Ben Metzger Beiträge

Besenderung 2020 – das ist Frieda

Die Turteltaube Frieda ging den Wissenschaftler*innen am späten Nachmittag des siebten Juni in die Käfigfalle. In der selben Falle am Rande eines Wildackers bei Cleeberg in Hessen hatten sie bereits zwei Tage zuvor eine männliche Turteltaube gefangen und erfolgreich besendert.

Portrait von Turteltauben-Weibchen Frieda; Foto: K. Baumann

Frieda, offensichtlich ein Weibchen, wog bei ihrem Fang 155 Gramm. Vorsichtig wurde sie umgehend aus der Falle befreit und dann mit einem der nur fünf Gramm schweren Satellitensendern ausgestattet. Der Sender wird dem Vogel dabei mit individuell angepassten Schlaufen aus Teflonband im Prinzip wie ein Rucksack aufgesetzt, sodass er die Bewegungsfreiheit seines Trägers nicht im Geringsten einschränkt. Auch Frieda wurde gleich nach der Besenderung wieder in die Freiheit entlassen. Am Tag ihres Fangs war sie mit einem Partner an der Futterstelle, der allerdings keinen Sender trug. So wissen die Forscher*innen, dass mindestens zwei Turteltaubenpaare die Futterstelle bei Cleeberg aufsuchten. Hoffen wir, dass die Turteltauben derzeit im Gebiet eine erfolgreiche Brutsaison haben.

Besenderung 2020 – das ist Romeo

Turteltaubenmännchen Romeo bei seiner Besenderung; Foto: L. Koch.

Das Turteltauben-Männchen Romeo, war der erste Vogel, der in diesem Jahr in Deutschland mit einem Satellitensender ausgestattet wurde. Bei der Besenderung wog er knapp 150 Gramm. Er war am fünften Juni in der Nähe von Cleeberg in einer von zwei Kastenfallen gefangen worden, die die Wissenschaftler*innen der Justus-Liebig-Universität Gießen dort am Rande eines Wildackers bereits einige Tage zuvor unter zwei Kirschbäumen platziert und mit Lockfutter versehen hatten. In den Tagen vor dem Fang hatten sie die Fallen so aufgestellt, dass sie permanent

Hope lost

Bedauerlicherweise sieht es sehr danach aus, dass wir die Hoffnung für Turteltaube Hope aufgeben müssen. Ihr Sender hatte uns zum letzten Mal am Abend des 22. Juni eine Peilung ihres Standorts geliefert. Diese war recht präzise und kam erstaunlicherweise von See, südlich von Sizilien und nordöstlich von Malta.

Die erstaunliche Mehrfachüberquerung des Mittelmeers von Turteltaube Hope in diesem Frühjahr.

Bis zum Zeitpunkt ihrer letzten Ortung war Hope jedoch noch für eine weitere Überraschung gut gewesen. Wir hatten bereits früher an dieser Stelle berichtet, wie sie am 1. Juni völlig unerwartet vom Süden Siziliens zurück nach Nord-Libyen geflogen war. Nach etwas mehr als zwei Wochen Aufenthalt etwas westlich von Tripolis, machte sie sich erstaunlicherweise dann am 16. Juni erneut in nördlicher Richtung auf die Reise und war am Abend des 17. Juni zurück in Sizilien, allerdings etwas weiter südöstlich als bei ihrem vorherigen Aufenthalt. Was genau sie zu dieser Mehrfachüberquerung des Mittelmeers in diesem Frühjahr veranlasst hat und weshalb sie dann bereits nach wenigen Tagen ein weiteres Mal von Sizilien nach Süden aufgebrochen ist, vermögen wir beim besten Willen nicht zu beantworten. Zu gerne wüssten wir natürlich auch was das nächste Ziel ihres letzten aufgezeichneten Fluges war und welches Schicksal sie oder ihren Sender ereilt hat.

Melanies lange Rückkehr ins Brutgebiet

Nachdem Turteltaube Melanie Anfang Mai die Sahara überquert hatte – wir hatten darüber früher an dieser Stelle berichtet – machte sie über zwei Wochen in Marokko in einer Gegend zwischen dem Küstenort Essaouira und Marrakesch Rast. Dort hielt sie sich vom 8. bis zum 25. Mai in bewässertem, intensiv genutztem Kulturland auf. Ende Mai flog sie dann etwa 280 Kilometer weiter nach Nordosten und erreichte ihren nächsten Rastplatz etwas nördlich von Casablanca, der größten Stadt Marokkos. Hier rastete sie für weitere fünf Tage.

Autor: Ben Metzger

Überziehende Turteltaube

Vom 1. auf den 2. Juni flog sie dann weiter nach Norden und wechselte nach Europa über. Schenkt man den Ortungen ihres Satellitensenders Glauben, war sie dabei von Casablanca

Cyril bleibt im Sahel auf der Strecke

Wie bereits früher an dieser Stelle berichtet, hatte Cyril den Heimzug aus seinem Winterquartier im Süd-Niger Richtung Norden Ende April gestartet. Leider war er nicht sehr weit gekommen und dann sogar von seinem Nordkurs abgewichen und ein Stück weit zurückgeflogen. Aus der Halbwüste im Zentrum der Region Tahoua im Niger erhielten wir vom ersten Mai an stationäre Ortungen seines Satellitensenders. Am 9. Mai verstummte Cyrils Sender dann am selben Ort, westlich des strikten Wildtier-Reservats von Tádres. Nach über einem Monat müssen wir leider davon ausgehen, dass Cyril dort umgekommen sein dürfte. Ihn hat damit womöglich ein ähnliches Schicksal ereilt, wie zuvor schon Dana, Jenny und Luciano, in der gleichen Halbwüstenregion am Südrand der Sahara.

Wüstenuhu (Bubo ascalaphus) auf Akazie im Sahel, Niger; Foto: Ben Metzger

An natürlichen Feinden könnten die Turteltauben unter anderen manchmal dem Wüstenuhu begegnen, der in der Region ganzjährig heimisch ist und sicherlich auch ab und an eine rastende Turteltaube erbeutet. Gänzlich ausschliessen lässt sich auch Abschuss oder Fang nicht, allerdings scheinen die Orte, an denen die Vögel gestrandet sind, dafür sehr unwahrscheinlich. Es sieht schlicht nicht danach aus, als gäbe es in dieser Gegend viel Bevölkerung.

Allerdings kann davon ausgegangen werden, dass klimatische Veränderungen in der Gegend, mit abnehmenden Niederschlägen, einem erhöhten Weidedruck und dem damit einhergehenden Rückgang der Vegetation und offener Wasserstellen den Turteltauben auf dieser Etappe ihres Zugweges immer stärker zu schaffen machen. Der Klimawandel könnte außerdem stärkere Hitzewellen und häufigere Sandstürme in die Region bringen. All dies könnte dann für eine wachsende Anzahl an Individuen bedeuten, dass sie die Querung der sich ausbreitenden Wüste nicht mehr schaffen und dort buchstäblich auf der Strecke bleiben. Letztlich dürfte dies auch ein Faktor sein, weshalb die Art im Großteil ihres Verbreitungsgebiets immer weiter zurückgeht, und dem mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden müsste.

Brunnen im Sahel, Niger; Foto: Ben Metzger

Übers Ziel hinaus geschossen?

Turteltaube Hope, die am vierten Mai auf der maltesischen Insel Comino besendert worden war, hatte sich vom sechsten bis zum 31. Mai im Süden Siziliens aufgehalten. Wir waren daher davon ausgegangen, dass ihr Flug von Malta nach Sizilien schon die letzte Etappe ihres Frühjahrszugs darstellte und sie auf der Insel zur Brut schreiten würde. So hatte ich hier an früherer Stelle geschrieben, dass Hope Sizilianerin sei.

Der Flug von Hope übers Mittelmeer von Sizilien zurück nach Nordafrika am ersten Juni.

Nun sieht es allerdings sehr danach aus, als hätte ich mich darin geirrt, denn in der Nacht auf den ersten Juni war Hope – für mich völlig unerwartet – über das Mittelmeer nach Süden zurück nach Nordafrika geflogen. Seither hält sie sich etwa 50 km westlich der libyschen Hauptstadt Tripolis in Agrarland mit Feldern und Olivenhainen auf.

Versuchen wir Hopes Zugbewegungen zu verstehen. Sicherlich kann ausgeschlossen werden, dass sie nach nur knapp einem Monat auf Sizilien Anfang Juni schon wieder ihre Rückreise ins Winterquartier angetreten hat. Viel wahrscheinlicher ist es, dass unsere Kollegen auf Malta mit Hope einen Vogel der