Taubert auf dem Herbstzug schon in Südfrankreich

Schon Ende Juli hatte das in Hessen besenderte Turteltauben-Männchen Taubert sein Brutgebiet in der Nähe von Cleeberg verlassen und war in die oberrheinische Tiefebene gezogen. Ich hatte im letzten beitrag darüber berichtet. Am Abend des 24. August hatte Taubert dann mit seiner eigentlichen Reise ins Winterquartier begonnen und war in Richtung Südwesten losgeflogen. Bereits in seiner ersten Zugnacht hatte er etwa 600 Kilometer zurückgelegt und war am nächsten Tag knapp östlich von Lyon in Ost-Frankreich angekommen. Am nächsten Abend zog er dann entlang der Rhone weiter Richtung Mittelmeer. So war er gegen elf Uhr abends nur noch 20 Kilometer von der südfranzösischen Stadt Nimes entfernt.

Abfliegende Turteltaube; Foto: Ben Metzger.

Für Taubert und auch für viele weitere Turteltauben auf der westlichen Zugroute könnte die Reise durch Frankreich allerdings gefährlich werden, weshalb wir die derzeitige Situation mit Sorge betrachten. Denn trotz der laufenden Vertragsverletzungsbeschwerde seitens der Europäischen Kommission gegenüber Frankreich will das Land seinen Jägern diesen Herbst den Abschuss von fast 18 000 Turteltauben genehmigen. Bei den extrem rückläufigen Bestandszahlen für die Art in Europa ist die zusätzliche Belastung der Population durch Bejagung aber keinesfalls nachhaltig. Daher sollte für die Turteltaubenjagd ein absolutes, EU-weites Moratorium gelten, zumindest solange bis sich die Bestände wieder erholt haben. Der NABU hatte daher zur Unterstützung des französichen BirdLife Partners LPO aufgerufen, der gegen die Abschussgenehmigung eine Beschwerde eingelegt hatte, und um Teilnahme an der entsprechenden Konsultation des französischen Umweltministeriums gebeten.

Wie die Sache ausgehen wird, steht trotz der begonnenen Zugsaison momentan noch aus. In jedem Fall werden wir Sie darüber auf dem Laufenden halten. Natürlich hoffen wir, dass der öffentliche Druck diese rein politische Entscheidung, die lediglich der Befriedigung der Jagdlobby dient, noch kippen kann. Dann wären Taubert und seine Artgenossen auf dem Zug über Frankreich in diesem Herbst weniger gefährdet.

Ben Metzger

Ben Metzger

Dr. Ben Metzger ist freischaffender Biologe mit dem Schwerpunkt Ornithologie. Er verfügt über langjährige Berufserfahrung in den Bereichen Naturschutz, Vogelzugforschung, Bestandsmonitoring und Vogelzoonosen. Die letzten fünf Jahre war er bei BirdLife Malta als wissenschaftlicher Leiter und Projektmanager angestellt. Seine Arbeitsschwerpunkte dort waren die Inventarisierung und Ausweisung von Meeresnaturschutzgebieten (mIBAs, MPAs), sowie der angewandte Artenschutz von See- und Zugvögeln im zentralen Mittelmeer.

Der legale und illegale Abschuss von Zugvögeln wie der Europäischen Turteltaube ist auf Malta ein andauerndes Problem.
Ben hat Erfahrung mit GPS- und GLS-Tracking, Radiotelemetrie und Satellitenbesenderung. Seine beruflichen Tätigkeiten der letzten Zeit beinhalten außerdem das Monitoring arktischer Seevogelkolonien in Spitzbergen sowie die Mitarbeit an einem Dokumentarfilmprojekt zum Thema Meeresnaturschutz und Habitatsvernetzung in Baha Kalifornien, Mexiko. Er hat ehrenamtlich für zahlreiche Naturschutzorganisationen und Beringungsprojekte im In- und Ausland gearbeitet. Ben lebt zur Zeit in Lissabon, Portugal.
Ben Metzger

Keine Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Bitte bleibe höflich.
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht und Pflichtfelder sind markiert.