Wo sind die Turteltauben im Winter?

Turteltaubenschwarm im Zakouma Nationalpark, Tschad – Foto: African Parks, Leon Lamprecht

Dana und Francesco verbringen ebenso wie Nicola im Jahr zuvor ihren Winter in der Trockensavanne. Diese Vegetationszone zieht sich wie ein Gürtel südlich von Wüste, Halbwüste und Dornsavanne am Südrand der Sahara quer über den Kontinent, durch die Länder (von West nach Ost): Senegal, Mali, Burkina Faso, Niger, Nigeria, Tschad und Sudan.

In der Trockensavanne fallen im Jahr nur zwischen 500 und 1.000 mm Niederschlag, allerdings sehr ungleich über das Jahr verteilt. Die Trockenzeit dauert jährlich sieben Monate, von Januar bis Juli, Regen gibt es dagegen zwischen August und Dezember. Die Flüsse sind daher periodisch wasserführend und die Vegetation aus brusthohen Gräsern und einem lichten Baumbestand ist in regenarmen Jahren stark von Dürren gefährdet. In der Regenzeit reicht der Niederschlag nur für eine Ernte, vor allem werden Hirse, Mais, Bohnen und Maniok angebaut. Charakteristische Baumarten sind zum Beispiel Affenbrotbäume oder Schirmakazien, die mit kleinen, lederartigen oder harten Blättern gut an die Trockenheit angepasst sind oder Wasser im Stamm oder in der Wurzel speichern können.

Francescos Weg ins Winterquartier ist ein gutes Beispiel für die Bedeutung von Schutzgebieten. Er verbrachte einige Zeit in einem Schutzgebiet in Mali, bevor er in das Sahel Reservat in Burkina Faso weiterflog. In diesen Gebieten profitieren die Turteltauben von mehr Vegetation und weniger Störung. Dana überwintert in Kamerun in der Umgebung des Schari (in der französischen Schreibweise Chari), dem 1.400 km langen Hauptzufluss des afrikanischen Tschadsees. Der Tschadsee liegt am Südrand der Sahara und ist ein abflussloser Binnensee, in den letzten 50 Jahren um mehr als 90 Prozent geschrumpft ist, als eine Folge der unregelmäßigeren Zuflüsse und der globalen Erwärmung. So ist der Schari zeitweise ein sehr großer Fluss, fließt aber sehr unregelmäßig, wie die meisten Flüsse in der Region und kann nahezu komplett trockenfallen.

Wenn die Turteltauben in der Trockensavanne ankommen, haben mit etwas Glück schon seit einigen Wochen die Regenfälle eingesetzt und die Vegetation hat sich von der Trockenzeit erholt. Die Turteltauben können dann von der Bildung der neuen Samen und vom Zugang zu Trinkstellen profitieren und bleiben, bis diese günstige Zeit vorüber ist und die nächste Trockenzeit beginnt.

Petra Quillfeldt

Petra Quillfeldt

Petra Quillfeldt ist Professorin für Verhaltensökologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen, wo sie im Studiengang Biologie mit Schwerpunkt Evolution,
Ökologie und Naturschutz unterrichtet. Ihre Forschungsschwerpunkte
reichen von der Ökologie von Sturmschwalben und Walvögeln im Südlichen
Ozean bis zu lokalen Projekten an Singvögeln im urbanen Lebensraum.
Sie hat Erfahrungen mit Geolokations-, GPS- und Satellitentracking.
Seit mehreren Jahren stehen Wildtauben und besonders die Europäische
Turteltaube ebenfalls im Fokus der Arbeitsgruppe. Verbesserte
Kenntnisse der Zugbewegungen und der Populationsgenetik, aber auch der
Krankheiten sollen zum Schutz der Art beitragen. Petra Quillfeldt ist
unter anderem Mitglied im deutschen Nationalkomitee SCAR/IASC
(Forschungskoordination in Arktis und Antarktis), im Beirat der
Deutschen Ornithologen-Gesellschaft (DO-G) sowie in NABU und HGON.
Petra Quillfeldt

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