Turteltauben Beiträge

Virginijus ein Opfer der Herbstjagd?

Comino, 5. Mai 2020

Turteltaube Virginijus direkt nach seiner Besenderung; Foto: Nicholas Galea, BirdLife Malta

Schon seit dem ersten Septembers gibt es kein Signal von Virginijus, und das bedeutet leider aller Wahrscheinlichkeit nach schlechte Nachrichten.

Virginijus hatten die Kollegen von BirdLife Malta in diesem Frühjahr auf der maltesischen Insel Comino besendert. Zum Brüten war er wie die meisten der auf Malta besenderten Turteltauben nach Italien gezogen. Sein Brutrevier hatte Virginijus in einem Küstenwaldstück am Mittelmeer in der Toskana, direkt gegenüber der Insel Elba.

Immerhin konnten wir mit Hilfe seines Senders während der gesamten Brutsaison viele wertvolle Daten über seine Aufenthaltsorte sammeln und auch seine letzten Ortungen erreichten uns von dort. Leider ist es nicht unwahrscheinlich, dass Virginijus das Schicksal mit unzähligen weiteren Turteltauben und Vögeln anderer Arten teilt und in Italien ein Opfer der Herbstjagd auf Zugvögel wurde.

Romeo macht sich als letzer auf die Reise

Romeo (braun) wählt wie Melanie, Julia und Taubert die Route über Frankreich.

Romeo, den die Wissenschafterl*innen der Universität Gießen in diesem Sommer als erste Turteltaube mit einem Sender ausgestattet hatten, startete seine Reise aus seinem Brutgebiet bei Cleeberg in Richtung Winterquartier als letzter. Damit sind nun alle Sendertauben auf dem Weg in ihr Überwinterungsgebiet im Sahel Afrikas.

Er war am Abend des 6. Septembers Richtung Süden losgezogen und gegen elf Uhr abends bis nach Kaiserslautern gekommen, flog in seiner ersten Zugnacht vermutlich aber noch weiter. Denn schon am Abend des nächsten Tages erreichten uns die Signale seines Senders aus der Nähe von Clermond-Ferrand im Zentrum Frankreichs. Noch in der gleichen Nacht zog er dann bis nach Südfrankreich an die Garonne, wo er sich seither auf etwa halber Strecke zwischen Bordeaux und Tulouse in landwirtschaftlich genutzten Flächen zur Rast aufhält. Ich gehe nun davon aus, dass er schon sehr bald über die Pyrenäen nach Spanien weiterfliegen wird.

Taubert zieht die Costa Brava entlang

Von Tauberts Reise nach Südfrankreich hatten wir bereits vor einigen Tagen berichtet. In der Nacht des 26. auf den 27. August zog er nun von der Region Nimes aus weiter Richtung Südwesten und war am Abend des 27. bei Perpignan, unweit der spanischen Grenze an den Nordostausläufern der Pyrenäen. In der Nacht auf den 28. flog er dann nach Spanien weiter entlang der Costa Brava und rastete danach bis zum 30. August am Mittelmeer südwestlich von Barcelona, zwischen Barcelona und Tarragona. Am 31. morgens erreichten uns dann die nächsten Peilungen seines Satellitensenders aus der Nähe des Ebrodeltas, das Naturfreunden aufgrund der großen Vielfalt an dort rastenden und brütenden Wasservogelarten ein Begriff ist. Taubert hält sich seither in der Region auf und rastet küstennah ca. 30 Kilometer südlich der Flussmündung in Kulturland. Gespannt warten wir, wie es mit seiner Reise weitergeht und fragen uns wann er wohl das Mittelmeer überquert.

Rastende Turteltauben bei der Nahrungssuche; Foto: Ben Metzger

Francescos Sender verstummt nach dreieinhalb Jahren

Turteltaubenmännchen im Brutgebiet; Foto: Ben Metzger

Am Abend des 14. August erhielten wir das bisher letzte Signal von Francescos Satellitensender, da war das Turteltauben-Männchen noch in seinem Brutrevier in Süditalien.

Wir hatten Francesco am 23. April 2017 auf der maltesischen Insel Comino besendert, wo er auf dem Frühjahrszug ins Brutgebiet Rast gemacht hatte. Mit fast dreieinhalb Jahren hat er mit seinem Sender von allen Turteltauben im Projekt bisher mit Abstand am längsten Daten geliefert. Insgesamt konnten wir ihn über vier Brutperioden in Kampanien und drei komplette Zug- und Überwinterungszyklen verfolgen.

Über Francescos Schicksal können wir leider nur spekulieren. Von den übertragenen Daten wissen wir aber, dass die Spannung seines Senders bis zum Schluss ausreichend hoch waren – fallen diese immer weiter ab, deutet das darauf hin, dass der Sender Probleme mit der

Julia fliegt 1.300 km in nur zwei Nächten

Turteltaube Julia war wie Melanie in ihrem Brutrevier bei Hungen besendert worden, allerdings erst in diesem Sommer. Das letzte Signal ihres Satellitensenders aus dem Brutgebiet erhielten wir am 1. September. Am nächsten Morgen war Julia dann schon 700 km weiter südwestlich im Herzen Frankreichs, zwischen den Städten Guéret und Gouzon. Dort hielt sie sich nicht lange auf, denn schon am Abend des selben Tages ging es wieder in Richtung Südwesten weiter, sodass sie am frühen Morgen des 3. Septembers die Grenze zu Spanien und die Pyrenäen überquerte. Noch am gleichen Morgen erreichten uns dann weitere Signale aus dem Landesinneren Spaniens, etwa 50 Kilometer östlich der Stadt Burgos in der Provinz Kastilien und León.

Dösende Turteltauben im Rastgebiet auf einem Baum; Foto: Ben Metzger

Offensichtlich hatte es Julia auf der ersten Etappe ihres Herbstzuges recht eilig – in nur zwei Nächten legte sie die beachtliche Strecke von 1.300 Kilometern Luftlinie zurück. Nun scheint sie sich aber erstmal auszuruhen, denn seither rastet sie in bewässertem Kulturland etwa 10 km südlich von Tordesillas, einem am Fluss Douro gelegen Städtchen in Zentralspanien.

 

Melanie zieht als Dritte los

Foto: Ben Metzger

Turteltaube im Rastgebiet auf Nahrungssuche; Foto: Ben Metzger

Nach Taubert und Frieda began Melanie am 31. August als Dritte der in Hessen besenderten Turteltauben mit ihrer Reise ins Winterquartier. Die Wissenschaftler*innen der Universität Gießen hatten sie bereits im Sommer 2019 bei Hungen mit einem Satellitensender ausgestattet. Dorthin war sie recht spät in diesem Frühjahr zur Brut zurückgekehrt, nachdem sie den Winter in Westafrika verbracht hatte.

In ihrer ersten Zugnacht in diesem Herbst legte Melanie 240 Kilometer in Richtung Südwesten zurück und hatte am frühen Morgen des ersten September ca. 30 Kilometer westlich von Straßburg die Vogesen erreicht. Ich vermute, dass sie wie im vorherigen Jahr die Südwestroute über die Iberische Halbinsel nach Nordafrika wählen wird. Vorerst hat sie sich wohl jedoch zu einer längeren Zwischenrast entschieden, denn am siebten September war sie immer noch in den Vogesen. Muss sie sich für den Zug etwa noch weitere Energiereserven anfressen?