelle ganzjährig Wasser und erlaubt in seiner Flussniederung permanente, zumindest extensive Landwirtschaft. Somit dürfte Melanie in ihrem derzeitigen Winterquartier genügend Nahrung vorfinden. Es wird deutlich, dass der Kern von Melanies Winterquartier lediglich einen Radius von etwa einem Kilometer aufweist. Nur wenige Male bewegte sie sich über diese Kernzone ihres Winterquartiers hinaus.

Melanies derzeitiges Winterquartier in Südwest-Mali. Quelle: Argos

Wie sieht es in Francescos Winterquartier aus?

Das Flusstal des Nakambé mit einzelnen Wasserstellen (dunkelblau), Quelle: Sentinel-hub Playground

Francescos derzeitiger Überwinterungsort, den er um den 21. November erreicht hat, liegt östlich von Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou und nur etwa zehn Kilometer von der Gegend entfernt, in der er bereits im letzten Winter ein paar Monate verbracht hat. Er hält sich hier überwiegend im Flusstal des Nakambé auf, der in der fortschreitenden Trockenzeit vermutlich fast vollständig versiegt. Sieht man sich den Feuchtigkeitsindex des aktuellsten Fehlfarben-Satellitenbilds an, so wird jedoch deutlich, dass sich zur Zeit zumindest noch eine Kette an Wasserstellen das Flusstal entlangzieht, die Francesco als Tränken dienen können.

Vor-Ort-Bericht aus Cyrils erstem Winterquartier

Mehr als anderthalb Monate hatte sich Cyril in seinem ersten Überwinterungsort in der Nähe von Founkouey in einem Flusstal im südlichen Niger aufgehalten. Wir hatten das große Glück, dass der Geschäftsführer der Westafrikanischen Ornithologischen Gesellschaft Dr. Joost Brouwer dem Direktor der zuständigen Behörde in Tahoua im Niger die Koordinaten von Cyrils Senderortungen zukommen ließ und ihn dazu anregte, sich vor Ort ein Bild von Cyrils Winterquartier zu verschaffen. So führte Colonoel Kaïlou Moussa, Directeur Départemental de l’Environnement de la Salubrité Urbaine et du Développement Durable (DDE/SU/DD) in Tahoua im Niger, mit seinem Mitarbeiter Ali Salifou am 6. November eine Exkursion dorthin durch. Kaïlou, der uns schon vor etlichen Jahren auf einer Expedition in der Region begleitet hatte, kennt sich mit der Tier- und Pflanzenwelt des Nigers, hervorragend aus. Joost übermittelte uns den Bericht, den Kaïlou über die Exkursion nach Founkouey zu Cyrils erstem Überwinterunsort verfasst hat.

Melanie unternimmt einen Sprung nach Südosten

In der Zeit zwischen dem 13. und 17. November bewegte sich Melanie aus dem Senegal um weitere 630 km südostwärts und befindet sich seither in der Aue des Nigerflusses im Südwesten Malis, unweit der Grenze zu Guinea. Es ist wahrscheinlich, dass die fortschreitende Trockenzeit sie zu dem Sprung aus der Dornbusch-Grassteppen des südlichen Sahel in die baumreicheren Sudan-Savannen veranlasst hat, da es dort im Augenblick vermutlich noch mehr Nahrung und am Niger auch ausreichend Wasser gibt.

Die Gegend, in der sich Melanie aufhält, liegt etwa 120 km flussaufwärts und südwestlich der malischen Hauptstadt Bamako in der Nähe eines kleinen Ortes namens Banankoro. Auf dem Satellitenbild sind die Felder im Flusstal des Nigers gut zu erkennen, Melanie wird also vermutlich genügend Getreidesamen im Gebiet vorfinden um ihren Nahrungsbedarf zu decken. Von den besenderten Tauben befindet sie sich im Augenblick am weitesten im Süden. Wir sind neugierig, ob die Nigeraue Melanies Hauptüberwinterungsgebiet wird.

Melanies derzeitiger Aufenthaltsort in der Nigeraue in SW-Mali, Quelle: Argos.

Melanies derzeitiger Aufenthaltsort in der Nigeraue in SW-Mali, Quelle: Argos.