Vogelzugforschung Beiträge

Taubert rastet südlich des Großen Erg

Im vorherigen Blog-Beitrag hatte Eric die Bedeutung der Oasen als Trittsteine für Zugvögel auf ihrer Wüsten-Überquerung dargestellt und die konkreten Probleme und Gefahren erläutert, die mit dem Klimawandel und der sich ausbreitenden Vertrocknung der Oasen auch für unsere Turteltauben einhergehen. Wie relevant die Oasen für Zugvögel tatsächlich sind, können wir schön am Beispiel von Tauberts Reise nachvollziehen.

Er hatte sich gleich nach seinem Flug über das westliche Mittelmeer zur Überquerung der algerischen Sahara aufgemacht. Auf seiner Strecke hatte er vom 21. auf den 22. September auch den Großen Westlichen Erg überwinden müssen, eine riesige Fläche von weitgehend

Die Ortungen von Tauberts Satellitensender aus der Oase von Zaouiet Debagh; Quelle: Argos

vegetationsloser und extrem trockener Sanddünen-Wüste. An dessen Südrand hatte er dann allerdings die Oasengruppe um Tinerkouk und Zaouiet Debagh in Zentral-Algerien zu einem Zwischenstopp angesteuert, wo er seither rastet. Hier hat er in jedem Fall Wasser, Nahrung und den Schatten von Dattelpalmen vorgefunden. So kann er sich hoffentlich schnell von den Strapazen der Überquerung des Erg erholen und seine Reise weiter nach Süden in sein Winterquartier möglicherweise schon recht bald fortsetzten.

 

Oasen – Hotspots der Klimakrise in der Sahara

Zwei unserer Turteltauben haben erfolgreich das Mittelmeer überquert und damit auch die erste große geografische Hürde genommen auf ihrem Zug in ihr Überwinterungsgebiet im Sahel Afrikas. Die zweite steht nun für Julia und Taubert direkt bevor und verlangt vieles von ihnen ab: Die Sahara, größte Wüste der Welt, kann von einem kleinen Vogel wie der Turteltaube zwar in nur vier Tagen gequert werden, wie wir aus unseren Senderdaten wissen, doch trotzdem benötigen sie ab und zu Rastplätze zum Schlafen, Trinken und Fressen.

Die Klimakrise und die einhergehende Erderhitzung trifft nicht nur die Pole und bringt Gletscher zum Schmelzen, sie beschleunigt die Ausbreitung der Wüsten (auch als Desertifikation bezeichnet) und trifft dieses Ökosystem selbst.

Foto: NABU/CEWE/Jörg Tenberken

Wüstenoasen fungieren wie Inseln im Sand aus Meer. Dort sorgen unterirdische Wasseradern oder Grundwasserspeicher für ausreichend günstige Bedingungen für zum Teil üppiges Vegetationswachstum und um Landwirtschaft zu betreiben, etwa durch den Anbau von Dattelpalmen. Durch die Temperaturzunahmen wird in immer mehr Oasen das Wasser vor allem über eine höhere Verdunstung knapp oder sie sind bereits ausgetrocknet.

Stefan Schaaf berichtete am 11. Juli für die ARD aus der Oasenstadt M’hamid El Ghizlane am Rande der Sahara. Lesen Sie hier seine Schilderung zur Verschärfung der Situation dort durch die Klimakrise. Neben den Zukunftsängsten der Bevölkerung wird hier zwischen den Zeilen auch deutlich, welches ökologische Defizit mit dem Schwund dieser Wüsteninseln einhergeht. Für Zugvögel wie die Turteltaube bedeutet der Verlust oder die Verschlechterung dieser Tankstellen, dass die Einzeletappen ohne Pause länger werden oder die Energiereserven nicht mehr für den restlichen Zugweg reichen. Bereits im letzten Jahr sind die zwei Turteltauben Luciano und Jenny aus Brandenburg in der südlichen Sahara aus unbekannten Gründen gestrandet. Ihre Sender zeigten zum Ende ihres Herbstzugs keine Bewegung mehr an. Hoffen wir, dass unsere hessischen Sendertauben heil in ihr Überwinterungsgebiet finden!

Taubert zieht übers Mittelmeer nach Algerien

Tauberts Mittelmeer-Überquerung westlich der Balearen

Fast drei Wochen lang hatte Taubert an der spanischen Mittelmeerküste zwischen Barcelona und Valencia gerastet. In der Nacht vom 19. auf den 20. September war er dann von dort direkt nach Süden losgeflogen, hatte das westliche Mittelmeer nach Nordafrika überquert und war am nächsten Morgen westlich von Algier an der algerischen Küste angekommen. Interessanterweise wählte Taubert für seine Mittelmeer-Überquerung auf den afrikanischen Kontinent nicht die kürzeste Strecke übers Meer – das wäre die Straße von Gibraltar gewesen.

Jetzt scheint er auch nicht länger in Nord-Algerien zu rasten, sondern setzte gleich in der nächsten Nacht zur Überquerung der Sahara an. Das kann er sich nach der langen Rast in Spanien, auf der er sich bestimmt genügend Reserven angefressen hat, wohl leisten.

Julia als erste in Afrika

Julias Reise durch Spanien nach Marokko

Julia hatte nach der ersten großen Strecke auf dem Wegzug aus ihrem hessischen Brutgebiet etwa eine Woche lang in Zentralspanien gerastet. Am Abend des 12. September war sie dann in Etappen recht zügig in Richtung Süden weitergeflogen. Am 13. machte sie tagsüber Rast im Naturpark von Cornalvo, knapp nördlich von Mérida. Am späten Abend des 15. September war sie auf der Höhe Sevillas in Südspanien, angekommen und flog noch in der selben Nacht etwas westlich der Meeresenge von Gibraltar nach Nordafrika. Seit dem 16. rastet Julia nun in Marokko, etwa dreißig Kilometer südöstlich von Rabat. Hier hält sie sich in einer Gegend mit größeren Getreidefeldern auf. Vermutlich wird sie sich dort etwas länger aufhalten, um sich für die bevorstehende Überquerung der Sahara genügend Reserven anzufressen.

Romeo macht sich als letzer auf die Reise

Romeo (braun) wählt wie Melanie, Julia und Taubert die Route über Frankreich.

Romeo, den die Wissenschafterl*innen der Universität Gießen in diesem Sommer als erste Turteltaube mit einem Sender ausgestattet hatten, startete seine Reise aus seinem Brutgebiet bei Cleeberg in Richtung Winterquartier als letzter. Damit sind nun alle Sendertauben auf dem Weg in ihr Überwinterungsgebiet im Sahel Afrikas.

Er war am Abend des 6. Septembers Richtung Süden losgezogen und gegen elf Uhr abends bis nach Kaiserslautern gekommen, flog in seiner ersten Zugnacht vermutlich aber noch weiter. Denn schon am Abend des nächsten Tages erreichten uns die Signale seines Senders aus der Nähe von Clermond-Ferrand im Zentrum Frankreichs. Noch in der gleichen Nacht zog er dann bis nach Südfrankreich an die Garonne, wo er sich seither auf etwa halber Strecke zwischen Bordeaux und Tulouse in landwirtschaftlich genutzten Flächen zur Rast aufhält. Ich gehe nun davon aus, dass er schon sehr bald über die Pyrenäen nach Spanien weiterfliegen wird.

Taubert zieht die Costa Brava entlang

Von Tauberts Reise nach Südfrankreich hatten wir bereits vor einigen Tagen berichtet. In der Nacht des 26. auf den 27. August zog er nun von der Region Nimes aus weiter Richtung Südwesten und war am Abend des 27. bei Perpignan, unweit der spanischen Grenze an den Nordostausläufern der Pyrenäen. In der Nacht auf den 28. flog er dann nach Spanien weiter entlang der Costa Brava und rastete danach bis zum 30. August am Mittelmeer südwestlich von Barcelona, zwischen Barcelona und Tarragona. Am 31. morgens erreichten uns dann die nächsten Peilungen seines Satellitensenders aus der Nähe des Ebrodeltas, das Naturfreunden aufgrund der großen Vielfalt an dort rastenden und brütenden Wasservogelarten ein Begriff ist. Taubert hält sich seither in der Region auf und rastet küstennah ca. 30 Kilometer südlich der Flussmündung in Kulturland. Gespannt warten wir, wie es mit seiner Reise weitergeht und fragen uns wann er wohl das Mittelmeer überquert.

Rastende Turteltauben bei der Nahrungssuche; Foto: Ben Metzger