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Francesco startet seinen Herbstzug

Am 11. September gegen sechs Uhr abends Ortszeit startete das besenderte Turteltaubenmännchen Francesco den Herbstzug aus seinem Brutgebiet in Italien. Dabei handelt es sich nun schon um den zweiten Flug am Sender in Richtung Süden. Zwei Stunden später um 20 Uhr war Francesco schon über dem Thyrrenischen Meer und überflog gegen 22 Uhr die westlichen Äolischen Inseln. Die nächsten Signale des Senders erreichten uns dann am späteren Nachmittag des 12. Septembers, da hielt sich Francesco an der Südküste Siziliens auf, in der Nähe der Ortschaft Licata. Von dort aus startete er noch am selben Abend zur Überquerung des zentralen Mittelmeers, ließ Malta, wo zur Zeit leider wieder Jadgsaison ist, glücklicherweise deutlich östlich liegen und kam damit sicher am frühen Morgen des 13. September an der nordafrikanischen Küste an. Die derzeit letzten Signale erreichten uns aus dem Osten Tunesiens, ca. 70km vom Meer entfernt.

Die Argos-Satellitenkarte zeigt Francescos Zugstrecke der letzten drei Tage.

Francesco hat diese erste Etappe seiner Reise mit der Querung des Mittelmeers sehr zügig absolviert und überwiegend nachts. Gespannt erwarten wir die kommenden Tage, in denen Francesco die Überquerung der Sahara bevorsteht und werden Sie darüber auf dem Laufenden halten.

Dana gelingt die Überquerung der Sahara nicht

Die Turteltaube Dana hatte ihren Rückweg ins Brutgebiet am 23. April angetreten. An diesem Tag war sie aus ihrem Winterquartier in Kamerun losgeflogen. Zwei Tage später erfolgten die nächsten Ortungen bereits aus dem Niger, 670 km in nordwestlicher Richtung. Zwei Tage und weitere 500 km nordwestlich hatte Dana ein Sanddünengebeit im Niger im nationelen Naturreservat ‚Air und Ténéré‘ erreicht. Die Wüstengegend Ténéré nördlich der Oasenstadt Agadez, gehört sicherlich zu den extremen Trockengebieten der Erde. So waren wir erst erstaunt, als es schien, dass sich Dana für eine Zwischenrast dort entschieden hatte und dann zunehmend beunruhigt, da die Ortungen für die nächsten Tage und Wochen aus der gleichen Gegend kamen, die bei Betrachtung des Satellitenbilds als Rastgebiet für Turteltauben ziemlich ungeignet erscheint.

Danas letzte Flugbewegung wurde am 26. Mai geortet. Das Signal kommt mitten aus der Sahara, südlich von Algerien.

Ungefähr einen Monat nach Danas Feststellung in der Ténéré erreichte uns am 26. Mai das bisher letzte Signal ihres Satellitensenders. Leider müssen wir davon ausgehen, dass der Vogel dort bei der Saharaüberquerung entweder umgekommen ist oder den Sender verloren hat. Insgesamt stellen große Wüstengebiete wie die Sahara für viele Zugvögel ökologische Barrieren dar, die nur unter großer Anstrengung überwunden werden können. Oasen, die Nahrung, Wasser und schützende Vegetation zur Zwischenrast bereitstellen, dienen dabei als sogenannte Trittsteine. Dehnen sich Wüsten aufgrund von Veränderungen im Klima aus oder verschwinden diese Trittsteine aus dem gleichen Grund, bleiben unsere Zugvögel ganz wörtlich gesprochen zunehmend auf der Strecke.

Francesco ist zurück und Dana ist auf dem Weg nach Norden

Die beiden Turteltauben haben den Winter gut überstanden und sind nun auf dem Rückweg.

Abbildung: Francescos Zugweg und sein Zwischenrastgebiet in Tunesien

Wie gehen Zugvögel mit den Herausforderungen des Klimawandels um?

Der Klimawandel verändert die Lebensräume für Zugvögel. Die Ausbreitung von Wüsten, ausgetrocknete Rastgebiete und steigender Meeresspiegel stellen sie vor große Herausforderungen auf dem Zug und in ihren Überwinterungsgebieten. Die Satellitentelemetrie kann uns Hinweise dazu liefern, wie stark diese Veränderungen bereits wirken. Mehr dazu im Beitrag:

Vogelzug im Klimawandel