Allgemein Beiträge

Francesco wieder in Italien

Wie im Vorjahr, hatte Francesco auch diesen Winter wieder in Westafrika verbracht, in einem recht kleinen, reich strukturierten Gebiet in Burkina Faso östlich der Hauptstadt Ouagadougou. Den Heimzug in sein italienisches Brutrevier begann er um den 13. April in nord-nordöstlicher Richtung. Die Sahara überquerte Francesco zügig über Niger, Mali und Algerien in nur drei Tagen vom 18. bis zum 20. April und legte dann vom 21. bis zum 28. April eine etwa einwöchige Zwischenrast in Tunesien ein. Das Mittelmeer überflog er dann am 29. April von Tunesien über Sizilien. Mindestens 400 km ist die kleine Taube am Stück geflogen, vermutlich sogar weiter.Francesco kam am 2. Mai nach insgesamt 19 Reisetagen in seinem Brutgebiet nordöstlich von Neapel an. Malta hatte er östlich liegen gelassen und war damit unbehelligt geblieben von der maltesischen Jägerschaft.

Typische Landschaft in der Region Kampanien, dem Brutgebiet von Francesco; Foto: wikipedia/Citterio

Ursprünglich hatten wir Francesco bereits Ende April 2017 auf der kleinen maltesischen Insel Comino mit einem Satellitensender ausgestattet. Da war er auf seinem Heimzug. Wir sind sehr froh darüber, dass wir diese Turteltaube nun schon über mehr als zwei komplette Jahreszyklen verfolgen und Einblicke in seine Brut- und Überwinterungsgebiete sowie Details zu seinen weiten Reisen sammeln konnten. Gespannt erwarten wir weitere Daten aus seinem Brutgebiet, die uns wichtige Rückschlüsse über Habitat und Reviergröße erlauben. Diese Daten werden uns dann als Grundlage dienen, Francesco und seine Artgenossen in Zukunft noch besser schützen zu können.

Im Augenblick ist Francesco die einzige Turteltaube im Projekt, deren Sender aktiv ist. In der laufenden Brutsaison plant der NABU zusammen mit der Universität Gießen jedoch noch vier weitere Turteltauben in Deutschland mit Sendern auszustatten. Gespannt erwarten wir, was die nächsten Wochen bringen, denn die Turteltauben sind auch hierzulande in ihren Brutgebieten eingetroffen.

Die Turteltaube wird politisch

Die Turteltaube wird politisch

Während sich unsere besenderte Turteltaube Francesco weiterhin östlich von Ouagadougou, der Hauptstadt Burkina Fasos, aufhält, musste sich in Deutschland in diesen Tagen das Bundesumweltministerium mit der bedrohten Art beschäftigen. Die derzeitigen Temperaturen von 35 Grad Celsius in Francescos afrikanischem Überwinterungsgebiet können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Turteltauben in Deutschland und Europa insgesamt eine harte Zeit durchmachen.

Francesco zieht noch weiter

Am 11. November 2018 verließ das Turteltaubenmännchen Francesco sein erstes diesjähriges Überwinterungsgebiet im Osten Malis. In südwestlicher Richtung flog er ungefähr 340 Kilometer in den Norden Burkino Fasos. Dort hält er sich seither im Schutzgebiet Réserve sylvo-pastorale et partielle de faune du Sahel auf. Mit etwa 16.000 Quadratkilometern ist es das größte Naturschutzgebiet in Burkina Faso. Wenngleich weite Teile trotz des offiziellen Schutzstatus recht intensiv beweidet sind, gibt es noch einige weniger genutzte Flächen und temporäre Seen mit höherer Bedeutung als Rastflächen für Zugvögel.

Francesco hat die Sahara überquert und überwintert in Mali

Wie im vorherigen Beitrag zu lesen, war Francesco am 13. September in Nordafrika angekommen. Dort ließ er sich nicht lange Zeit, bereits am 14. September hatte er Tunesien nördlich hinter sich gelassen und war in Algerien. Er überquerte dann fast ohne Zwischenrast in drei Tagen die Sahara und kam am 17. September im Südosten Malis an, ca. 230 Kilometer östlich der berühmten, in der Nigeraue gelegenen Stadt Gao. Dort hält er sich seither in einem recht begrenzten Areal mit einem Radius von ca. vier Kilometern auf. Dieses Areal liegt etwa 30 Kilometer nördlich des Ortes Menaka und dem Schutzgebiet „Reserve Partielle De Faune D‘Ansongo-Menaka“. Vom Satellitenbild lässt sich erkennen, dass das Gebiet in einer kleinen Flussniederung liegt, einem so genannten Wadi, das zumindest in der Regenzeit einige Wasserstellen aufweisen sollte.

Satellitenortungen von Francesco in seinem Winterquartier in Mali seit seiner Ankunft Mitte September 2018.

Es zeigt eine für den Sahel recht diverse Habitatstruktur, mit einem kleinskaligen Mosaik aus Baumbestand und Offenland. Aufgrund dieser Mischung aus Rast- bzw. Schlafbäumen, Wasserstellen als Tränken und offenem Gras- oder Kulturland für die Nahrungssuche auf kleinstem Raum erscheint uns das Gebiet zumindest aus dem All betrachtet als ein sehr geeignetes Überwinterungsgebiet für Turteltauben. Höchstwahrscheinlich überwintert Francesco dort nicht alleine, denn außerhalb der Brutzeit sind Turteltauben meist in Trupps unterwegs, als sie noch häufiger waren zum Teil auch in großen Schwärmen. Nun sind wir gespannt, ob Francesco in der Gegend bleibt oder wie im letzten Jahr im Laufe des Winters noch weitere Wanderungen unternehmen wird.

Francesco startet seinen Herbstzug

Am 11. September gegen sechs Uhr abends Ortszeit startete das besenderte Turteltaubenmännchen Francesco den Herbstzug aus seinem Brutgebiet in Italien. Dabei handelt es sich nun schon um den zweiten Flug am Sender in Richtung Süden. Zwei Stunden später um 20 Uhr war Francesco schon über dem Thyrrenischen Meer und überflog gegen 22 Uhr die westlichen Äolischen Inseln. Die nächsten Signale des Senders erreichten uns dann am späteren Nachmittag des 12. Septembers, da hielt sich Francesco an der Südküste Siziliens auf, in der Nähe der Ortschaft Licata. Von dort aus startete er noch am selben Abend zur Überquerung des zentralen Mittelmeers, ließ Malta, wo zur Zeit leider wieder Jadgsaison ist, glücklicherweise deutlich östlich liegen und kam damit sicher am frühen Morgen des 13. September an der nordafrikanischen Küste an. Die derzeit letzten Signale erreichten uns aus dem Osten Tunesiens, ca. 70km vom Meer entfernt.

Die Argos-Satellitenkarte zeigt Francescos Zugstrecke der letzten drei Tage.

Francesco hat diese erste Etappe seiner Reise mit der Querung des Mittelmeers sehr zügig absolviert und überwiegend nachts. Gespannt erwarten wir die kommenden Tage, in denen Francesco die Überquerung der Sahara bevorsteht und werden Sie darüber auf dem Laufenden halten.

Dana gelingt die Überquerung der Sahara nicht

Die Turteltaube Dana hatte ihren Rückweg ins Brutgebiet am 23. April angetreten. An diesem Tag war sie aus ihrem Winterquartier in Kamerun losgeflogen. Zwei Tage später erfolgten die nächsten Ortungen bereits aus dem Niger, 670 km in nordwestlicher Richtung. Zwei Tage und weitere 500 km nordwestlich hatte Dana ein Sanddünengebeit im Niger im nationelen Naturreservat ‚Air und Ténéré‘ erreicht. Die Wüstengegend Ténéré nördlich der Oasenstadt Agadez, gehört sicherlich zu den extremen Trockengebieten der Erde. So waren wir erst erstaunt, als es schien, dass sich Dana für eine Zwischenrast dort entschieden hatte und dann zunehmend beunruhigt, da die Ortungen für die nächsten Tage und Wochen aus der gleichen Gegend kamen, die bei Betrachtung des Satellitenbilds als Rastgebiet für Turteltauben ziemlich ungeignet erscheint.

Danas letzte Flugbewegung wurde am 26. Mai geortet. Das Signal kommt mitten aus der Sahara, südlich von Algerien.

Ungefähr einen Monat nach Danas Feststellung in der Ténéré erreichte uns am 26. Mai das bisher letzte Signal ihres Satellitensenders. Leider müssen wir davon ausgehen, dass der Vogel dort bei der Saharaüberquerung entweder umgekommen ist oder den Sender verloren hat. Insgesamt stellen große Wüstengebiete wie die Sahara für viele Zugvögel ökologische Barrieren dar, die nur unter großer Anstrengung überwunden werden können. Oasen, die Nahrung, Wasser und schützende Vegetation zur Zwischenrast bereitstellen, dienen dabei als sogenannte Trittsteine. Dehnen sich Wüsten aufgrund von Veränderungen im Klima aus oder verschwinden diese Trittsteine aus dem gleichen Grund, bleiben unsere Zugvögel ganz wörtlich gesprochen zunehmend auf der Strecke.