Turteltauben Beiträge

Bleibt Julia in Marokko auf der Strecke?

Bereits vor zwei Wochen war Julia als erste unserer Sendertauben in Nordafrika angekommen. Von ihrem Rastort in Nordmarokko, etwas südöstlich der Großstadt Rabat aus einer Gegend mit recht intensivem Getreideanbau, erreichten uns dann in der Nacht des 17. September kurz nach Mitternacht die letzten Signale ihres Satellitensenders. Leider können wir aus den zusätzlichen Daten von Julias Sender, die uns mit diesen letzten Ortungen erreichten, nicht ableiten, ob Julia etwas zugestoßen ist, oder eventuell lediglich der Sender ausgefallen ist. In jedem Fall stellt die Zugzeit für Turteltauben und viele weitere Zugvogelarten eine entbehrungsreiche und gefahrvolle Periode in ihren Lebenszyklen dar. Außerdem ist bekannt, dass Turteltauben in Marokko immer noch intensiv bejagt werden, inklusive von Jagdtouristen aus Europa.

Turteltaube im Rastgebiet auf einem abgeernteten Getreidefeld; Foto: Ben Metzger

Romeo schon in Mauretanien

Bis zum 22. September hatte Romeo in Südfrankreich Zwischenrast gemacht und war dann in der Nacht auf den 23. durchgestartet, vorerst in südwestliche Richtung. In der Nacht vom 23. auf den 24. bog er nach Süden ab, ließ Madrid westlich liegen und war am 24. abends bereits östlich von Granada in Südspanien angekommen. Die Alborán-See überflog er noch in der selben Nacht und erreichte Marokko nicht weit der spanischen Enklave Melilla. In der nächsten Nacht überflog Romeo den Mittleren Atlas, nur wenig östlich des Berges Bou Nasser, mit 3340 Metern die höchste Erhebung dieses Gebirgszuges. Am Abend des 26. September war Romeo dann schon in West-Algerien und flog zügig weiter Richtung Süden, war am 28. morgens in Nord-Mali und dann am morgen des 29. im Südosten Mauretaniens. Damit hat er die westliche Sahara schon fast überwunden und wir können erwarten, dass er demnächst sein Winterquartier im Sahel erreicht. In jedem Fall staunen wir über Romeos gewaltige Flugleistung, schließlich war er in einer Woche von Südfrankreich bis nach Westafrika gezogen – in etwa dreitausend Kilometer Luftlinie.

Romeos Flugstrecke in einer Woche von Südfrankreich nach Mauretanien; Quelle: Argos

Taubert rastet südlich des Großen Erg

Im vorherigen Blog-Beitrag hatte Eric die Bedeutung der Oasen als Trittsteine für Zugvögel auf ihrer Wüsten-Überquerung dargestellt und die konkreten Probleme und Gefahren erläutert, die mit dem Klimawandel und der sich ausbreitenden Vertrocknung der Oasen auch für unsere Turteltauben einhergehen. Wie relevant die Oasen für Zugvögel tatsächlich sind, können wir schön am Beispiel von Tauberts Reise nachvollziehen.

Er hatte sich gleich nach seinem Flug über das westliche Mittelmeer zur Überquerung der algerischen Sahara aufgemacht. Auf seiner Strecke hatte er vom 21. auf den 22. September auch den Großen Westlichen Erg überwinden müssen, eine riesige Fläche von weitgehend

Die Ortungen von Tauberts Satellitensender aus der Oase von Zaouiet Debagh; Quelle: Argos

vegetationsloser und extrem trockener Sanddünen-Wüste. An dessen Südrand hatte er dann allerdings die Oasengruppe um Tinerkouk und Zaouiet Debagh in Zentral-Algerien zu einem Zwischenstopp angesteuert, wo er seither rastet. Hier hat er in jedem Fall Wasser, Nahrung und den Schatten von Dattelpalmen vorgefunden. So kann er sich hoffentlich schnell von den Strapazen der Überquerung des Erg erholen und seine Reise weiter nach Süden in sein Winterquartier möglicherweise schon recht bald fortsetzten.

 

Taubert zieht übers Mittelmeer nach Algerien

Tauberts Mittelmeer-Überquerung westlich der Balearen

Fast drei Wochen lang hatte Taubert an der spanischen Mittelmeerküste zwischen Barcelona und Valencia gerastet. In der Nacht vom 19. auf den 20. September war er dann von dort direkt nach Süden losgeflogen, hatte das westliche Mittelmeer nach Nordafrika überquert und war am nächsten Morgen westlich von Algier an der algerischen Küste angekommen. Interessanterweise wählte Taubert für seine Mittelmeer-Überquerung auf den afrikanischen Kontinent nicht die kürzeste Strecke übers Meer – das wäre die Straße von Gibraltar gewesen.

Jetzt scheint er auch nicht länger in Nord-Algerien zu rasten, sondern setzte gleich in der nächsten Nacht zur Überquerung der Sahara an. Das kann er sich nach der langen Rast in Spanien, auf der er sich bestimmt genügend Reserven angefressen hat, wohl leisten.

Julia als erste in Afrika

Julias Reise durch Spanien nach Marokko

Julia hatte nach der ersten großen Strecke auf dem Wegzug aus ihrem hessischen Brutgebiet etwa eine Woche lang in Zentralspanien gerastet. Am Abend des 12. September war sie dann in Etappen recht zügig in Richtung Süden weitergeflogen. Am 13. machte sie tagsüber Rast im Naturpark von Cornalvo, knapp nördlich von Mérida. Am späten Abend des 15. September war sie auf der Höhe Sevillas in Südspanien, angekommen und flog noch in der selben Nacht etwas westlich der Meeresenge von Gibraltar nach Nordafrika. Seit dem 16. rastet Julia nun in Marokko, etwa dreißig Kilometer südöstlich von Rabat. Hier hält sie sich in einer Gegend mit größeren Getreidefeldern auf. Vermutlich wird sie sich dort etwas länger aufhalten, um sich für die bevorstehende Überquerung der Sahara genügend Reserven anzufressen.

Teilerfolg: 11.000 Turteltauben sicher in Frankreich!

Foto: BirdLife Europe

Unser BirdLife-Partnerverband LPO hat uns heute darüber informiert, dass am vergangenen Freitag die Jagd auf Turteltauben in Frankreich für diese Saison vom Staatstrat vorzeitig beendet wurde (Pressemitteilung (frz.) von LPO)!

Leider war dies zu spät für den Beginn der Jagdsaison, denn das Dekret wurde vom zuständigen Ministerium erst zwei Tage vor dem Eröffnungstermin des 29. Augusts veröffentlicht, aber früh genug, um die Jagd zum Beginn der zweiten Septemberhälfte einzustellen. Französische Jäger nutzten zwar die Lücke von zwei Wochen um Turteltauben zu schießen, jedoch waren es mit 7.000 weit weniger als die vorher geltende Quote von knapp 18.000 Vögeln.

Die für die Staatsratsentscheidung zugrundeliegende öffentliche Konsultation (mehr als 19.000 Beiträge) ergab 75,2 Prozent der Stimmen gegen die Jagd auf Turteltauben. Der NABU ist LPO am 10. August mit einem kurzfristigen Aufruf in Deutschland zur Seite gesprungen. Und tatsächlich – allein dank Ihrer Unterstützung können wir davon ausgehen, dass auch einige hundert deutsche Stimmen gegen die Jagd auf „unsere“ dort durchziehenden Turteltauben geholfen haben.

Diese erfreuliche Entwicklung stimmt uns hoffnungsvoll für unsere Sendertauben: Vier von fünf haben auf ihrem begonnen Zug in die Überwinterungsgebiete den Weg über Frankreich gewählt!