Ben Metzger Beiträge

Auch Frieda startet durch

In der Nacht vom 29. auf den 30. August begann auch die hessische Turteltaube Frieda mit ihrem Herbstzug ins Winterquartier. In südwestlicher Richtung legte sie in ihrer ersten Zugnacht etwa 200 Kilometer zurück und war am nächsten Morgen am Ober-Rhein auf der französischen Seite des Flusses, nur zehn Kilometer nördlich von Straßburg im Elsass angekommen. In der Gegend um Straßburg rastete sie bis zum fünften September.

Turteltaube auf einem Baum rastend; Foto: Ben Metzger

Mit ihrem anfänglichen Abzug nach Südwesten ging ich davon aus, dass auch Frieda, wie schon zuvor Taubert über Frankreich die iberische Halbinsel ansteuern würde. Umso überraschender war es dann, dass wir das nächste Signal ihres Senders am sechsten September gegen fünf Uhr morgens aus Mailand in Norditalien erhielten. Sie war also nach Süden abgebogen und hatte die Alpen überquert. Am sechsten September flog sie tagsüber weiter Richtung Süden und war am Morgen des siebten September am Fluss Po angekommen. Somit sieht es im Augenblick ganz danach aus, als hätte sich Frieda für die zentrale Zugroute übers Mittelmeer entschieden. Hoffen wir, dass sie dort nicht ein Opfer der Jagd wird, denn leider werden auch diesen Herbst Turteltauben in Italien und auf Malta immer noch ganz legal bejagt.

Taubert auf dem Herbstzug schon in Südfrankreich

Schon Ende Juli hatte das in Hessen besenderte Turteltauben-Männchen Taubert sein Brutgebiet in der Nähe von Cleeberg verlassen und war in die oberrheinische Tiefebene gezogen. Ich hatte im letzten beitrag darüber berichtet. Am Abend des 24. August hatte Taubert dann mit seiner eigentlichen Reise ins Winterquartier begonnen und war in Richtung Südwesten losgeflogen. Bereits in seiner ersten Zugnacht hatte er etwa 600 Kilometer zurückgelegt und war am nächsten Tag knapp östlich von Lyon in Ost-Frankreich angekommen. Am nächsten Abend zog er dann entlang der Rhone weiter Richtung Mittelmeer. So war er gegen elf Uhr abends nur noch 20 Kilometer von der südfranzösischen Stadt Nimes entfernt.

Abfliegende Turteltaube; Foto: Ben Metzger.

Für Taubert und auch für viele weitere Turteltauben auf der westlichen Zugroute könnte die Reise durch Frankreich allerdings gefährlich werden, weshalb wir die derzeitige Situation mit Sorge betrachten. Denn trotz der laufenden Vertragsverletzungsbeschwerde seitens der Europäischen Kommission gegenüber Frankreich will das Land seinen Jägern diesen Herbst den Abschuss von fast 18 000 Turteltauben genehmigen. Bei den extrem rückläufigen Bestandszahlen für die Art in Europa ist die zusätzliche Belastung der Population durch Bejagung aber keinesfalls nachhaltig. Daher sollte für die Turteltaubenjagd ein absolutes, EU-weites Moratorium gelten, zumindest solange bis sich die Bestände wieder erholt haben. Der NABU hatte daher zur Unterstützung des französichen BirdLife Partners LPO aufgerufen, der gegen die Abschussgenehmigung eine Beschwerde eingelegt hatte, und um Teilnahme an der entsprechenden Konsultation des französischen Umweltministeriums gebeten.

Wie die Sache ausgehen wird, steht trotz der begonnenen Zugsaison momentan noch aus. In jedem Fall werden wir Sie darüber auf dem Laufenden halten. Natürlich hoffen wir, dass der öffentliche Druck diese rein politische Entscheidung, die lediglich der Befriedigung der Jagdlobby dient, noch kippen kann. Dann wären Taubert und seine Artgenossen auf dem Zug über Frankreich in diesem Herbst weniger gefährdet.

Taubert fliegt als erster los

Das Turteltauben-Männchen Taubert, das die Wissenschaftler*innen der Justus-Liebig-Universität Gießen am 13. Juni besendert hatten, hat als erster sein hessisches Brutgebiet in der Nähe von Cleeberg verlassen. Am Vormittag des 31. Juli flog er etwa 80 Kilometer in südsüdwestlicher Richtung und hält sich seither etwas nordwestlich von Worms in einer von Landwirtschaft geprägten Gegend in der oberrheinischen Tiefebene auf. Wir denken, dass Taubert mit diesem ersten bedeutenderen Ortswechsel aus dem Brutgebiet heraus noch nicht mit seinem eigentlichen Herbstzug begonnen hat, wenngleich die Wegzugsrichtung einigermaßen stimmt. Vielmehr nehmen wir an, dass für ihn die Nachbrutzeit begonnen hat.

Im Anschluss an die Brutzeit führen die Tauben einen Großteil ihres Gefiederwechsels durch, die sogenannte Nachbrutmauser. Falls Taubert erfolgreich Junge groß gezogen hat, sind diese nun sicherlich selbständig. Damit ist er nun nicht mehr an einen Neststandort gebunden und konnte für den Ressourcen zehrenden Gefiederwechsel ein geeignetes Mausergebiet aufsuchen. Darüber hinaus dürfte er sich in den kommenden Tagen bis Wochen auch noch die notwendigen Energiereserven anfressen um den den kräftezehrenden Herbstzug ins Winterquartier gut zu überstehen.

Turteltaube bei der Nahrungssuche auf einem Waldweg; Foto: Ben Metzger.

Ähnliche Ortswechsel nach der Brutzeit hatten wir bereits in den Vorjahren bei weiteren unserer Sendertauben beobachten können, so zum Beispiel auch beim italienischen

Alle Tauben haben nun einen Namen

In diesem Sommer haben wir vier neue Turteltauben in ihren jeweiligen Brutgebieten in Hessen mit einem Sender ausgestattet. So können wir den kommenden Herbstzug der Tauben hier verfolgen.

Dank der großartigen Beteiligung an unserem Namenswettbewerb haben alle Tauben nun passende Namen: Nachdem Sie online über die Namensvorschläge abgestimmt haben, heißen die Turteltauben-Damen jetzt Frieda und Julia, während die Turteltauben-Männchen die Namen Romeo und Taubert bekommen haben. Auf NABU.de gibt es dazu ebenfalls einen neuen Beitrag: https://www.nabu.de/news/2020/07/28455.html.

In den vorhergehenden Blogbeiträgen haben wir unsere Neuzugänge ja bereits vorgestellt, unter anderem mit einem kurzem Video ihrer Freilassung nach erfolgreicher Besenderung – und jetzt hat jeder von ihnen auch einen Namen.

Besenderung 2020 – das ist Taubert

Turteltauben-Männchen Taubert nach Besenderung am 13. Juni; Foto: D. Höhn

Die Turteltaube Taubert hatten die Wissenschaftler*innen der Universität Gießen am 13. Juni als letzte Turteltaube in diesem Jahr mit einem Satellitensender ausgestattet. Das 173 Gramm schwere Männchen war, wie bereits zwei Vögel zuvor, ebenfalls an der Futterstelle auf einem Wildacker nahe Cleeberg gefangen worden. Die Forscher*innen hatten dort ihr Glück erneut versucht, nachdem sie auf Bildern der Wildkamera vor Ort gesehen hatte, dass mindestens ein unbesendertes Turteltaubenpaar und ein weiteres Einzeltier die Futterstelle regelmäßig aufsuchten. Um nach einigen erfolglosen Fangversuchen die Chancen zu erhöhen, hatten sie die Zahl der Fangkäfige an der Futterstelle verdoppelt. Taubert war dann allerdings in genau die gleiche Falle gelaufen, wie vor ihm schon die bisher unbenannten Vögel 1 und 2. Auch er war offensichtlich verpaart und am Tag seines Fangs mit einem Weibchen unterwegs, das keinen Sender trug.

Besenderung 2020 – das ist Julia

Die Turteltaube Julia ging den Wissenschaftler*innen der Universtität Gießen am 8. Juni nahe der Ortschaft Villingen (Stadt Hungen) am Rande eines Naturschutzgebiets in die Falle. Die weibliche Turteltaube wog bei ihrem Fang knapp 150 Gramm. Am selben Futterplatz auf einem Wildacker an einem Waldrand war im letzten Jahr auch die Turteltaube Melanie gefangen und besendert worden.

Wildkamera-Aufnahme vom Futterplatz zum Zeitpunkt des Fangs von Julia.

Auch Julia war am Tag ihres Fangs mit einem Partner an der Futterstelle. Interessanterweise hatte außerdem ein Eichelhäher das Futter für sich entdeckt und war als erster in eine der beiden Käfigfallen gegangen. Julia war dann nur kurze Zeit später in die zweite vor Ort aufgestellte Falle gelaufen.

Turteltauben-Weibchen Julia bei ihrer Besenderung; Foto: L. Koch

Nach ihrem Fang wurde Julia zügig aus der Falle befreit, besendert und wieder in die Freiheit entlassen. Spätere Aufnahmen der Wildkamera vor Ort zeigen, dass auch sie nach einigen Tagen mit ihrem Partner wieder an der Futterstelle auftauchte. Da Turteltaube Melanie laut Satellitendaten zu diesem Zeitpunkt immer noch auf ihrer Heimreise ins Brutgebiet war, können sich die Wissenschaftler*innen sicher sein, dass es sich bei der besenderten Taube auf den Bildern um Julia handelte.